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Sommer in der Grachtenstadt

Mittwoch, 23. Juli:
Pünktlich um kurz nach 4 Uhr, und somit nach ganzen 3 Stunden Schlaf, stand ich auf und machte mich startklar für unseren Trip nach Holland! Ein spannender Thriller (und seine Nachwirkungen), den ich unbedingt zu Ende hatte lesen müssen, war der Grund warum ich erst so spät eingeschlafen war.
Aber wie immer zunächst meine Lieblingsfrage inklusive Erklärung:
Warum Amsterdam?
Vor einer Ewigkeit, 2008, im traumschönen Wien, hatten Papa und ich beschlossen, b-a-l-d wieder mal zusammen zu verreisen. Damals hatten wir uns dann ziemlich schnell, noch während des Wien-Aufenthaltes und ohne zu diskutieren oder zu überlegen, für Amsterdam entschieden...
Dass es allerdings s-e-c-h-s Jahre dauern würde und vermutlich nur der Trennung von Daniel zu verdanken ist, dass wir beide spontan für diesen Juli die Niederlande buchten, konnte damals ja wirklich niemand ahnen.
Um halb 6 wäre jedenfalls unser Zug gefahren aber wieso sollte die Bahn auch mal pünktlich sein?...
Dennoch hatten wir in Hannover genug Zeit zum Umsteigen. Abfahrt um 06.40 Uhr – keine 45 Minuten später hatte ich endlich gefrühstückt und war eingeschlafen.
Nach zwei Stunden wurde ich wach weil das Paar, mit dem wir uns zu viert das Sechserabteil teilten, irgendein Spiel zu spielen begann und das klapperte zu laut... Der Rest der Fahrt war dann leider eng, stickig, heiß und zum Abgewöhnen!
Letzten Endes stand ich irgendwann auf und stellte mich in den Gang weil ich das Gefühl hatte zu ersticken in dem kleinen Abteil, welches wir zum Schluss auch zu sechst besetzten. Wenige Minuten vor Erreichen des Ziels verteilte die ach so aufmerksame und großzügige DB dann Wasser in Tetrapaks...
Ansonsten muss ich aber gestehen, war die Bahnanreise gar nicht die schlechteste Wahl. Die Alternative wäre ein einstündiger Flug Hannover-Amsterdam gewesen, zwar nur wenig teurer aber wenn man den zeitlichen und finanziellen Aufwand bedenkt, der hinzukommt um zum/vom Hannoveraner bzw. Amsterdamer Flughafen an- und abzureisen, dann war die DB doch die bequemere Variante!
Kurz nach 11 Uhr erreichten wir dann jedenfalls unser Ziel!
Und was für eines! Eine Traumstadt und zwar bei Traumwetter!
Es dauerte nur etwa 30 Minuten bis wir zu Fuß samt hinterher gezerrtem Gepäck unser Hotel erreicht hatten: Das Radisson Blu befindet sich in der Straße Rusland, zentral im Herzen der Stadt.
Leider war der Checkin so früh noch nicht möglich – das hatte ich mir ehrlich gesagt etwas anders vorgestellt bei einem Haus dieser Kategorie... Aber wir konnten immerhin die Koffer abgeben und machten uns dann „befreit“ auf den Weg in die nähere Umgebung.
Mehr oder weniger um die Ecke (bzw. zwei) befindet sich das Rembrandthuis, welches der Künstler 1639 kaufte und bis 1658 bewohnte.
Unser Plan ging auf: Im Inneren ist war es angenehm kühl und die Menschenmassen tummelten sich bei diesem Wetter eher anderswo als eben im normalerweise wohl stark überfüllten Rembrandtmuseum.
Ich hatte vorab im Internet recherchiert, dass wir 8 Euro Eintritt pro Person sowie eine gute Stunde Zeit für den Besuch des Museums einplanen sollten. - In Wirklichkeit zahlten wir jeder 12.50 Euro und waren nach einer halben Stunde wieder draußen!! So viel also dazu.
Das Haus ist nicht besonders groß aber doch sehenswert. In jedem Raum gibt es per Audio Guide ein paar Informationen in der gewünschten Sprache, man sieht sich um und geht weiter. Es sei denn man studiert die einzelnen Gemälde so genau, dass man mehrere Stunden hier verbringt. Das ist bestimmt möglich.
Zu sehen gibt es eine Rekonstruktion der Einrichtungsgegenstände, 260 von 290 von Rembrandt´s Radierungen und etliche Gemälde seiner Zeitgenossen.
Anschließend gingen wir ein bisschen zu Fuß weiter und landeten letztlich am Rembrandtplein (Rembrandtplatz), wo es viele unterschiedliche Restaurants gibt und wo die Nachtwache von Rembrandt mit Bronzefiguren nachgestellt ist.
Bei einem Italiener aßen wir Pizza/Nudeln (leider wahrlich nicht weiter erwähnenswert) und nach einem kurzen Starbucksstopp ging es zurück zum Hotel.
Jetzt konnten wir endlich auf die Zimmer – ein Upgrade auf die Businessclass bescherte uns ein renoviertes Zimmer im ruhigeren Nebengebäude inkl. Getränkegutscheinen und weiteren Annehmlichkeiten.
Meine Befürchtungen waren im Nu wie aufgelöst, denn ich hatte im Vorfeld über sämtliche Amsterdamer Hotels durchweg negative Bewertungen gefunden. Zwar nicht für das Radisson Blu – aber dafür ist dieses auch eine der Topadressen, sprich in der absolut oberen Preiskategorie zu finden. Aber Restzweifel waren dennoch geblieben.
Nach einer kurzen Dusche ging es wieder los. Wir „marschierten“ zurück zum Hauptbahnhof und starteten eine Grachtenrundfahrt. Im Vorhinein hatten wir online nichts unter 15/18 Euro pro Person gefunden aber es lohnt sich, sich vor Ort umzusehen, es gibt diverse Anbieter, die nur ca. die Hälfte verlangen.
Die Tour dauerte eine Stunde und wurde auf Englisch, Deutsch und Holländisch live sehr informativ und unterhaltsam kommentiert und verschaffte einen guten ersten Überblick.
Sie endete wieder am Startpunkt von wo aus wir uns auf den Weg zum Königspalast machten – ich hatte leider so etwas wie den Buckingham Palace erwartet. Das sollte man nicht tun. Der Königspalast ist nicht besonders groß und gewaltig. Er befindet sich gegenüber von Madame Tussaud´s, sein berühmter Vorplatz ist der Dam und angrenzend findet man zahlreiche Shoppingmeilen.
Ziellos liefen wir dann durch eben diese weiter und entschieden uns unterwegs, bei Heineken zur Brauereiführung vorbei zu schauen. Die rund 2,5km Kilometer via Leidseplein und vorbei am Rijksmuseum dauerten leider exakt 10 Minuten zu lang weil wir so den letzten Einlass des Tages verpasst hatten...
Also drehten wir wieder um und besuchten das Hard Rock Café. Ich sah mich im Shop um, kaufte aber zunächst nichts weil ich mich nicht entscheiden konnte.
Wir aßen dort aber auch noch zu Abend, direkt an einer Gracht mit Blick auf eben diese, bei einem kühlen Heineken. Leider waren Service und Essen nicht vom gewohnten Standard. Ausgerechnet, wenn ich Papa das erste Mal mit zum Hard Rock Café nehme... Vorführeffekt!

