Wie kam die Idee?
Das war gar nicht so einfach. Denn wir suchten Ersatz für unseren Traum-Road-Trip durch Washington State, der aufgrund der weltweiten (Ein-) Reiseverbote nicht stattfinden konnte. Usedom heraus zu picken hat da schon ein wenig gedauert und auch als das endlich klar war, musste ich erst mal verinnerlichen, dass ich keinen wirklichen Ersatz erwarten durfte, denn keine deutsche Region, und sei sie noch so schön, würde mir mein Amerika ersetzen! Das ist ganz klar!
Sonntag, 27. September 2020
6 Uhr. Der Wecker klingelt aber ich schaffe es erst nach 20 Minuten, darauf zu reagieren. Wir haben die Nacht in Rostock verbracht und ich hatte extrem wenig und sehr schlecht geschlafen. Schade, denn der Tag zuvor in Rostock und Warnemünde war sehr schön gewesen, wie du hier nachlesen kannst.
Für das Frühstücksbuffet haben wir ein Zeitfenster von 7 bis 8.30 Uhr, deshalb stehen wir so früh auf. Gelohnt hat sich das, im Nachhinein, nicht unbedingt aber nun wissen wir, dass wir zukünftig bei dieser Hotelkette wieder ohne Frühstück buchen werden.
8 Uhr. Kampf mit dem Parkautomaten aber glücklicherweise freundliche Hilfe von anderen abreisenden Hotelgästen. Dann starten wir endlich.
Anreise nach Usedom über Greifswald
9 Uhr. Wir parken in eine Tiefgarage direkt am Marktplatz und erwischen zum Glück eine Regenpause, denn ich bin schon froh und dankbar, dass ich heute nicht krank bin, nachdem ich gestern in Rostock so durchnässt wurde.
Die Hansestadt Greifswald glänzt an einem sehr grauen Sonntagmorgen nur bedingt. Es ist natürlich schön, den hübschen Marktplatz überwiegend menschenleer betrachten und fotografieren zu können aber wir haben darüber hinaus eigentlich gar keinen Plan, was wir hier wollen. Wir kommen hier her, in der Hoffnung, dass Greifswald sich uns schon präsentieren wird!
Die gotischen Gebäude rund um den großen Marktplatz beeindrucken auf jeden Fall, jedoch wird schnell klar, dass genau hier so ziemlich alle Fotos gemacht werden, die man über Greifswald so auf Anhieb findet. Denn abseits des Marktplatzes ist die Stadt weit weniger schön. Das kenne ich schon von vielen Städten, aber hier ist es doch recht extrem.
Für uns wird es ein nasskalter Spaziergang am Museumshafen und, sobald um 10 Uhr die Cafés am Marktplatz öffnen, eine Tasse Kaffee. Um 11 Uhr würde das sehr interessant klingende Pommersche Landesmuseum öffnen aber wir streichen noch um 10.45 Uhr die Segel und verlassen Greifswald lieber endlich Richtung Usedom.
Meine Greifswald-Bilder findest du: hier! [Zusammen mit den Bildern von gestern in Rostock.]
Die ersten Stunden auf Usedom
11.30 Uhr. Unser Hotel, zwischen Karlshagen und Trassenheide gelegen, möchte uns leider noch nicht empfangen. Ja, wir sind sehr früh! Aber ich finde, man könnte das unter Umständen trotzdem schon ermöglichen, da das Hotel durch die Corona-Auflagen ja gar nicht voll auslasten darf, sodass zwangsweise Zimmer frei sein müssen…
Egal. Die Anlage macht so erstmal einen sehr guten Eindruck und an der Infowand finden wir schnell einen Flyer von einem Hof Café, nur 7km entfernt. Dorthin fahren wir umgehend um etwas zu essen, es ist wirklich lecker und gemütlich aber draußen regnet es nach wie vor… Also bleiben wir auch noch auf Kaffee und Kuchen bevor es ein wenig aufklart und wir zum Naturhafen des Ortes spazieren.
