Es war der 17.07.2018, nur zweieinhalb Wochen im Voraus, als ich erfuhr, dass ich am Wochenende 4./5. August den Samstag nicht würde arbeiten müssen. Perfekt! Denn mein lieber Mann hat so selten mal ein Wochenende frei und wenn, dann nicht unbedingt zeitgleich mit mir.
So wurde schnell gebucht – denn das war mein Wunsch gewesen nach einem sehr traurigen, persönlichen Ereignis am Anfang des Juli. Gerne wollte ich daraufhin eine kleine „Alltags“flucht mit Philipp geplant wissen – und das war nun Bremerhaven!

Samstag 04.08.2018
Um 12.30Uhr am Theodor-Heuss-Platz
Was besonders auffällt ist diese Ruhe hier. Es ist Samstag Mittag, allerbeste Einkaufszeit und super Sommer-Wetter. Aber angenehm still. Wir sitzen nach über drei Stunden Bahn-Anreise ganz gemütlich im Außenbereich der Burger Bar [!Keine Werbung!] und warten geduldig. Wir haben Zeit.
Bremerhaven hatte uns mit Sonnenschein pur begrüßt und ein ganz besonders schönes Hotelzimmer serviert. Wir haben im Nordseehotel [!Keine Werbung!] am Theodor-Heuss-Platz eingecheckt und kurz darauf schräg gegenüber in Erwartung eines leckeren Mittagessens Platz genommen. Nachdem wir zu Hause noch nicht gefrühstückt hatten, schmeckt es uns nun umso mehr.
Es ist wunderbar warm, fast schon zu warm, aber eine gelegentliche hauchzarte Nordseebrise lässt die Sommerhitze vergessen und macht es uns sehr angenehm. Und damit ist die wichtigste Voraussetzung für ein schönes Wochenende in der Hafenstadt schon mal gegeben!
Bürgermeister-Smidt-Straße
Nach einem veganen und einem richtigen Burger samt Bayreuther schlendern wir sehr zufrieden und in richtiger Urlaubsstimmung die angrenzende Fußgängerzone hoch. Sie bietet augenscheinlich keine großartigen Besonderheiten aber bei so schönem Wetter stören wir uns nicht an den typischen Geschäften, die schließlich auch unsere heimische Innenstadt so bietet.

Wo Möwen am Himmel ihre Kreise ziehen
Es dauert auch gar nicht so furchtbar lange bis wir linkerhand ein Stück entfernt die Straße hoch das Deutsche Auswandererhaus erblicken. Das Erlebnismuseum ist die wohl größte Attraktion Bremerhavens. Natürlich wollen auch wir sie besuchen, die Thematik interessiert uns, es geht um die Auswanderung der Deutschen im 19. und 20. Jahrhundert nach Amerika. Passenderweise lese ich dazu derzeit auch ein Buch.
Aber zunächst wollen wir noch das gute Wetter nutzen und Richtung Meer gehen, das hier eigentlich irgendwie noch ein Fluss ist. Wo genau die Weser endet und die Nordsee beginnt, das erschließt sich uns nicht aber der „Zoo am Meer“ [!Keine Werbung!] wird wohl kaum an der Weser liegen?! Und genau dort gehen wir jetzt hin. Vorbei an der Oldtimer-Ausstellung, die hier gerade stattfindet. Zum Zoo am Meer. Das hat sich Philipp gewünscht. Und auch ich bin für meine Verhältnisse sehr gespannt, denn ich bin kein besonders großer Zoo-Fan aber dieser Zoo hier ist schon neunzig Jahre alt und sehr berühmt.
Zu Besuch bei Pumas und Pinguinen
Der Eintritt für den Zoo am Meer ist mit 9€ pro Person vergleichsweise günstig. Nach Passieren des Kassenhäuschens erwartet den Besucher auch sofort ein Highlight nach dem anderen: Gorillas. Gefolgt von Eisbären. Hier gibt es eine Menge zu sehen, wenn sich die Tiere nicht gerade gekonnt verstecken.
Es geht weiter mit vielen verschiedenen Tieren, vorzugsweise Tieren, die am und im Wasser leben wie z.B. Seelöwen, Seehunde, Seebären und Pinguine aber auch Pumas, Hasen, verschiedene Vögel, Waschbären, Schildkröten und weitere. Besonders bei den Seelöwen und Seehunden fühle ich mich wohl, erinnern sie mich doch an San Francisco und den Pier 39! Ich könnte ihnen auch hier stundenlang zusehen.

