Loading...

Krakau 2014


Im Westen nichts Neues... Darum Krakau!
Warum immer klassische Ziele bereisen?
Dass es sich lohnt so zu denken und zu reisen,
werdet ihr sehen...:


 

KRAKAU – bis Ende des 16. Jahrhunderts Polen´s Hauptstadt und Sitz der polnischen Könige. Gesegnet mit einer Vielzahl von einzigartigen Kunst- und Kulturstätten sowie natürlich UNESCO-Weltkulturerbe! Los geht´s!

 

Montag, 17.03.14

 

Pünktlich (trotz DB) um 12 Uhr fahren Mama und ich mit der Bahn von Braunschweig Hbf. nach Berlin Hbf. und von dort weiter mit dem Tegel-Bus zum Flughafen. Die Zeit vergeht bis hierher recht schnell aber bis zum Abflug um 17.30Uhr zieht es sich dann doch ein bisschen, zumal der Flughafen wirklich nicht schön ist. Ich hatte Tegel kaum in Erinnerung.

 

Meine letzte Reise von dort ist satte zehn Jahre her, damals mit zarten 16 Jahren, einer der ersten Flüge überhaupt und das große Traumziel Florida vor Augen, hat man die Welt, sprich den Flughafen, doch sehr anders wahr genommen.

 

Sicher hat man in den letzten Jahren auch keine Gelder mehr investiert, da der große tolle niemals fertig werdende BER Hauptstadtflughafen kommen sollte, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass man sich für Tegel schämen muss. Wenn dieses alte, unmoderne, dreckige Etwas von Flughafen für viele Menschen aus aller Welt der erste Eindruck von Deutschland ist – ist das nichts auf das wir stolz sein können.

 

Wie dem auch sei, wir sind pünktlich und sicher gestartet und gelandet – zarte 60 Minuten sind es ungefähr bis Krakau und Hubert und Gosia empfangen uns herzlich, nachdem wir unseren Koffer, wie immer, als letztes vom Band hieven durften.

 

Die Fahrt in die City ist mit 15km nicht besonders weit, kommt einem im Dunkeln jedoch durchaus so vor. Wir parken außerdem ziemlich weit entfernt vom Hotel, da dies nicht anders möglich ist.

 

Wir checken im Rezydent Hotel in der Straße Grodzka ein, die übrigens eine Fußgängerzone darstellt, stellen die Koffer im Zimmer ab und werden direkt von unseren polnischen Bekannten zum Abendessen eingeladen – mittlerweile ist es 21 Uhr. Dieses tolle Restaurant befindet sich nur 300m entfernt von unserer Unterkunft und bietet in erster Linie polnische Küche.

 

Das Ambiente ist wirklich ganz toll und modern aber gleichzeitig urig und polnisch. Wir essen zunächst Pilz- bzw. Rote Beete-Suppe und als Hauptgang Tomaten- bzw. Spinat-Quiche. Es schmeckt fantastisch und die Bedienung ist auch superfreundlich. Ein gelungener Auftakt.

 

Dienstag, 18.03.14

 

Enttäuschend hingegen ist am nächsten Morgen das Frühstück. Um 7 Uhr sind wir auf, um 8 Uhr begeben wir uns in das nur 20m entfernte Restaurant Marmolada wo die Rezydent-Gäste das Frühstück einnehmen. Dieses besteht leider nur aus einer geringen Auswahl, die auch qualitativ besser sein könnte.

 

9 Uhr: Wir machen uns auf dem Weg zum Rynek Glowny. Der zentrale Marktplatz beginnt bereits knapp 100m entfernt von unserem Hotel. Dort befinden sich das Hard Rock Café, eine Kirche, eindrucksvolle Architektur aus mehreren Jahrhunderten, Denkmäler und die Tuchhallen.

 

Es ist ein mittelalterlicher Platz mit einer Größe von 200 x 200 Metern und er bildet das das Herz der Stadt, der 2005 zum schönsten Platz der Welt gewählt wurde! Wir können das definitiv nachvollziehen!

 


 

Wir umrunden den Rynek, suchen eine Wechselstube auf und stöbern durch die Tuchhallen, in denen Handwerkskunst und Souvenirs verkauft werden. Im 1. Stock befindet sich außerdem eine Galerie mit Werken polnischer Maler, die wir jedoch nicht besuchen.