Aber es ist einfach unangenehm nasskalt, also fahren wir nach Trassenheide einkaufen. Viele Discounter haben hier auf der Insel auch sonntags geöffnet, also können wir uns mit Obst, Brötchen und Bier eindecken, allerdings ist es danach auch erst 13.30 Uhr…
In Karlshagen parken wir und gehen durch den Ort, überwiegend durch eine hübsche Ferienanlage, spazieren, denn ohne Kurkarte, die es erst beim Check in gibt, können wir gar nicht an den Strand!
14.15 Uhr. Endlich können wir einchecken. Das Mädchen an der Rezeption ist supernett aber das Zimmer, das wir erhalten nicht akzeptabel! Der Raum an sich ist groß und schön aber das Badezimmer bzw. die Dusche sehr verschimmelt! Ein Zimmerwechsel ist jedoch bestenfalls am nächsten Tag möglich, wenn der Chef da ist. Unsere Laune sinkt auf einen Tiefpunkt!
Trotzdem verbringen wir den Rest des nassen Tages in unserem Zimmer. Wohin auch bei diesem Wetter?

Montag, 28. September 2020
Zimmerwechsel
8 Uhr. Der Wecker klingelt weil wir hoffen, heute so früh wie möglich das Zimmer tauschen zu können.
Nach dem eher minderwertigen mittelmäßigen Frühstück gehen wir dieses Thema auch sofort an. Der Chef ist heute da, ist im freundlichen Umgang mit Kundenreklamationen aber nicht besonders geübt. Egal, denn wir bekommen nach viel Diskussion trotzdem ein anderes Komfort Zimmer, allerdings oben, d.h. ohne Terrasse/Balkon. Das Badezimmer ist auch hier kein Jackpot aber definitiv aushaltbar. Unzählige kleine Abstriche müssen wir zusätzlich noch machen mit diesem Zimmer aber so ertragen wir die Woche trotzdem.
Ostseebad Zinnowitz
Nachdem wir in Trassenheide geparkt und vergeblich nach einem Ticketautomat für die Bahn nach Swinemünde gesucht haben, fahren wir, zunächst schlecht gelaunt, nach Zinnowitz: Unsere erste „Berührung“ mit dem herrlichen langen, hellen Sandstrand von Usedom! Wunderschön! Sonnenschein! Eigentlich könnte es uns schlechter gehen!
Wir gehen ein bisschen am Strand entlang, trinken einen Kaffee beim Bäcker und beschließen, eine kleine Wanderung aus unserem Reiseführer zu unternehmen, denn den ganzen Tag in Zinnowitz abzuhängen, muss auch nicht sein, obgleich es uns hier gut gefällt!
Rundwanderweg um den Cämmerer See
14 Uhr. Nachdem wir uns im Hotel mit unseren Wanderschuhen etc. ausgestattet haben, starten wir in Peenemünde unsere kleine Wanderung auf dem Deich zwischen dem Cämmerer See und dem Peenestrom, dem Ostseearm, der die Insel Usedom vom mecklenburgischen Festland trennt.
Hier haben wir ganz viel Sonne, etliche Wolken und es ist herrlich, hier unterwegs zu sein! Am Cämmerer See stoppen wir auch eine Weile auf einer Bank und ich zähle über 90 Schwäne und 1 Graureiher. Beeindruckend!
Dieser See war übrigens einst Teil des Peenestroms, bis man dann den Deich errichtet hatte. Auf diesem Deich müssen wir, ein Stück weiter, einer ausgebüchsten Kuh ausweichen, aber es ist eine tolle Strecke! Neben uns, auf dem Peenestrom, fährt sogar ein Flusskreuzfahrtschiff vorbei, jedenfalls meine ich es als ein solches zu erkennen. Sowieso kann man hier sehr gut gucken, bis rüber zum Festland, denn der Strom ist nicht allzu breit.
Nach dem Cämmerer See folgt der kleine See Piese, den wir umrunden und ab dort geht es auf Graswegen und zwischen hohen Wiesen auf der anderen Seite des Cämmerer Sees wieder zurück nach Peenemünde. Der Ort ist übrigens sehr klein und ruhig aber trotzdem gibt es ein paar Restaurants und vor allem kann man hier ein U-Boot besichtigen oder das Historisch-Technische Museum besuchen!
