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Borkum 2019



Bildungsurlaub auf Borkum

 

Einleitung

 

Nachdem mir im letzten Jahr das Thema Bildungsurlaub verstärkt begegnet war, habe ich irgendwann angefangen, mich damit ein wenig zu befassen und den Gedanken gefasst, auch einmal einen solchen machen zu wollen.

 

Da ich bisher nie Bildungsurlaub genommen hatte, mir aber 5 Tage pro Jahr zustehen, ist es ein jährliches Verschenken wertvoller Zeit, einfach nur weil man es nicht besser weiß und es sonst kaum jemand macht.

 

Insgesamt bekam ich bis zum Reisebeginn genau drei Personen, davon zwei aus der Familie, zusammen, die bereits Bildungsurlaubserfahrung haben und ließ mir hier auch helfen bei der Anmeldung bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Braunschweig sowie mit der Beantragung beim Arbeitgeber.





 

Montag, 18.03.19

 

Anreise

 

Um 7 Uhr starten Mama und ich in unseren gemeinsamen Bildungsurlaub auf Borkum! Papa bringt uns nach Braunschweig zum Hauptbahnhof, wo wir schon fast die gesamte BU-Gruppe treffen. Mama kennt schon fast jeden, da sie seit über 20 Jahren mit dieser Truppe Bildungsurlaub auf Borkum macht.

 

Um 8 Uhr fahren wir mit der Bahn nach Hannover und steigen dort, für dreieinhalb Stunden Fahrt, um nach Emden und von dort geht es nach einer Kaffeepause weiter nach Emden Außenhafen. Wir sind jetzt schon ziemlich lange unterwegs und doch noch längst nicht am Ziel…

 

Um 14 Uhr geht es nach einer schnellen Pipipause sofort auf den Katamaran, der uns, besonders in der zweiten Hälfte der Überfahrt, ordentlich durchschaukelt! Wie oft habe ich mir schon geschworen, solche kleinen Schiffe auf offener See nicht mehr zu besteigen?!...

 

 

Ankunft

 

Um 15 Uhr sind wir da und wuchten unsere Koffer in die kleine Elektrobahn, die vom Hafen nach Borkum Downtown fährt. Dort, so ziemlich direkt an der Haltestelle, befindet sich unsere zauberhafte Unterkunft, die Familienferienstätte Blinkfüer.

 

Nach der Zimmervergabe stelle ich fest, dass ich Blick auf den Leuchtturm direkt vor meiner Nase habe, ebenso auf die ihn umgebende grüne Wiese mit vielen kleinen Hasen und etwa 400m entfernt sind sogar die Nordseewellen zu erkennen! Wenn das nichts ist!?

 

Wir haben Einzelzimmer, sie sind wirklich groß, da sie für drei Personen ausgelegt sind.

 

Programmbeginn

 

Gegen 17 Uhr wird unser Bildungsurlaub mit einer Vorstellungsrunde und der ersten Gruppenarbeit eingeläutet. Unser Thema diese Woche ist „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“. Und so befassen wir uns einleitend zunächst ganz allgemein mit der Frage, was uns bei uns in Deutschland ungerecht vorkommt.

 

Am Abend

 

19 Uhr. Nach dem ganz, ganz leckeren Abendessen in Buffetform, folgen die Präsentation der Gruppenarbeiten und ein 30-minütiger Film zum BU-Thema.



 
 

Dienstag, 19.03.19

 

Am Vormittag

 

6 Uhr. Ich persönlich starte, ganz wie zu Hause, mit Yoga, Meditation und Lesen in den Tag. Und gehe, ganz anders als zu Hause, eine Runde zum Strand und genieße die Ruhe und die Sonne, denn wir haben tatsächlich grandioses Urlaubswetter!

 

9 Uhr. Nach dem Frühstück beschäftigen wir uns, wieder in Grüppchen, mit dem Artikel 3 des Grundgesetzes im Bezug auf die Bereiche Gesundheit, Bildung und Wohnen, werten unsere Ergebnisse anschließend aus und hören den 1. Vortrag zum BU-Thema.

 

11.30 Uhr. Gruppenarbeit zu Gerechtigkeit in vier der fünf Weltreligionen.

 

Am Nachmittag

 

Mittagessen gibt es jeden Tag um 12.30 Uhr und anschließend ist bis zum späteren Nachmittag Freizeit. Diese nutze ich heute für einen Spaziergang mit Mama Richtung Strand und durch die Fußgängerzone. Eine Stunde bevor unser Programm weiter geht, setze ich mich noch mit einem Buch in den sonnendurchfluteten Aufenthaltsraum – das Haus Blinkfüer ist wirklich ein toller Ort.