Besonders schön finde ich, dass es Basstölpel gibt, die ich vor nur einer Woche auf Helgoland erst kennen gelernt hatte und die mich absolut begeisterten. Hier in Bremerhaven tun sie das sofort wieder, indem sie mir die folgende Frage aufwerfen: „Was hält sie hier ohne Zaun über ihnen?“.
Eine kleine Überraschung ist außerdem das Aquarium. Ursprünglich hatte man hier 1913 ein solches gegründet, dann entwickelte sich der Zoo und nun hat man vor knapp fünf Jahren wieder ein Aquarium eröffnet und es bietet spannende Unterwasserwelten samt Seepferdchen, Tintenfischen, Seewolf, Stör & Co.
Quality Time mit meinem Mann
Nach rund anderthalb Stunden Zoobesuch (der Zoo ist zwar nicht besonders groß aber dafür sehr außergewöhnlich gestaltet mit seiner Felsenarchitektur) sind wir langsam ein bisschen geschwächt, schließlich steckt uns schon ein weiter Weg in den Knochen, sodass wir den Aufenthalt in dem schönen Tierpark nicht weiter ausdehnen und auch den Besuch des Auswandererhauses auf den Folgetag verschieben. Lieber möchten wir einen kleinen Deichspaziergang Richtung Weserstrandbad unternehmen.
Sehr bald erblicke ich die Strandhalle [!Keine Werbung!], ein Café am Willy-Brandt-Platz, das uns mit Kaffee und Eis zu rufen scheint! Hier sitzen wir eine ganze Weile mit Blick auf die Weser, das Weserstrandbad und das berühmte Hotel Atlantic Sail City [!Keine Werbung!], das vor zehn Jahren in markanter Segelarchitektur eröffnete und den besten Standort in der Stadt bietet!

Philipp´s Eierlikörbecher besteht zwar aus vielem aber den Eierlikör muss er suchen. Dennoch verbringen wir hier eine willkommene Pause bevor wir ein wenig über den Willy-Brandt-Platz schlendern und dann unseren Weg auf der Deichpromenade fortsetzen.
Ein auffälliges Gebäude, abgesehen vom Atlantic Hotel, ist das Klimahaus, eine weitere der Hauptattraktionen hier in Bremerhaven. Es ist riesig und wirkt optisch spektakulär! Besucher können die unterschiedlichen Klimazonen der Erde erkunden – DAS wollen wir auch unbedingt aber dafür werden wir Bremerhaven noch ein weiteres Mal besuchen („müssen“), denn für heute ist es schon zu spät und morgen wollen wir schließlich ins Auswandererhaus!
Ich bin jedenfalls begeistert, wie gut mir Bremerhaven gefällt und wie viel Mühe es sich mit dem Wetter für uns gibt! In letzter Zeit mache ich unglaublich gerne Urlaub in Deutschland und ich bin dankbar, dass Bremerhaven mir da ein „Richtig so!“ mit auf den Weg gibt!
Strand-Feeling
Das Weser-Strandbad finden wir mit 3€ Eintritt für den ganzen Tag absolut preiswert, allerdings kosten Strandkörbe extra und das größte Manko: Mein Mann hat seine Badehose nicht dabei. Sie liegt nicht etwa im Hotel, nein ganz zu Hause! Aufgrund des anhaltenden Windes komme ich darüber aber auch hinweg und ich habe sogar das Glück, direkt neben dem Strandbad an einem winzig kleinen Stück Sand, doch noch meine Füße ins wirklich warme Weser-Wasser zu stecken, immer noch unschlüssig ob wir über Weser oder Nordsee sprechen aber aufgrund des Weserstrandbades entscheide ich mich für die Weser. Und die ist ganz schön dreckig. Oder jedenfalls dunkel. Man kann absolut nichts sehen und somit ist die Sache klar: Da wäre ich sowieso nicht weiter drin verschwunden als jetzt mit kurzer Hose bis zu den Knien!