Laut Reiseführer beträgt die Strecke unserer Rundtour übrigens 6km und ich kann sie dir wärmstens empfehlen!

Ostseebad Karlshagen
Bevor wir uns mit Getränken und Chips eindecken und den Abend auf unserem Zimmer vertrödeln, kehren wir noch beim Griechen ein. Das hat Philipp sich gewünscht. Denn bei ihm hatte sich die Laune noch nicht unbedingt verbessert durch den Rundwanderweg. Er ärgert sich sehr über unser Hotel.
Weil wir nach dem Essen noch Parkzeit übrig haben, schauen wir auch kurz einmal an den Strand von Karlshagen.
Dienstag, 29. September 2020
Tag in Trassenheide und Karlshagen
Heute Morgen erkundigen wir uns am Stall nach Ausreitmöglichkeiten, denn an der Rezeption war man am Vortag nicht gewillt, mir hierüber Informationen zu geben. Auch hier am Stall ist die Dame weit entfernt von freundlichem Umgang mit Gästen aber ich melde mich trotzdem für morgen Früh an.
Vom Hotel sind es nun zu Fuß ca. 15 Minuten durch herrlichen Märchenwald zum Strand. Man kommt dann exakt am Strandabschnitt zwischen Karlshafen und Trassenheide raus. Erwartungsgemäß gibt es hier aber keinerlei Infrastruktur und so gehen wir noch 30-40 Minuten an und in der Ostsee nach Trassenheide, wo wir für 3 Stunden einen Strandkorb mieten. Wenn DAS jetzt kein Urlaubsgefühl beschert, dann weiß ich auch nicht mehr weiter!
Wir verbringen die Zeit mit Lesen und auf´s Meer glotzen. Dinge, die ich über alles liebe und die sogar Philipp etwas runter bringen. Zwischendurch hole ich uns Pommes und Fischbrötchen – so einfach kann es sein!
Den Rückweg zum Hotel gehen wir dann aber komplett durch den Wald, denn auch wenn der Waldweg nicht gepflastert sondern eher sandig und verwurzelt ist, geht es sich hier einfacher als am Strand.
Ein sehr frühes Abendessen nehmen wir in Karlshagen bei einem Italiener ein. Kopfschmerzbedingt (meinerseits) machen wir dann aber sehr früh Feierabend und schlafen schnell.

Mittwoch, 30. September 2020
Strand-Ausritt zwischen Karlshagen und Trassenheide
Heute Morgen darf Philipp natürlich noch liegen bleiben aber mein Wecker klingelt um halb sieben! Ich soll um halb acht am Reitstall sein. Drei andere Frauen gesellen sich zu mir und die Pferde werden uns zugeteilt. Mein Brauner ist etwas dürr und nicht mehr der Jüngste, aber macht sonst einen guten Eindruck. Generell sind Tiere und Boxen sehr gepflegt. Den Tieren gegenüber ist man hier wesentlich freundlicher gesonnen als uns Gästen. Immerhin!
Wir putzen und trensen die Pferde selbst, gesattelt wird vom Stallpersonal, das finde ich gut. Wir führen die Pferde dann über die große Hauptstraße in den Wald, wo wir gestern auch spazieren gegangen sind und dürfen dort aufsitzen. Die Reitstrecke, im Schritt und Trab geritten, unterscheidet sich zwar von der Fußgängerstrecke ist aber nicht minder schön. Bevor wir dann an den Strand reiten, darf, wer meint, noch mal nachgurten und dann geht es los!
Allein der Aufritt aus dem Wald hoch über den kleinen Dünenweg Richtung Strand, die Sonne über dem Meer, frische Morgenluft, das hier lohnt sich!
Und dann reiten wir in die Ostsee, im Schritt, gerade so tief, dass nur die Pferdebeine und -bäuche nass werden. Später wird auch noch ein Stück getrabt und wer mag darf in einem großen Zirkel auch einmal links und einmal rechts herum galoppieren. Keines der Pferde wird aus- bzw. auffällig, während sie jedoch auch nicht abgestumpft wirken. Ich glaube, dass es den Tieren hier gut geht!
