(Ganz-)Kurz-Urlaub im Harz
Alle Fotos hier.
Donnerstag, 25.08.2022

Anreise
Die Kleinstadt Thale am Nordrand des Harzes kennen wir (u.a.) schon von unserem Aufenthalt vor zwei Jahren.
Von zu Hause aus bräuchten wir weniger als anderthalb Stunden mit dem Auto hier her, aber heute kommen wir aus Hameln, das sind dann eher zweieinhalb Stunden.
Daher bietet es sich an, die Fahrt vom „Campingplatz an der Weser“ [„Keine Werbung“] bis ins Bodetal irgendwo zu unterbrechen. Dafür haben wir die Bier- und Fachwerkstadt Einbeck auserkoren: Gegen 12 Uhr mittags treffen wir dort ein, gehen frühstücken Mittag essen und vertrödeln die Zeit in den wenigen Geschäften die es dort gibt bis es auf 14 Uhr zugeht. Dann sind wir nämlich mit Freunden verabredet, die vor etwa einem Jahr ihr wunderschönes Haus in Einbeck gebaut und bezogen haben und nun ist es endlich soweit, dass wir mal vorbeischauen! Nach zwei Stunden Haus gucken bzw. Kaffee trinken müssen wir uns jedoch leider, leider schon wieder loseisen, denn in Thale haben wir noch einen verbindlichen Termin heute Abend.
18 Uhr. Wir checken schnell ein. Unser Hotel befindet sich sehr zentral direkt am Kurpark Thale. Nur 600m entfernt vom örtlichen Wohnmobilstellplatz, der momentan als „Kult(o)ur Bühne“ [!Keine Werbung!] genutzt wird.
Schottische Lebensfreude im Harz

19 Uhr. Einlass an eben genannter Location. Sie stellt einen wirklich unwürdigen Ersatz dar wie sich herausstellt. Die Schottische Musikparade sollte eigentlich 2020, dann 2021, im Bergtheater Thale [!Keine Werbung`!] stattfinden. Der Veranstaltungsort war mir mindestens genauso wichtig wie die Veranstaltung selbst. Nun wird das Bergtheater jedoch saniert (?!) und man hat uns hierher und auf Plastikklappstühle verfrachtet. Ein trauriger Anblick und dem keltischen Zauber, der uns hier erwartet, definitiv nicht angemessen.
Und noch dazu gibt es nur exakt eine vegetarische Option in der Gastronomie: Kuchen. – Danke für Nichts! Alles grillen sie einem hier, alles! Schweine, Rinder, Hasen, Hühner, wahrscheinlich auch Hexen und Trolle! Aber eine Portion Pommes ist zu viel verlangt! Nicht mal Laugenbrezeln laufen durch die Stuhlreihen! Also richten wir uns mit ein paar übersüßen und überteuerten Cocktails ein. Eine Frechheit (das kulinarische Angebot), die ihresgleichen sucht!
20 Uhr. Die Mannschaft aus Edinburgh startet pünktlich. Und fegt uns ganz schön um! Sänger, Tänzer, Trommeln und natürlich Dudelsäcke lassen uns ganz viel "Schottland hören" und „spüren“. Besonders zu Beginn Gänsehaut-Garantie! Die Show ist abwechslungsreich (traditionelle Bagpipe Stücke aber auch moderne Rockmusik) wie mitreißend und entschädigt die miese Location vollends und ist mehr als ein würdiger Ersatz für die verpasste Gelegenheit damals in Edinburgh [LINK FOLGT]...
Das Military Tattoo fand statt als wir 2019 dort waren und es gab auch noch Tickets, doch wer zu lange zögert… Den bestraft das Leben! So konnten wir damals nur die Veranstaltungsstätte am Tage besuchen sowie am Abend vor verschlossenen Toren lauschen.

Heute weht die Highland-Luft also durch das Bodetal und wir gehen sehr glücklich und beschwingt gegen 23 Uhr zurück zum Hotel.
Freitag, 26.08.2022
Frühstück ohne Freuden
Gegen halb acht werde ich wach und ziehe auf den Balkon um ein neues Buch zu beginnen. Doch Philipp wird kurz nach mir wach, also machen wir uns sehr bald auf den Weg zum Frühstück. Da es gestern nur Nudeln in Einbeck und Cocktails beim Konzert gegeben hatte, freue ich mich sehr auf das Buffet… und werde natürlich prompt enttäuscht!
Erstens: Der Raum ist voll und stickig und stinkt. Zu viele Menschen, zu viele warme Frühstücksspeisen, zu wenig Frischluftzufuhr. Alle jammern sie wegen Corona aber vom Lüften will auch keiner was wissen…
Und zweitens: Die Auswahl hält sich in Grenzen, für mich kommt nur ein Brötchen mit Camembert und Gurke sowie etwas frisches Obst und mittelmäßiger Kaffee infrage. Ich erwarte im Rentner-Resort nichts veganes aber vermissen darf ich es trotzdem…
Die Rosstrappe