Auf dem Weg vom Hard Rock Café zum Hotel (immerhin auch fast zwei Kilometer) kamen uns tausende Menschen in Weiß gekleidet entgegen, die an das über der Ostukraine abgeschossene Malaysia Airlines Flugzeug erinnerten – über 200 Niederländer waren bei dieser Katastrophe wenige Tage zuvor zu Tode gekommen.

Donnerstag, 24. Juli:
Fast pünktlich wie geplant um 8 Uhr sind wir aufgestanden und bald darauf frühstücken gegangen. Die Vielfältigkeit des Buffets an dieser Stelle zu beschreiben würde definitiv den Rahmen sprengen. Es war einfach gigantisch!
Im Anschluss gingen wir zum Nieuwmarkt, suchten und fanden die Metrostation und kauften ein Ticket, mit dem wir Richtung Süden die Stadt verließen und bis zur Amsterdam Arena fuhren.
Begeisterung pur meinerseits: Die Metro sieht hier genauso aus wie die silberne U-Bahn in NYC! Allerdings nicht jede – es gibt mindestens genauso viele moderne Züge, die dann optisch nichts mehr mit der geliebten New Yorker Bahn zu tun hat.
Für 11 Uhr buchten wir die einstündige Stadionführung bei Ajax Amsterdam und hatten noch über eine halbe Stunde Zeit bis diese begann. Wir besuchten den Fanshop und warteten anschließend schlicht und einfach auf den Beginn.