 

16.30 Uhr. Die Gruppenarbeit vom Vormittag wird ausgewertet und wir sprechen anschließend in einer Art Brainstorming über Armut und ihre Bedeutung bzw. Konsequenzen.

 

Am Abend

 

19 Uhr. Nach dem Abendessen hören wir einen Vortrag zum BU-Thema und wer mag diskutiert darüber. Anschließend hören wir das Gleichnis vom Weinberg, das ebenfalls Gesprächsstoff liefert.



 
 

Mittwoch, 20.03.19

 

Am Vormittag

 

6 Uhr. Yoga.

 

7 Uhr. Spaziergang durch die Dünen.

 

8 Uhr. Frühstück.

 

9 Uhr. Film über Alters(un)gerechtigkeit(en) und anschließende Gesprächsrunde(n). Es folgt ein dazu passender Vortrag, der ebenfalls noch beredet wird.

 

Unsere Gruppe hat über 20 Teilnehmer, die nun für den Nachmittag in zwei Gruppen geteilt wird. Es gibt zwei Gesprächspartner aus Borkum, die sich heute mit uns befassen wollen und ich lande wunschgemäß in der Gruppe, die den Pastor Jörg Schulze, übrigens aus Peine, treffen wird.

 

Am Nachmittag

 

14 Uhr. Heute machen wir eine Ausnahme und verschieben die lange Mittagspause, um mehr als anderthalb Stunden mit Jörg Schulze zu verbringen. Unser Auftrag ist es, mit ihm über (Un-) Gerechtigkeit auf Borkum zu sprechen, allerdings weicht man oft ab, hat unweigerlich weitere Fragen, muss sich immer ein bisschen zurück zum Thema zwingen.

 

Danach geht jeder seiner Wege. Mich persönlich treibt es ins Gezeitenland. Zum Schwimmen reicht es jetzt zwar nicht mehr bis das Programm weitergeht, aber ich will versuchen einen Massagetermin zu bekommen für heute oder morgen. Leider misslingt dies. Der nächste freie Termin ist erst, wenn ich schon wieder abgereist bin…

 

Somit geselle ich mich zu Mama und ihrer Freundin ins Teestübchen.




 
 

Am Abend

 

Die Gesprächsergebnisse vom Nachmittag sind nun auf ein Plakat zu bringen. Nach dem Abendessen tragen wir sie vor.

 

Danach wird der Abend sehr leger, es gibt Getränke, Kerzen und Knabbereien und wer mag und zu Hause etwas vorbereitet hat, trägt etwas zum Thema „Gerechtigkeit“ vor. So kommen etliche Gedichte, Texte, Zitate, Lieder, etc. zusammen, in der Regel tolle Denkanstöße.

 

Generell fühle ich mich in der Gruppe wohl, dabei sind alle schon weitaus älter als ich. Nur wenige befinden sich noch im Arbeitsleben und machen tatsächlichen Bildungsurlaub. Die meisten sind schon in Rente aber haben trotzdem Spaß daran!

 

Die Gruppenleitung besteht aus drei Personen, zwei davon machen ihren Job schon immer. Eine ist ganz neu und spannenderweise so alt wie ich.

 

Donnerstag, 21.03.19

 

Am Vormittag

 

07.15 Uhr. Ich treffe Mama im Flur und wir gehen gemeinsam hoch zum Strand. Sie verweilt dort, ich gehe zum Meer weiter.

 

9 Uhr. Nach dem Frühstück bilden wir wieder drei Gruppen zu Gesundheit, Bildung und Wohnen und sollen jeweils Probleme aufdecken und Lösungsansätze ausarbeiten und anschließend vorstellen. Da ich bei Gesundheit bin, für mich eine spannende Aufgabe.

 

12 Uhr. Vor dem Mittagessen sehen wir noch einen spannenden Film zum Thema Gender-Gerechtigkeit bzw. Gleichberechtigung von Frauen im Beruflichen.




 
 

Am Nachmittag

 

Mittlerweile hat es mich so richtig gepackt und ich ackere mit einem Textmarker unsere kompletten Seminarunterlagen durch. Ein Thema spannender als das andere.

 

Bevor das Programm weiter geht, telefoniere ich aber noch etwas ausgiebiger mit Philipp und spaziere dabei durch die wunderschönen Dünen. Wohin ist eigentlich meine Idee entschwunden, diese Woche am Strand mit einem großen Sack loszuziehen um Plastikmüll aufzusammeln? Auch hier in den Dünen wird man leider, leider nur zu fündig.

