Harzer Klosterwanderweg – Die 1. Etappe
Unsere Wanderung von Thale nach Goslar mit Zwischenübernachtungen in Blankenburg, Wernigerode, Ilsenburg und Wöltingerode.
Ein paar Worte vorweg
Vom 11.-13.09.2020 waren wir, also mein Mann und ich, zunächst mit der Familie, zu acht, in einem Ferienhaus in Thale eingebucht und wollten zwei Tage später nach Seattle fliegen... Aus (welt-) bekannten Gründen wurde daraus natürlich nichts, so sehr ich es auch gewollt hätte…
In 2020 lief aber bekanntermaßen alles etwas anders als geplant…
Daher: Hatten wir für die Woche nach dem Familienwochenende in Thale ein Anschlussprogramm im Harz gebucht! Natürlich nicht für die vollen drei Wochen, die wir für unseren Road Trip durch Washington State, Urlaub genommen hatten, aber immerhin für fünf Tage: Eine Wanderung von Thale nach Goslar.
Dass dies so angeboten wurde, war sehr passend, da wir ja schon in Thale sein würden. So ließen wir das Angebot auch um die erste Nacht (in Thale) kürzen, da wir direkt nach dem Check Out aus dem Ferienhaus los laufen wollten.
Aber der Reihe nach.

Das Bodetal
Am nordöstlichen Harzrand gelegen, befindet sich der Ort Thale in Sachsen-Anhalt, und zwar landschaftlich besonders reizvoll gelegen, nämlich mitten im Bodetal. Die Bode ist ein fast 170km langer Zufluss der Saale aber das sogenannte Bodetal befindet sich, nur etwa 10km lang, zwischen Thale und Treseburg.
Es ist ein touristisch extrem gut erschlossenes Gebiet mit Seilbahnen, Wanderwegen, Aussichtspunkten, Einkehrmöglichkeiten, unterschiedlichen Unterkünften, darunter eine Jugendherberge, Therme, Museen, Bobbahn und sehr vieles mehr!
Auch wir haben an dem Wochenende in Thale ein paar schöne Sachen gesehen und erlebt, denn das Wetter war sommerlich-perfekt: Ein Spaziergang an der Bode zu einem Ausflugslokal, eine Seilbahnfahrt hoch zum Hexentanzplatz und dort oben wahnsinnig schöne Ausblicke auf Thale, die Bode und die Rosstrappe, ein bekannter Granitfels im Harz, sowie ein Besuch des wirklich tollen Wildtierparks, wo man sogar (im Tierparkeintritt enthalten) Minigolf spielen kann.
Etappe: Thale-Blankenburg 17km
13. September 2020
Am heutigen Sonntag starteten wir das Projekt Klosterwanderweg, auf das ich ganz zufällig gestoßen war, ohne danach gesucht gehabt zu haben, und zwar kurz nachdem wir im Juli aus Bayreuth gekommen waren. In unserem, nicht ganz günstigen, gebuchten Paket waren vier Übernachtungen mit Frühstück sowie der Transport unseres Gepäcks enthalten. Letzteres war besonders interessant und letztlich ausschlaggebend gewesen, dass wir uns auf dieses, für uns noch neue, Abenteuer einließen!

Das wirklich sehr schöne Ferienhaus mussten wir bereits bis maximal 10 Uhr verlassen haben. Bis dahin hatten wir gemütlich gefrühstückt, in Ruhe gepackt und um 09.45 Uhr gaben wir unsere Koffer am vereinbarten Treffpunkt für den ersten Gepäcktransfer auf, in der Hoffnung, es am Abend in Blankenburg wieder in Empfang zu nehmen.
Nun hätten wir direkt Richtung Blankenburg los laufen können aber da es in Thale auch ein Kloster gibt, das auf unserem Wanderplan verzeichnet war, machten wir zuvor diesen Umweg, obwohl wir somit in die entgegengesetzte Richtung starteten.
Ich muss folgendes erklären: Der Klosterwanderweg führt eigentlich von Goslar nach Quedlinburg. Wir würden nun aber, aufgrund des so geschnürten Pauschalangebotes, anders herum laufen und leider auch die allerletzte (bzw. erste) Etappe zwischen Quedlinburg und Thale weglassen.
Nach unserem ersten Stempel ins Stempelheft also, nämlich am Kloster Wendhusen, ging es quer durch Thale, nun in die richtige Richtung. Grob jedenfalls, denn unsere Wanderkarte war nicht sonderlich detailliert und die Beschilderung für den Klosterwanderweg ließ hier auch zu wünschen übrig. Wir konnten an dieser Stelle (zum Glück?!) noch nicht ahnen, dass sich das bis Goslar nicht mehr sonderlich ändern würde… Ich nannte unseren Wanderweg zwischenzeitlich sehr gerne Osterwanderweg, so sehr mussten wir oftmals nach Wegweisern suchen!
Als wir Thale Richtung Westen, über Benneckenrode, verließen, wurde die Umgebung langsam grüner und ab dem Forsthaus wurde es auch steiniger und steiler, jedenfalls für eine kleine Weile. Jetzt fühlte es sich ein bisschen mehr nach Wandern an. Besonders erfreute mich die langsam beginnende Laubfärbung, die später zwar noch ausgeprägter sein würde, mich aber jetzt schon an den Indian Summer erinnerte und massiv beeindruckte.