Die Führung war mit 18 Euro nicht besonders preis- dennoch aber sehr lohnenswert! Begonnen wurde mit einer Art Einführungsfilm auf Niederländisch mit englischem Untertitel. Andere als diese beiden Sprachen gab es auch für die gesamte Führung nicht zu wählen.
Es folgte die Besichtigung des Spielfeldes, des Presseraumes, der Kabinen und vieles mehr. Die Zeit verging viel zu schnell. Wir können die Tour fußballinteressierten Amsterdamreisenden nur empfehlen!

Nach einem ganz kurzen Mini-Abstecher ins Esprit Outlet (ich wollte nach Schuhen gucken, wurde aber nicht fündig – Papa kaufte sich ein T-Shirt) fuhren wir mit der Metro wieder zurück in die Stadt, aber eine Station weiter als bis zum Nieuwmarkt: zum Hauptbahnhof, niederländisch: Centraal.
Nachdem wir endlich den Weg um das große Gebäude herum auf die andere Seite gefunden hatten, legten wir einen kurzen Stopp bei Subway ein, immerhin war es bereits nach 14 Uhr – und nahmen dann wie geplant an einer Hafenrundfahrt teil.
Diese fanden wir sehr schön aber mit 15 Euro pro Person für anderthalb Stunden doch etwas überteuert zumal unkommentiert. Es wäre interessant gewesen zu hören, welche Gebäude man während der Fahrt passiert. Lediglich mehrsprachige vorbereitete Mappen boten Informationen, wenn man denn Lust hatte, diese zu lesen... Immerhin dienten diese Mappen uns (wenn auch nur begrenzt) als Sonnenschutz (...).
Kurz vor Ende der Tour flüchteten wir vom Sonnendeck runter ins Schiff in den Schatten - zu spät. Der Sonnenbrand war schon da...
Geplant war nun kurzerhand der Besuch des Anne Frank Hauses. Diese befindet sich ca. 1.5km Kilometer vom Centraal entfernt – über Umwege durch den Stadtteil Jordaan (und durch einen tollen kleinen Käseladen) bummelten wir dort hin.
Die Warteschlange vor dem Museum hatte aber Expo 2000- oder Universal Studios Orlando-Charakter, sodass wir uns spontan umentschieden und langsam Richtung Hotel zurück bummelten. Es war absolut Zeit für eine ausgiebige Verschnaufspause!
Gegen 19.30 Uhr brachen wir wieder auf. Unser Ziel war das am Vortag gesichtete Restaurant L´Opéra am Rembrandtplein – sehr, sehr empfehlenswert!!
Wir bummelten noch kreuz und quer ein paar Runden durch die nähere Umgebung und gelangten nach einem Eis-Dessert zurück zum Hotel.
Freitag, 25. Juli:
Wieder kurz nach 8 Uhr sind wir aufgestanden und bald darauf frühstücken gegangen. Es war wieder hervorragend und das wird es dort wohl immer sein.
Im Anschluss machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Rijksmuseum.
Ich bin in keiner Stadt bisher so viel gelaufen wie hier. Aber man hat auch kaum Alternativen. Sehr vereinzelt begegnet man einer Fahrradrikscha, eigentlich immer besetzt. Die Metro ist teuer und fährt nur wenige Strecken ab – meistens keine brauchbaren. Und Boote als Grachtentaxis oder ähnliches haben sie hier noch nicht erfunden. Es gibt nur die teuren 24h-Hop on-Hop off-Tickets.
Die anderthalb Kilometer zum Rijksmuseum jedenfalls tun meinen Füßen gar nicht gut. Und die Kilometer IM Museum auch nicht unbedingt. Allerdings muss ich zugeben, dass der Besuch des Museums lohnt, auch wenn ich eigentlich eher ein Kunstbanause bin. Die 15 Euro sind hier gut investiert, wobei ich mir auch die Frage stelle in welchem Vergleich nun das Rembrandthuis zum Rijksmuseum stehen... 12,50 Euro zu 15 Euro...?!?
Gegen 13 Uhr verließen wir das Rijksmuseum nach einer kleinen „Shoppingtour“ im Museumsshop und steuerten zielstrebig Heineken an. Heute sollte es aber klappen!
Wo wir gerade bei Eintrittspreisen sind. Hier zahlt man pro Person 18 Euro. Wie, bitte, passt das? Auch hier muss ich gestehen, dass sie sich wirklich lohnen aber es ist einfach mal noch teurer als das Rijksmuseum. Ein bisschen Bier teurer als echte Kunst???
Aber kommen wir zur „Heineken Experience“:
Man läuft zunächst durch eine Art kleine Ausstellung mit Infos (Schrifttafeln auf Englisch) zur Geschichte der Brauerei und ausgestellten Gegenständen und Werbetafeln aus früheren Jahren – bis dann der spannende Teil beginnt.
Man passiert die großen Braukessel, geht (durch eine Glasscheibe getrennt) durch den Stall der Pferde, die die Kutschen mit den Bierfässern üblicherweise ziehen, und gelangt anschließend zum Beginn des multimedialen Teils. Es beginnt mit einem Film über das Bierbrauen. Der Boden wackelt, Wasser spritzt von der Decke, Seifenblasen füllen den Raum, … je nach Schritt im Brauprozess. Genial gemacht!
Anschließend gibt es das erste Gratis-Heineken. Prost!
Es geht weiter in unterschiedlichen Räumen: Weltweite Heineken-Werbefilme laufen auf überdimensionalen Leinwänden, es gibt die Möglichkeit das Bierzapfen zu erlernen, man kann seine eigene Bierflasche beschriften (kostet extra), es gibt zwei weitere Frei-Heineken zu trinken und vieles mehr.
Zu guter Letzt wie immer der Giftshop!! Ich kaufte mir ein T-Shirt und ein Regencape – draußen ist es nämlich überhaupt gar nicht mehr schön...
Ein kostenloses Geschenk ist für uns als Heineken Experience-Teilnehmer im Gift Shop in der Amstelstraat erhältlich. Wir rechneten mit Pin, Kugelschreiber oder ähnlichem, machten uns aber dennoch auf den Weg, der mit 15 Gehminuten angegeben wurde.