Zurück geht es wieder denselben Weg. Im Schritt durch´s Wasser und im Schritt und Trab durch den Wald. Schade, dass ich kein einziges Foto davon habe, umso besser jedoch ist mir dieses Erlebnis im Gedächtnis geblieben. Es war schön!
Aber es war, sind wir ehrlich, auch nur so schön weil ich ein tolles Pferd hatte und sowohl Wald als auch Strand unsagbar schön sind! Die Gruppenleitung war eher ein Oberfeldwebel und auch der Grund warum ich davon absehe, in den kommenden Tagen noch weitere Ausritte mit zu machen!
Swinemünde, Polen
Philipp war, wie besprochen, ohne mich frühstücken gegangen, wo man ihm auch sehr klar gemacht hatte, dass es definitiv nicht möglich sei, dass ich dann noch später frühstücken komme. Das hatte ich zwar gar nicht vor gehabt, ist aber auch wieder eine Unmöglichkeit: Ausritte werden nur von 8-9 Uhr angeboten, was mit Absatteln, Duschen, etc. völlig mit den Frühstückszeiten kollidiert, und dann darf man nicht mal getrennt bzw. später frühstücken gehen?!
Egal! Nach einer heißen Dusche und ausgiebigem Haare Föhnen, fahren wir zum Bahnhof von Trassenheide und steigen in den Zug nach Swinemünde, denn mittlerweile wissen wir: Tickets gibt es ausschließlich im Zug!
11.45 Uhr. Nach einer vollen Stunde Zugfahrt steigen wir in der polnischen Hafenstadt aus. Zunächst ist die Umgebung wie bei den meisten Bahnhöfen: Wenig schön.
Aber wer konsequent Richtung Norden spaziert, stößt irgendwann zwangsweise auf die tolle Promenade, die auf uns noch sehr neu wirkt. Sie ist gesäumt von Cafés und Restaurants, hier und da wird auch ein neues Hotel gebaut. Es ist aber keine Strandpromenade, um nicht den falschen Eindruck zu erwecken, auch wenn der Strand nicht weit ist, man sieht ihn von hier nicht.
Wir laufen die Promenade also recht weit hoch, gehen dann an den Strand und laufen parallel zur Promenade am Wasser wieder zurück. Auch heute bekomme ich, seit der Bahnfahrt, wieder starke Kopfschmerzen und wir suchen Zuflucht in einer der Beach Bars. Zwei große Tassen Kaffee bewirken Wunder, trotz der bald einsetzenden Musik, die man zur allgemeinen Unterhaltung anstellt. Wir könnten ewig hier sitzen und auf´s Meer gucken…
Swinemünde hat einfach was! Es ist irgendwie jünger und sonniger und belebter als das was wir bisher von Usedom gesehen haben. Irgendwie... LEBENDIGER! - Ohne überlaufen oder zu Halli Galli zu wirken! Wir mögen es sehr! (Alle meine Fotos: hier!)

Wir gehen weiter am Wasser entlang. Neben ein paar Schiffen am Horizont, gibt es hier sogar Schwäne im Flutsaum…
Google hilft uns, die Grenze zwischen Polen und Deutschland nicht zu verpassen, denn die könnte man am Strand unbemerkt überschreiten, aber ich möchte gerne auf den Holzstegweg, wo man die Grenze markiert hat und ein Foto machen kann, auf dem man mit einem Bein in Polen und dem anderen in Deutschland steht!
Dort lassen wir den polnischen Teil Usedoms wieder hinter uns und es geht auf einem herrlichen, asphaltierten Waldweg Richtung Ahlbeck.