 

Der Name der Tuchhallen rührt daher, dass hier bereits im Mittelalter Lebensmittel und eben Stoffe und Tücher verkauft wurden.

 

Darüber hinaus gibt es im Untergrund eine Ausstellung, die Mauerreste, Keller und Gänge zeigt, da Krakau im Mittelalter wesentlich tiefer lag. Dazu später mehr.

 

Wir erspähen und erstehen hier etliche Souvenirs und unternehmen, als die Sonne herauskommt eine 20-25-minütige Kutschfahrt bis zum Wawel-Schloss und zurück zum Rynek. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

 


 

Anschließend wärmen wir uns im Coffee Heaven auf. Eine wie ich finde unglaublich fantastische (und wesentlich preisgünstigere) Alternative zu meinem geliebten Starbucks! Die dort erwerbbaren Produkte sind quasi identisch und das Konzept im Grunde auch!

 

Als nächstes steht die besagte Kirche auf dem Rynek an. Die Marienkirche ist sozusagen das Wahrzeichen der Stadt und das besondere ist ihr Altar, der 1442 durch den Einsturz des Chorgewölbes zerstört wurde. Der Künstler Veit Stoß aus Nürnberg erhielt drei Jahrzehnte später den Auftrag zur Fertigung des neuen Altars und entstanden ist ein Prachtstück mit 13m Höhe, 11m Breite und er stellt den größten spätgotischen Schnitzaltar dar, der den Chorraum der Basilika absolut beherrscht.

 

Man sollte allerdings nicht darauf hereinfallen, wie wir, und extra Tickets für die Besichtigung des Altars kaufen, denn man kann ihn ebenso gut sehen wenn man durch den kostenfreien Eingang der Kirche geht. Dieser Bereich nennt sich „For Prayers“ und befindet sich im hinteren Teil des Gebäudes.

 

Gegenüber der Marienkirche befindet sich das Hard Rock Café, wo ich selbstverständlich ein T-Shirt erstehe, bevor wir noch einmal die Tuchhallen unsicher machen.

 


 

15 Uhr: Kurze Verschnaufspause im Hotel bevor Hubert und Gosia uns abholen.

 

Wir machen eine kleine Autotour nach Ojcow, dem Nationalpark, den Hubert´s Vater einst gegründet hatte. Der Park liegt etwa eine halbe Stunde von Krakau entfernt und ist im Sommer ein Wanderparadies. Wir fahren über die Jurafelsen und bewundern das malerische Tal mit den steilen Kalkabhängen und sonderbaren Felsformationen.

 

Weiter geht es zu Hubert´s aktuellem Projekt, vielleicht Lebenswerk, einer wunderschönen Kirche in seiner Gemeinde. Wir besichtigen sie kurz und werden anschließend zum Eisessen und bei Hubert zu Hause zum Abendessen inkl. Übernachtung und Frühstück eingeladen. Einmal weniger Frühstücken im Marmolada ist ein echter Gewinn!

 

 

Mittwoch, 19.03.14

 

9 Uhr: Hubert fährt uns nach Wieliczka. Eine Stunde später startet bereits unsere Führung durch die Salzmine, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Es handelt sich um eines der ältesten Salzbergwerke der Welt. Die Tour dauert etwas über 2 Stunden und beginnt mit 800 Stufen in die Tiefe. Man muss unterirdisch weite Wege zurücklegen und sollte unbedingt halbwegs gut zu Fuß sein.

 


 

Beeindruckend ist es allemal, unsere Tour auf Englisch ist auch gut verständlich, aber hätten wir nicht noch eine Stunde warten müssen bis zur deutschen Tour, dann wäre diese wesentlich geeigneter gewesen.

 

Nach genau drei Stunden erreichen wir per Lift wieder das Tageslicht und werden bereits erwartet. Hubert bringt uns zum Hotel und für den Rest des Tages sind wir platt und bleiben im Hotel auf dem Zimmer.

 

21 Uhr: Wir laden Hubert´s Sohn Bartek zum Essen ein, wobei er das Restaurant auswählt. Das Sioux City direkt am Rynek lässt mich ziemlich wie in Amerika fühlen und es gibt auch noch Salat mit Garlic Bread und leckeres Tyskie Bier! Ein sehr schöner Abend!