Nach 30 Gehminuten erreichten wir den Rembrandtplein, in dessen Nähe sich der Shop befindet. Das war wirklich eine freche Zeitvorhersage – da muss man schon joggen... Fairerweise muss man auch sagen, wir hätten kostenlos mit dem Heineken Bootsshuttle fahren können – auf den hätten wir allerdings eine halbe Stunde warten müssen...
Zunächst platzierten wir uns bei L´Opéra wo wir am Vorabend so grandios gegessen haben. Leider kam partout keine Bedienung, die unsere Bestellung aufnehmen wollte, sodass wir tatsächlich wieder gegangen sind.
Gegenüber hatte ich bereits ein American Grill Restaurant ins Auge gefasst und hier wurden wir auch sehr, sehr satt... Zwischendurch musste ich allerdings noch einmal zurück ins L´Opéra sprinten weil ich dort meine Heineken Gift Shop Tüte hatte stehen lassen...
Weiter zum Heineken Shop in der Amstelstraat. Hier gab es viele andere Dinge zu kaufen, die es bei der Heineken Experience tatsächlich nicht gegeben hatte. Und das Geschenk kann sich eigentlich auch sehen lassen: Ein kleines Heineken Bierglas!
Gegen 18 Uhr erreichten wir wieder unser Hotel – wir brauchten dringend eine Pause!

Gegen 20.30 Uhr sind wir dann nochmals aufgebrochen, wieder über anderthalb Kilometer Richtung Leidseplein, genauer: Zum Hard Rock Café. Ich wollte doch noch mein obligatorisches T-Shirt kaufen! Dieses Mal wurde es ein weißes, langärmeliges Shirt, mit dem ich bereits in Berlin und Krakau geliebäugelt hatte!
Über Umwege landeten wir noch im Rembrandt Corner, einer Bar/Kneipe/Restaurant neben dem Rembrandthuis. Ein Getränk später landeten wir wieder im Hotel – bereits 23 Uhr!
Samstag, 26. Juli:
Ich hatte diesen Morgen ein knappes Stündchen länger geschlafen weil am Rückreisetag nichts weiter geplant war.
Nach dem Frühstück haben wir Koffer gepackt und sind schließlich gegen 11.30 Uhr aufgebrochen Richtung Centraal. Zu Fuß – bei strahlender Sonne aber Gott sei Dank noch erträglichen Temperaturen.
Pünktlich um 13.01 Uhr starteten wir; auch der Umstieg in Hannover klappte reibungslos und planmäßig. Am Abend waren wir wieder daheim und wussten spätestens jetzt: Amsterdam hat uns nicht zum letzten Mal gesehen!!!
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