Dennoch ein absolut schöner Moment. Ein Blick auf das Weserstrandbad. Und weiter geht es für uns.
Nordseehotel Bremerhaven
Unweit des Strandbades steht ein Aussichtsturm, den wir gerne besuchen wollen aber leider ist er heute aus technischen Gründen geschlossen. So ziehen wir direkt weiter und suchen unser Hotel auf. Denn bevor wir uns eine Location zum Abendessen suchen, müssen wir uns doch langsam mal frisch machen.
Unser Hotel gefällt uns übrigens ausgesprochen gut. Wie immer haben wir versucht preisbewusst zu handeln aber eine vernünftige Lage und gern auch etwas Modernes, das darf es auf jeden Fall schon sein! Und das ist uns hier absolut geglückt! Von außen unscheinbar, ist das Haus von innen durchweg stylisch, die Zimmer sogar sehr geräumig und der Service überragend. Die Lage war absolut goldrichtig, auch wenn man im Atlantic und den umliegenden Häusern vielleicht direkt in den Havenwelten wohnt – das haben wir nicht vermisst, da alles wirklich direkt um die Ecke liegt!
18Uhr Ein Abend in den Havenwelten
Bereits vor dem Urlaub hatten wir über Trip Advisor das Restaurantschiff Seute Deern für unser heutiges Abendessen auserkoren doch leider müssen wir feststellen, dass dort heute die Oldtimer-Besitzer in einer geschlossenen Gesellschaft feiern. Es gilt also, eine Alternative aufzutun.

Das Wetter ist auch jetzt am Abend noch südländisch warm und nicht weit entfernt schlendern wir einmal durch das Mediterraneo Einkaufscenter [!Keine Werbung!], welches in seinem mediterranen Stil das Urlaubsgefühl noch einmal verstärkt. Allerdings wollen wir nicht mehr bummeln sondern wirklich gerne etwas essen gehen. Nächstes Mal haben wir vielleicht noch Gelegenheit, uns hier etwas umzusehen, erinnert es mich doch sehr an Italien oder vielmehr das Hotel Ceasar Palace in Las Vegas! Das ist extrem ähnlich gestaltet in den Forum Shops, der Einkaufsmeile!
Nahe des Zoos kehren wir im Lloyds [!Keine Werbung!] ein. Es ist schon mächtig voll aber wir ergattern draußen noch einen Tisch und lassen es uns gut gehen. Käse, Oliven, Wein und Bier. Dann erst der Hauptgang. Man gönnt sich ja sonst nichts! Was für ein wunderbarer Tag!
Den Abend beschließen
Ein kurzes Weilchen sitzen wir anschließend noch vor unserem Hotel mit einem Getränk von der Hotelbar, lauschen den Möwen und beobachten die vielen getupften Wolken über uns am Himmel. Das ist schon fast kitschig schön.
Sonntag 05.08.2018
9Uhr Start in den Tag: Hotelfrühstück
Wirklich selten war ich derart begeistert von einem Hotelfrühstück. Es gibt einfach alles, was man erwartet. Darunter zum Beispiel sogar richtig tolle Brotsorten, kleine aber selbst gemacht wirkende Salate und Pestos, vernünftige Müslizutaten abseits von Zucker und Co., auch frisches und nicht nur Dosenobst und noch vieles mehr, wie sogar richtig guten Filterkaffee. Wer mag kann sich sogar einen Coffee To Go an der Maschine zapfen! Das habe ich noch nirgends gesehen.
10Uhr Auschecken und Aufbrechen
Unser zweiter Bremerhaven-Tag steht an. Ich kenne die Stadt bisher nur vom Durchfahren als ich hier die Mein Schiff 4 besichtigt hatte. Ich bin aber heilfroh, dass wir uns endlich einmal auf den Weg hier her gemacht haben, denn bisher könnte es mir nicht besser gefallen!
10.30Uhr Das Deutsche Auswandererhaus
Ganze drei Stunden verbringen wir nun im Auswandererhaus! Ich hatte das einerseits irgendwie schon geahnt aber andererseits trotzdem nicht zwingend erwartet. Und so fühle ich mich bestätigt, dass ich am Tag zuvor im Zoo am Meer knapp zweieinhalb Stunden vor Schließung des Auswandererhauses beschlossen hatte, dieses auf den heutigen Tag zu verschieben!
Wir begeben uns nun also auf die Spuren der Deutschen Auswanderer zwischen 1830 und 1947, wobei jeder Besucher eine „eigene Identität“ erhält. Philipp wird zu Carl und ich werde zu Hertha. Carl hatte sogar für Hertha gebürgt, verstarb jedoch im selben Jahr wie sie dann letztlich auswanderte.