 

16.30 Uhr. Zu dem zuletzt gesehenen Film gibt es jetzt noch eine Gruppenarbeit, die natürlich wieder anschließend in großer Runde besprochen wird.

 

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung ist ein Vortrag über Globale (Un-) Gerechtigkeit. Ein zu umfassendes Thema, das nur angekratzt werden kann.

 

Am Abend

 

Abendessen gibt es jeden Abend um 18 Uhr und ist immer viiiel zu gut. Überhaupt die ganze Verpflegung hier ist einfach toll, vor allem wenn man bedenkt, dass man nicht im X-Sterne-Hotel logiert.

 

19 Uhr. Wir sehen einen Film über westafrikanische Fischer und was deren Probleme mit uns in Europa zu tun haben.

 

Wir sehen Frauen und Kinder, deren Männer bzw. Väter auf ihren Booten keine Fische mehr fangen können weil ausländische Trawler illegal das Meer dort leer fischen – das sind dann die Fische, die wir hier in der EU mitunter essen!!

 

Die Afrikaner verlieren so ihre Lebensgrundlage und versuchen verzweifelt nach Europa zu flüchten. Doch nicht jede „Nussschale“ kommt auch auf den Kanaren an. Unterwegs leiden, verhungern, sterben Menschen oder gehen über Bord. Und auf den kanarischen Inseln werden die Menschen auch nur kurz aufgefangen und im Zweifel, früher oder später, wieder zurück geschickt. Weg geschickt.

 

Ein packender Film.

 

Damit beenden wir den letzten BU-Tag und wer mag verbleibt bei Snacks, Getränken, Gitarrenspiel und Gesang noch etwas im Seminarraum bevor es ans Kofferpacken geht.

 



 

Freitag, 22.03.19

 

Am Vormittag

 

7 Uhr. Strandspaziergang.

 

8 Uhr. Frühstück.

 

9 Uhr. Gruppenarbeit. Die einzelnen Gruppen „gründen eine Partei“ und legen ihre Herzensziele, ihre wichtigsten Punkte und Änderungspläne für die Themen Gesundheit, Bildung, Wohnen, Alter, Gender und Steuern fest.

 

Nach der Kaffeepause, die an dieser Stelle eigentlich immer stattgefunden hat, von mir aber als nicht so erwähnenswert eingestuft wurde, haben die Parteien sich kurz vorgestellt und ihre Ziele, teils mit Strategien, erläutert.

 

Und schon war es Zeit für die Abschlussrunde nach einer ganz tollen Woche. Nach einem ganz tollen BU. Mein 1. Mal. Und ich habe Blut geleckt. Gruppe, Leitung, Unterkunft, Verpflegung, Wetter, Insel – ich hätte es nicht besser haben können! Und dann auch noch mit Mama zusammen – was will man mehr?!

 

Am Nachmittag

 

Nach dem Mittagessen bleibt uns noch ein wenig freie Zeit in der herrlichen Sonne. Ein letztes Mal zum Meer mit Blick auf die Seehunde auf der nahegelegenen Seehundsbank. Reiseproviant von Edeka und vom Bäcker holen. Und dann ist die Woche schon vorbei.

 

14.50 Uhr ist es, als wir Borkum „Hauptbahnhof“ verlassen. Fest steht: Ich muss bald mal wieder auf die Insel! Damit meine ich nicht zwingend diese Insel. Sondern eine Insel. Irgendeine. Mal sehen, was sich machen lässt.

 

Die Heimreise

 

… ist flux zusammen gefasst. Es geht genau umgekehrt wie auf dem Hinweg per Katamaran nach Emden Außenhafen, allerdings nun zum Glück ohne Schaukeln. Und dann mit der Bahn nach Emden. Von dort nach Bremen, was ein außerplanmäßiger Umsteiger ist. Von dort nach Hannover. Und von dort nach Peine, welches wir um 21.25 Uhr final erreichen.

 
 


Fazit

 

Ich bin geschafft aber auch beeindruckt, wie schnell die Woche verging, wie interessant und abwechslungsreich das Thema angegangen wurde und wie nützlich man sich fühlen kann, bildet man sich mal ein bisschen fort. Möglicherweise ist das sogar ein Wendepunkt in meinem Leben oder zumindest ein Auslöser für diverse Gedanken. Da muss noch mehr sein. Mehr Wissen, mehr Bildung, mehr Möglichkeiten! Danke BORKUM! :)


Alle Bilder von dieser Woche siehst du hier!