 

Donnerstag, 20.03.14

 

9.30 Uhr: Wir frühstücken. Kurz. Und fahren mit der Straßenbahn nach Kazimierz, wo sich bis zum zweiten Weltkrieg das jüdische Viertel der Stadt befand - wenn auch getrennt durch einen Seitenarm der Weichsel.

 

Bis 1939 hatten Juden und Katholiken hier mehr als vier Jahrhunderte friedlich zusammen gelebt. Dann besetzten die Nazis Polen und der Rest ist traurige Geschichte. Der Film Schindler´s Liste hat diese Zeit mehr als eindrucksvoll zusammengestellt, wobei teilweise wirklich hier in den Straßen und Hinterhöfen von Kazimierz gedreht wurde.

 


 

Nach dem Krieg war das Viertel dann zerstört, die Überlebenden arm - und so verkam es. Noch heute sieht man die abgeblätterten Fassaden leer stehender Häuser, deren Stolz und Glanz längst vergangen ist. Ein Kulturverein versucht seit den 70ern zu verhindern, dass hier anstatt eines „jüdischen Freilichtmuseums“ ein wirklich jüdisches Viertel besteht. Anfang der 90er kamen weitere Juden aus anderen Teilen des Landes sowie aus Israel und den USA, sodass heutzutage wieder mehrere Tausend hier leben.

 

Wir spazieren durch die Josefstraße, die angeblich viele tolle Galerien und Geschäfte zum Stöbern bietet, doch wir sind ein bisschen enttäuscht, da es fast nur Bars und Restaurants gibt, die erst in den Abendstunden erwachen.

 

Auch die Besichtigung der Neuen Synagoge ist eine herbe Enttäuschung, da der reguläre (wenn auch geringe) Eintritt verlangt wird aber man eigentlich nur Bauarbeiten, Dreck und Gerüste sieht - dazu die entsprechende Geräuschkulisse.

 

Der große jüdische Friedhof ist sehenswerter. Wer Schindler´s Liste gesehen hat, kann sich vielleicht an die Grabsteine erinnern, die von den Nazis als Straßenpflaster missbraucht worden waren. Diese Grabsteinreste wurden nach dem Krieg wieder zurück gebracht und hier zu einer Mauer aufgebaut.

 


 

Jetzt wollen wir aber zurück zum Hotel und ein Päuschen einlegen...

 

Leider wird daraus nichts... Es gibt keinen Automaten für Straßenbahntickets an unserer Abfahrstation, eine Dame lotst uns in eine völlig falsche Bahn und der Fahrer möchte uns keine Tickets verkaufen, da diese nur an dem Automaten in der Straßenbahn erhältlich sehen, von dem wir leider nichts wissen.

 

So kommt es, dass wir Schwarzfahren – und natürlich erwischt werden! An der nächsten Station heißt es aussteigen, Personalausweise zücken, diskutieren und Strafe zahlen.

 

Immerhin befinden wir uns nun direkt am Hauptbahnhof und stehen direkt vorm dem riesigen Shoppingcenter, der Galeria Krakowska, die ich heute sowieso noch aufsuchen wollte. Also trennen sich hier unsere Wege zunächst. Mama macht einen Streifzug durch die Stadt, ich durch die Galeria. Leider finde ich fast gar keine polnischen Geschäfte sondern vielmehr all die großen Ketten, bei denen wir in Deutschland auch einkaufen können. Also bummle ich sehr bald durch die Fußgängerzone Florianski und über den Rynek zurück zum Hotel. Anderthalb Stunden später folgt Mama.

 

20 Uhr: Chlopskie Jadlo! – Ist der Name des Restaurants, auf das wir aus unserem Zimmer blicken. Es befindet sich direkt hinter unserem Hotel und teilt sich mit diesem sogar den Eingang. Es bietet sich also an, hier einmal zu essen UND... es lohnt sich!!!

 

Wir teilen uns zunächst eine Tomaten-Reis-Suppe, die wie übrigens auch die Pilzsuppe am Montag, in einem Brot serviert wird. Es schmeckt fantastisch und anschließend essen wir Piroggen gefüllt mit Käse und Kartoffeln und Salat mit Birnen. Klingt exotisch, ist aber unglaublich lecker, wenn auch die Piroggen (kleine polnische Teigtaschen) seltsamerweise sehr nach Walnuss schmecken, was ich eigentlich gar nicht mag.