Seeheilbad Ahlbeck
Zu Fuß aus Polen kommend durchqueren wir einen sehr großen Teil des Ortes und ich muss sagen, dass er mir außerordentlich gut gefällt! Zudem finden wir sehr bald ein schickes Restaurant, wo wir draußen, in Decken eingewickelt, in einem Strandkorb sitzen und speisen können. Das ist jetzt gegen 14 Uhr auch langsam bitter nötig, da ich ja kein Frühstück hatte…
Shopping und Feierabend
Viel haben wir heute nicht (zusammen) gemacht aber es hat richtig Spaß gemacht in Swinemünde und Ahlbeck, sodass wir dann auch bald aufbrechen können, ohne unzufrieden zu sein. Wir gehen noch ein Stück weiter nach Heringsdorf, aber nur, um dort um 16.30 Uhr den Zug nach Koserow zu nehmen, sodass wir von Heringsdorf nicht viel zu sehen bekomme.
In Koserow gehen wir (ich…) relativ ausgiebig shoppen und nehmen um 18.30 Uhr den Zug nach Trassenheide. Während wir so auf die Bahn warten, beschert uns der Bahnhof Koserow noch einen himmlischen Sonnenuntergang und so langsam fange ich an, Usedom zu mögen akzeptieren…
Donnerstag, 1. Oktober 2020
Rundwanderweg um den Weißen Berg

9 Uhr. Wir haben gefrühstückt aber es sieht nach Regen aus! Ist auch angesagt. Darum vertrödeln wir den Vormittag im Zimmer. So richtig sinnvoll ist das aber nicht, denn es kommt und kommt kein schlechtes Wetter… Also streben wir nun doch unsere Wanderung auf der Gnitzer Halbinsel an!
12 Uhr. Wir parken in Lütow und suchen den Beginn unseres Wanderwegs. Der, den wir fälschlicherweise dafür halten, ist glücklicherweise abgesperrt und zwar doppelt: Ein Baum liegt quer vor unserer Nase, den könnte man noch irgendwie überwinden, und dahinter ist ein Gatter geschlossen. Seltsam… Aber unser Glück! Denn zurück am Parkplatz treffen wir ein älteres Ehepaar, deren Reiseführer eine etwas bessere Beschreibung des Startpunktes parat hält und so schicken sie uns in die richtige Richtung.
Die Rundtour, die ähnlich lang sein soll wie vor ein paar Tagen um den Cämmerer See, führt durch das Naturschutzgebiet am Achterwasser. Auch wenn es nur für maximal 5 Minuten sonnig wird, sind wir doch froh, diesen Weg zu gehen, denn es bleibt trocken und die Ausblicke auf die Lagune sind einfach malerisch!
Die Wege sind überwiegend sandig, wir sehen viele Schafe, es ist unendlich Grün und sehr, sehr angenehm ruhig! Der sogenannte Weiße Berg ist ungefähr 36 Meter „hoch“, also habe selbst ich ihn schnell erklommen. Die Aussicht wird dort „oben“ natürlich nur NOCH besser! Die helle Steilküstenlandschaft erinnert mich ein bisschen an die Kreidefelsen auf Rügen vor mittlerweile sieben Jahren!
Letztlich muss es aber so sein, dass wir die Tour irgendwie abgekürzt haben, denn statt fast zwei Stunden, brauchten wir maximal anderthalb…Alle meine Fotos: hier!
Gemütlichkeit (in Neuendorf und) Trassenheide
Im nächsten Ort halten wir für ein kleines Café, das auf sämtlichen Websites und im Reiseführer hoch gepriesen wird. Hier gibt es lecker Kaffee und Kuchen und es gefällt uns auch recht gut aber Philipp hat wenig Bedarf, es sich hier zu lange gemütlich zu machen, ich glaube, er ist gedanklich schon im Strandkorb…
In Trassenheide müssen wir dann jedoch feststellen, dass der Strandkorbverleih geschlossen ist. Na gut, es könnte sonnigeres Wetter geben! Immerhin stehen überhaupt noch Körbe, viele wurden heute bereits weggeräumt, es ist ja jetzt Oktober!