Nachdem wir Timmenrode durchquert hatten, begann die Kraxelei entlang der Teufelsmauer. Ein sehr großes, tolles Wandergebiet, von dem wir ein Teil dieses Jahr schon einmal auf einem Tagesausflug besucht hatten!
Unter anderem die Euphorie über diesen ersten Wandertag und das ganz besonders schöne Wetter, ließen uns selten verstummen, sodass wir mitten auf dem Teufelsmauerstieg auch irgendwann eine Pause auf einer Bank einlegten, um zu verschnaufen und ein paar Maiswaffeln zu vertilgen.
Meine bisherige Wander“erfahrung“ beschränkt sich schließlich tatsächlich fast nur auf wenige um-die-5-km-Touren auf Tagesausflügen sowie auf die Lektüre „Der große Trip“ von Cheryl Strayed, „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling und „Fräulein Draußen“ von Kathrin Heckmann [alle drei Bücher: !KEINE WERBUNG!]. Und die beiden letzteren Titel hatte ich auch gerade erst in den letzten Wochen gelesen…
Landschaftlich bzw. wandertechnisch ist die Teufelsmauer wirklich mit wenig zu vergleichen, jedenfalls für mich als blutigen Wanderamateur. Sie besteht in erster Linie aus Sandsteinformationen und gilt seit 1935 als Naturschutzgebiet. Darüber hinaus aber auch als ein top Ausflugsziel und eben ganz besonders Wandergebiet: Theoretisch könnte man die gesamten 35km von Blankenburg, vorbei an Thale und Gernrode bis nach Ballenstedt laufen! Ich denke aber, dass der Abschnitt zwischen Blankenburg und Thale am Bekanntesten ist?!
Nun mussten wir noch einmal quer durch Blankenburg zu unserer ersten Unterkunft. Was uns nicht klar war: Auch die Bergkirche St. Bartholomäus in Blankenburg hat einen Stempelkasten! Das müssen wir dann wohl noch mal nachholen…
Auf unserem Weg durch Blankenburg ging es leider viel bergauf und so langsam wurde unsere Puste weniger und meine Ohrenschmerzen, die ich heute erstmalig hin und wieder verspürte, mehr! Doch als der Weg wieder bewaldeter wurde, stieg auch wieder die Laune, zumal wir uns unserem ersten Tagesziel ja nun näherten: Dem Kloster Michaelstein am nordwestlichen Rand Blankenburgs, genauer gesagt heißt dieses Gebiet schon Michaelstein, gehört aber im weitesten Sinne noch zu Blankenburg. Den Stempelkasten suchten wir heute aber nicht mehr, wir wollten einfach nur noch ganz dringend duschen und essen!

Übernachtung bei Blankenburg
Entsprechend enttäuscht waren wir nun von der Behandlung am Check In in unserer ersten Unterkunft: Das Hotel Klosterfischer [!KEINE WERBUNG!].
15 Uhr. Unser Zimmer sei zwar fertig. Aber die Koffer? Musste die Dame erst mal suchen. Wenig später die Info, wir könnten sie unten im Bistro abholen. Aber die Kurtaxe sei noch zu begleichen, aber alles möglichst schnell, schnell, denn es wäre ja nicht so viel Personal da, und unser Zimmerschlüssel war auch nicht aufzufinden, sodass wir den Ersatzschlüssel bekamen. Nun ja, etwas herzlicher hatten wir uns den Empfang, nach 17km auf Schuster´s Rappen, schon vorgestellt…
Die Koffer aus dem Bistro zu holen dauerte dann allerdings noch eine ganze Weile, da wir uns in die lange Schlange stellen und in der prallen Sonne warten mussten. Scheinbar sind die Gaststätte und das Bistro hier ein beliebtes Ausflugsziel, denn an diesem Sonntagnachmittag steppte der Bär. Schade, ich hatte mir die Koffer im Zimmer erhofft und nicht damit gerechnet, dass ich mir nach einer mehrstündigen Wanderung mein Eigentum nun noch so hart erkämpfen muss. Zudem bot uns die lange Wartezeit auch noch die Gelegenheit, zu beobachten, wie man die Pommes im Verkauf mit den bloßen Fingern berührte, wir waren also reichlich bedient!
Aber damit nicht genug: ca. 3x 15 Stufen mussten wir uns und unser Hab und Gut noch hoch hieven bis wir endlich in unser „Penthouse“ gelangten. Das Zimmer war verwinkelt, alt und nicht mehr besonders schön aber vor allem war das Badezimmer winzig und die Vorhänge so dünn, dass schon jetzt klar war, dass es nachts nicht sonderlich dunkel werden würde…

16.30 Uhr. Nach einer schnellen Dusche nahmen wir unten im Restaurant Platz. Liebend gerne wären wir wo anders essen gegangen aber dazu hätten wir zurück in die Altstadt gemusst aber selbstverständlich waren wir nicht bereit, jetzt noch einmal ca. 4km pro Strecke zu Fuß zu gehen...
Unser Restaurantbesuch vor Ort zog sich dann zwei Stunden, da man auch hier sichtlich überfordert war mit dem Andrang der Gäste. Wir teilten uns vorweg köstliches Bruschetta. Als Hauptgang hatte Philipp Forelle und ich einen Kartoffelauflauf, beides war ganz gut aber auch nicht zum Niederknien. Das Eis im Anschluss hätte Philipp sich wohl sparen können. Unterm Strich war es kulinarisch nun aber besser als befürchtet aber Willkommen fühlten wir uns immer noch nicht. Sehr schade!
20 Uhr. Feierabend für heute. Es geht nichts mehr! Gute Nacht!
Alle Fotos von heute findest du: HIER.
Möchtest du über den weiteren Verlauf der Wandertour lesen? Hier geht es zur nächsten Etappe, von Blankenburg nach Wernigerode.