Carl Laemmle, geboren 1867, ist der Begründer von Hollywood und den Universal Studios, nachdem er im Alter von 17 Jahren mit dem Auswandererdampfer Neckar ausgewandert war und sich in den Staaten ein Leben aufgebaut hatte. Seine Figur passt großartig zu Philipp.
Meine Figur, die ich durch die Räumlichkeiten „begleite“ wanderte 1939 aus und lebte bis zum Alter von 98 Jahren (also als ich fünf Jahre alt war) in New York City, allerdings sehr unglücklich und von Heimweh geplagt. Am Ende der Ausstellung steht ein Brief von ihr, in dem sie verlauten lässt, sie hätte in Deutschland bleiben und sich mit ihrer Familie vergasen lassen sollen... Diese Figur passt jetzt nicht unbedingt zu mir. Aber es wird deutlich, dass nun mal bei weitem nicht jeder Auswanderer auch sein Glück gefunden hat auf der anderen Seite des großen Teiches... Ganz abgesehen davon, dass nicht einmal alle dort je angekommen waren...
Das Museum ist jedenfalls sehr gut gemacht, so wähnt man sich zwischendurch z.B. im Jahr 1888 zwischen all den Auswanderern in einer Hafenszene in Erwartung, das Schiff betreten zu dürfen, in einem anderen Raum wiederum in der mächtigen New Yorker Grand Central Station.
Angeschlossen ist dem Auswanderer-Teil des Museums seit 2012 ein fast ebenso großer Museumsteil zum Thema Einwanderung in Deutschland, der nicht minder interessant und ebenfalls sehr eindrucksvoll gestaltet ist!
Das Museum ist ein Must Do für jeden, der sich in Bremerhaven aufhält und nur ansatzweise für das Thema interessiert! Kinder jedoch sollten ein gewisses Alter haben, um hier wirklich etwas mitnehmen zu können. Ich persönlich empfand es auch als recht störend, wenn ich versuchte lange Texte anzuhören oder durchzulesen während immer wieder gelangweilte Kinder herumtobten oder schrien.

14Uhr Auf einem Restaurantschiff
Seit 1965 ist die Seute Deern [!Keine Werbung!] Teil des Deutschen Schifffahrtsmuseums. Da wir gestern Abend nicht hier essen konnten, beschließen wir heute spontan, dort zum Mittagessen einzukehren. Und um es kurz zu machen: Es ist ein absolutes Highlight und schreit nach Wiederholung!
Philipp gönnt sich ein leckeres Fischgericht und ich kann gar nicht glauben, dass die vegetarischen Gerichte hier über Salat und Ofenkartoffel hinaus gehen: Ich esse ein unbeschreiblich gutes Kichererbsencurry mit Tomaten und Banane auf Reis und dazu gibt es sogar noch einen kleinen Salat!
Der Service ist großartig, vergleichbar wohl nur mit unserer Hochzeitslocation letztes Jahr. Somit fühlen wir uns sehr wohl und sind sehr zufrieden über so ein absolut angemessenes Finale für unseren ersten Bremerhaven-Aufenthalt!
Alle Bremerhaven-Bilder HIER!
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