Wir legen uns also auf unsere Decke in den Windschatten eines besonders großen Strandkorbs – und zack, kommt 45 Minuten später eine Frau, die uns, wenig charmant, darauf hinweist, dass wir gerne zahlungspflichtig einen Strandkorb mieten, aber nicht daneben auf unserer Decke liegen dürfen… Wieder so eine Situation: Der Ton macht die Musik! Aber irgendwie sind uns die Menschen auf Usedom nicht sonderlich wohl gesonnen…
Wir mieten dann noch für zwei Stunden einen Strandkorb und lesen und glotzen auf´s Meer und ich hole Pommes und Fischbrötchen… Wie sich das halt so gehört!

Es ist weiterhin bedeckt aber dennoch ist meistens recht viel los hier am Strand. Statt Badelustige und Sonnenhungrige kommen die Urlauber dick angezogen und mit den unterschiedlichsten Vorhaben… Eine junge Frau ist fotografisch auf der Jagd nach Wellen, Wellen, Wellen… Viele junge Eltern lassen ihren Nachwuchs kurz im Sand toben…Das ein oder andere Ehepaar führt seine ein bis drei Hunde aus…
Ein Opa baut mit seinem Enkelkind am Flutsaum eine Matschburg… Andere Besucher sitzen, wie wir, einfach gemütlich in ihrem Strandkorb…Und ein Ehepaar steht einfach nur eng umschlungen am Meer…
Meine Lieblinge: Oma setzt sich nah ans Meer in den Sand während Opa unermüdlich versucht, von hinten Schnappschüsse von ihr zu schießen, wie sie auf´s Meer blickt. Insta-Omi?
Ein Wagemutiger springt sogar eilig in die Fluten und scheint das Bad auch noch zu genießen…
Uns ist auch so schon kalt! Gegen 17.30 brechen wir auf. Knapp über 3 Stunden Parkzeit kosten uns satte 7 Euro. So langsam nervt´s!
Freitag, 2. Oktober 2020
Fahrradtour zwischen Koserow und Ahlbeck
Fahrradverleihe gibt es auf Usedom wie Staubkörner in unserem uralten Wohnzimmerteppich! Den richtigen für uns zu finden, erweist sich jedoch als nicht sehr einfach, denn wer die Wahl hat, hat die Qual… Fußläufig ist nämlich keiner wirklich erreichbar, also muss es Parkmöglichkeiten in der Nähe geben, außerdem E-Bikes - und die Preise und Öffnungszeiten dürfen auch gerne stimmen!
Unsere Wahl fällt auf Koserow! 15km entfernt liegt das gerade noch im Rahmen und Parken können wir ungefähr 200 Meter entfernt für 4€ den ganzen Tag. Preislich können wir uns über die Räder auch nicht beschweren, auch wenn die Räder schon ziemlich alt und nicht besonders toll sind. Philipp´s Fahrrad kostet 6€ Leihgebühr, mein E-Bike 20€ für den Tag.
Zunächst radeln wir über Kölpinsee nach Bansin. Es geht nicht direkt an der Küste entlang sondern überwiegend durch Wald. Wir halten nur kurz in Kölpinsee um einen Blick auf den Strand, und auch auf den Kölpinsee, zu werfen. Im Wald sind die Wege nicht sehr fahrradfreundlich sondern eher naturbelassen, vor allem aber auch hügelig! Es geht nahezu ununterbrochen bergauf, bergab mit bis zu 16% Steigung bzw. Gefälle. Viele müssen absteigen und schieben, Philipp kämpft sich aber so durch, und ich sitze ganz gemütlich auf meinem Gefährt und schalte für die Bergauf-Strecken in den Turbogang. Kein Problem!
In Bansin gönnen wir unseren Hinterteilen eine Pause, denn die Fahrradsättel sind wirklich kein Geschenk. Das Seeheilbad hat, wie fast jeder Ort hier, eine Seebrücke und die spazieren wir ein wenig ab.