 

Freitag, 21.03.14

 

08.45 Uhr: Wieder einmal dieses nicht besonders tolle Frühstück. Es gibt jeden Tag absolut genau das Gleiche!

 

10 Uhr: Wir besuchen den 4000qm großen Krakauer Untergrund. Der Eingang befindet sich am einen Ende der Tuchhallen und wir verbringen die nächsten zwei Stunden in etwa 5 Metern Tiefe. Die Ausstellung ist der Wahnsinn und auch noch nicht besonders alt. Im Sommer 2005 hatten die Ausgrabungen begonnen und erst seit 2010 ist die Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich.

 


 

Man taucht ein in die spannende Geschichte der Stadt, von der Steinzeit über den Mongoleneinfall im 13. Jahrhundert bis in die Neuzeit. Archäologische Funde, gut erhaltene Pflasterwege, Fundamente der Häuser - und alles wurde in multimedialer Form ergänzt. Ein lohnenswertes Besucher-Ziel!

 

14 Uhr: Kurz frisch gemacht begeben wir uns nun einmal auf den Weg, der in die andere Richtung vom Hotel aus führt. Nicht Richtung Rynek sondern nach Süden, die Grodzka entlang. Hier gibt es zahlreiche Restaurants, Geschäfte usw.! Wir kehren in einer sog. Milchbar ein, wo wir leckere Pommes mit Pilzen bzw. Kartoffelpuffer essen. Dazu etwas Salat und das wie immer für unfassbar kleines Geld. Krakau ist ein kulinarisches Paradies.

 


 

17 Uhr: Mit wunden Füßen und letzter Kraft packen wir unsere Koffer für die morgige Abreise und kehren beim Italiener Corleone ein, der sich direkt gegenüber der Schwarzen Ente von Montag befindet. Hier teilen wir uns Salat und essen Spargellasagne. Ein Gedicht! Anders kann ich es nicht beschreiben.

 

Samstag, 22.03.14

 

06.30 Uhr: Heute ist es besonders hart weil früh, aufzustehen. Das Frühstück schenken wir uns. Denn bereits für halb acht ist unser Taxi bestellt, dass uns zur Universität bringt. Dort holen Gosia, Hubert und ihr Enkelsohn uns ab und bringen uns zum Flughafen.

 

09 Uhr: Check In bei Air Berlin. Abschied von unseren Freunden. Henkersmahlzeit in Krakau. Die übrigens wirklich unzumutbar ist. Da hätten wir sogar lieber im Hotel gegessen. Dort wären zwar auch der Joghurt nicht kühler gewesen aber zumindest hätten wir vielleicht frisches Baguette bekommen und auch keine Teile von Gummihandschuhen in unserem Essen gefunden...

 

11 Uhr: Abflug nach Berlin. Eine Stunde später Ankunft.

 

13 Uhr: Abfahrt mit dem Tegel-Bus zum Hbf und anschließende Heimfahrt mit der DB.

 

Alle Fotos dieser Kurzreise findet ihr HIER.

 

FAZIT:

 

Auch wenn ich die Reise so unmittelbar nach der Trennung von Daniel nicht ansatzweise so genießen konnte wie ich gewollt hätte, war es eine wirklich wundertolle Woche, denn Krakau ist eine sehr sehens- und bereisenswerte Stadt, besonders bei Sonnenschein und wenn man genug Zeit hat. Damit hat mir Krakau dann übrigens auch ein bisschen aus meinem persönlichen Tief hinaus geholfen!

 

Man hetzt hier nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit oder von Highlight zu Highlight aber das entspannte Bummeln und Gucken und Stöbern ist eigentlich das Schöne. Man muss die Stadt auf sich wirken lassen und Dinge ausprobieren. Sei es eine Kirche oder ein polnisches Restaurant oder ein Museum oder oder oder. Man kann hier viel entdecken – wenn man es möchte! Netter Nebeneffekt: Günstige Nebenkosten.

 

Da mir die Stadt so unwahrscheinlich gut gefallen hat und mir außerdem auch noch das Wawel Schloss, die Schindler-Fabrik und der Ausflug nach Auschwitz fehlen, wird Krakau mich ganz sicher (!) nicht das letzte Mal gesehen haben.