Sehr bald schnüren wir also die Wanderstiefel, es soll heute zwar noch gewittern, aber erst am Nachmittag. Eine kleine Tour können wir jetzt noch unternehmen, sonst wären wir ja gar nicht richtig im Harz gewesen…
09.40 Uhr. Da haben wir aber Glück gehabt. Die Seilbahnen nehmen erst um halb zehn ihren Betrieb auf. Darüber hatte ich gar nicht nachgedacht. Philipp schon gar nicht. Hoch geht´s im Sessellift Richtung Rosstrappe.
Was mir besonders gut gefällt: Es sind fast noch keine Menschen unterwegs! Der frühe Vogel… hat die Pfade für sich allein! - Wobei von Pfaden hier oben natürlich keine Rede sein kann! Der rund 400m hohe Granitfelsen ist eines DER top Highlights im Harz und immer entsprechend gut besucht. Nur eben offenbar noch nicht vor zehn Uhr morgens. Gut für uns. Zielstrebig machen wir uns auf den Weg zum Haupt-Aussichtspunkt, die Sonne strahlt, es ist schon wieder recht knackig heut Vormittag. Vor etlichen Jahren bin ich schon mal hier gewesen, die Erinnerung kommt langsam wieder...
Als wir dann den Abstieg zu Fuß runter nach Thale in Angriff nehmen wollen, füllt sich die Rosstrappe langsam und mir fällt wieder einmal auf, dass wildfremde Menschen einander grüßen wenn sie wandern. Ich mag das. Und gleichermaßen verwundert es mich immer: Unten im Ort oder vielleicht gar zu Hause im eigenen Dorfe würde einem das nicht so ohne Weiteres passieren…

Der Weg runter zur Bode erfolgt quasi über eine Schotterpiste. Anders kann ich die "Schurre" nicht nennen. Letztes Jahr hat man den Weg wieder frei gegeben, nachdem man ihn elf Jahre lang gesperrt hatte. Angeblich wurde er für 150.000 Euro umfangreich saniert. Ich finde, man kraxelt hier sehr gefährlich hinunter, auch wenn ich zugeben muss, dass wir unsere Wanderstöcke nicht dabei haben und es damit wesentlich einfacher wäre. Aber unabhängig davon: Es ist mir ein Rätsel wie man dieses Steinfeld als Wandertipp bezeichnen kann. Es geht eigentlich durchweg über loses Gestein und der Wanderer muss immer und bei jedem Schritt auf der Hut sein, dass ihm nicht, im wahrsten Sinne des Wortes, der Boden unter den Füßen wegrutscht. Und so motze ich ein bisschen vor mich hin, der einigermaßen steile Kilometer zieht sich, vor allem für Philipp, der mich ertragen muss.
Trotz allem: Wandern ist ein Gesund- und Jungbrunnen. Unten angekommen bin ich wieder bester Laune und wir gönnen uns was Kaltes im Biergarten bevor wir zurück zum Hotel gehen. Es war nur eine ganz kurze Tour aber unsere 10.000 Schritte haben wir wenigstens schon mal voll. Mir ist jedes Mal fraglich wie man das an Bürotagen schaffen soll…
Ein ruhiger Urlaubsnachmittag
In Befürchtung bzw. Erwartung des angekündigten Gewitters verbringen wir den restlichen Tag in der örtlichen Therme, auf unserem Balkon und im hoteleigenen Biergarten. Das teure Essen ist leider nicht so der Bringer, also spazieren wir noch ein wenig durch Thale und lassen uns ein paar Kugeln sehr hervorragendes Eis schmecken als Trostpflaster. Ein azurblauer Himmel spannt sich nun nicht gerade über den Ort aber das ganz schlechte Wetter lässt weiterhin auf sich warten.

Freitag, 27.08.2022
Ein HIGH-Light zum Schluss
8 Uhr. Es fällt mir schwer, aufzustehen. Das Frühstück lockt mich nicht nach der gestrigen Erfahrung und außerdem fahren wir heute wieder nach Hause…
09.30 Uhr. Wir checken aus und so langsam wird es dunkler am Himmel…
Auf dem Weg zur 30 Fahrminuten entfernten Rappbodetalsperre beginnt es dann auch, zunächst zaghaft, später stärker zu regnen… Hoffen wir mal, dass unser Termin um 11 dadurch nicht gefährdet ist!
Philipp löst heute ein Geschenk von mir ein: Er strebt an, sich einen Kilometer lang quer über die Bode schießen zu lassen, 120m über dem Abgrund an der Talsperre, wo sich Europas größte „Doppelseilrutsche“, so heißt das Ding, befindet. Wir sagen dazu Zipline. Wahnsinnig schnell und wahnsinnig hoch.

Und tatsächlich! Es klart zwar nicht auf aber der Regen lässt nach. Mit Heißgetränken auf der Faust beobachten wir die „Überflieger“, die in der Stunde vor Philipp´´ s Termin dran sind und irgendwann ist es dann soweit und er zieht es wirklich durch! Ich bin stolz auf meinen Mann! Mich würden da keine zehn Pferde hoch kriegen!
A pro pos Pferde! Da muss ich heute auch noch hin. Deshalb fahren wir jetzt schon nach Hause. Es ist gerade mal Mittagszeit aber bei dem herrschenden Wetter ist es nicht ganz so schlimm, dass wir, wie geplant, jetzt schon nach Hause fahren...