Die drei Kaiserbäder, von West nach Ost genannt, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck (alle meine Fotos: hier!), gehen im Grunde genommen nahtlos ineinander über. Und so radeln wir diese Strecke nun auch ab. Endlich ist der Weg eben und asphaltiert, allerdings auch gnadenlos überlaufen. Hier sind ziemlich viele Radfahrer und noch mehr Fußgänger unterwegs! Ich weiß gar nicht wie das hier in der Hauptsaison aussehen soll…
In Heringsdorf stoppen wir wieder zum Füße vertreten. Es macht im Vergleich zu Ahlbeck und Bansin einen leicht herunter gekommenen Eindruck, alles wirkt sehr alt. Aber am Meisten stören uns die Menschenmassen… Heringsdorf ist im Allgemeinen einfach am Beliebtesten.
Uns zieht es eher nach Ahlbeck und das ist auch gut so: In diese Richtung wird es optisch wieder schöner und wir finden pünktlich um 12 Uhr auch zufällig ein deftiges Wirtshaus, das für uns Spätzle und Schnitzel bereithält! Die Sonne scheint und wir können wieder draußen in einem Strandkorb sitzen beim Essen.

Zurück nach Koserow könnten wir nun den gleichen Weg fahren, wie wir gekommen sind, aber wer mich ansatzweise kennt, weiß, dass das keine echte Option ist. Und so eruiere ich über Google Maps eine Alternative, die uns weg von der Küste führt und noch ein bisschen mehr von der Insel sehen lässt:
Von Ahlbeck nach Korswandt führt uns der Weg wieder durch viel Wald und es geht stetig bergauf, Philipp flucht hinter mir wie ich es nur äußerst selten von ihm zu hören bekomme!
Südlich des Gothensees schlagen wir uns rüber nach Benz und von dort „schnellstens“ (so schnell es halt geht) Richtung B111, die zwar stark befahren und somit laut ist aber die bisherigen Wege waren auch nicht einfach, weil viel bergauf und ohne Fahrradwege. Die Bundesstraße hat immerhin einen Fahrradweg, wenn auch natürlich wenig idyllisch… An der Bundesstraße nun also entlang, kommen wir nach Pudagla, Ückeritz, Kölpinsee und schlussendlich Koserow.
16 Uhr. Die Fahrradrückgabe ist erst ab 17 Uhr wieder möglich. Wir dürften die Drahtesel hier zwar auch einfach hinstellen und abschließen und den Schlüssel einwerfen aber es gibt vor dem Fahrradverleih (das ist jetzt kein Witz!) keinen einzigen Fahrradständer! Das ist uns zu unsicher und deshalb verweilen wir so lange am Strand von Koserow. Philipp isst ein Eis und ich gehe auf die Suche nach schönen Fotomotiven (alle meine Fotos: hier!). Daraufhin machen wir es uns liegend am Strand bequem. Es ist zwar nicht sehr warm aber 20 Minuten hält man es warm eingemummelt auf jeden Fall aus!
Viele Strandspaziergänger kommen vorbei… Manch mit und viele ohne Begleitung auf vier Pfoten… ein Stück weiter sitzt ein biertrinkendes Pärchen auf einer Decke… Eine Frau filmt die rauschenden Wellen… Und ein Mann wagt den Sprung in die selbigen.
Auch wenn wir heute wieder keinen besonders schlechten Tag hatten, so überlegen wir, nicht zum ersten Mal, ernsthaft, ob wir früher abreisen sollen… Samstag statt Sonntag nach Hause zu fahren klingt einfach zu verlockend… Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich das mal behaupten würde aber wir fühlen uns in diesem Hotel wirklich null Willkommen und die Aktivitäten auf der Insel sind erstaunlicherweise doch begrenzt für unseren Geschmack, und das obwohl das Wetter mitspielt…

Im Hotel bittet man uns aber, morgen Früh beim Chef nachzufragen ob wir morgen schon abreisen können, ohne die letzte Nacht noch bezahlen zu müssen. Uns ist klar, dass der dies verneinen wird…
Samstag, 3. Oktober 2020
Karlshagen
Und genau so kommt es… Wir würden also die letzte Nacht noch bleiben!
Von 11 bis 14 Uhr parken wir in Karlshagen und mieten einen Strandkorb. Glücklicherweise ist das ein preiswerter Zeitvertreib, den wir beide mögen. Die Sonne scheint aber es ist auch extrem windig, ich denke, es ist der stürmischste Tag heute!
Und so sitzen wir in unserem Korb und ich beobachte das Bunte Treiben! Die Windbedingungen geben es her, dass etliche Kinder ihre Drachen steigen lassen, wobei manchmal nicht klar ist, wer mit mehr Feuereifer dabei ist, das Kind oder der Vater mit seiner extravaganten Konstruktion!
Unsere Strandkorbnachbarn mit zwei Kindern pusten Seifenblasen in den Sturm. Später schrauben sich die Eltern eine Flasche Rosé rein, bevor sie samt der Kinder im eisigen Meer baden gehen.
Windbedingt sind super viele Kite Surfer auf dem Wasser!
Ab 12 wird es dann etwas voller am Strand aber es sind nicht sehr viele Strandkörbe besetzt. Die Leute stehen überwiegend unschlüssig im Wind herum und verschwinden dann meistens doch wieder.
Wir kämpfen mit den Sandmassen, die ständig heran geweht werden und sich um uns herum und in unseren Schuhen und Taschen regelrecht türmen. Mein E-Book-Reader ist nun auch sandig. Und Philipp ist Ganzkörper-paniert aber das geht auch einfach zu schnell!
Abschluss in Zinnowitz
Später im Hotel befreien wir uns von dem Sand und unseren Sturmfrisuren und überlegen, wie wir den letzten Nachmittag verbringen.
15 Uhr. Wir brechen auf und wollen den Urlaub dort beenden, wo wir ihn im Grunde genommen begonnen hatten. In Zinnowitz hat Philipp ein hübsches, modernes Restaurant aufgetan, doch vor Ort stellen wir fest, dass es erst ab 17 Uhr warme Küche gibt.
Alternativ landen wir bei einem bestenfalls durchschnittlichen Italiener und müssen uns anschließend in einem sehr gemütlichen Café mit Kaffee und Kuchen trösten! Dort sitzen wir aber richtig schön mit Blick auf die Strandpromenade und das Menschengewusel, folglich gibt es auch hier viel zu Beobachten. Sogar das Meer erhaschen wir von hier ein wenig.

Es folgt ein letzter kurzer Strandspaziergang bevor wir zum Hotel fahren, packen und das Auto beladen, damit wir morgen Früh nicht zu viel Zeit verlieren, denn auf dem Hinweg, vor einer Woche, hatten wir festgestellt, dass die Autoschlage, die die Insel verlassen will, etliche Kilometer lang ist und das wollten wir nicht auch durchmachen!
Sonntag, 4. Oktober 2020
Tschüss, Usedom!
08.45 Uhr. Später als gedacht, rollen wir vom Hotelparkplatz. Die Heimreise verläuft problemlos, wir sind, inkl. eines Tankstopps, gegen 14 Uhr wieder in heimatlichen Gefilden.
Usedom liegt hinter uns und so richtig in Worte fassen kann man es immer noch nicht. Ich bin der Insel zwar schon eher wohl gesonnen als Philipp aber maßlos begeistert bin auch ich nicht.
Die wirklich unbeschreiblich tollen, langen Strände und auch die vielen Wälder der Insel sprechen natürlich für sich! Aber wir hatten etwas Pech mit dem Hotel und das hat uns ziemlich viel vermiest, bzw. wir haben es uns vermiesen lassen. So sehr man sich auch auf das Gute und Schöne konzentrierte, viel zu oft schwang mit, dass wir ein blödes Hotel haben, dort viel zu abseits wohnen, immer Auto fahren, Parken, etc. müssen.
Aber daraus lernen wir! Dass wir so abgeschieden nur wieder wohnen würden, wenn wir vernünftige Fahrräder und eine Kochmöglichkeit im Zimmer hätten. Vor allem aber würden wir zukünftig tendenziell doch zentral wohnen wollen! Welch Luxus es ist, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten um die Ecke zu haben und einfach seine Strandtasche zu packen, 200 Meter zu gehen und sie wieder auszupacken…
Aber wie dem auch sei, ich schulde dir an dieser Stelle noch die allermeisten meiner Fotos; diese findest du: hier!