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Algarve, Portugal 2014


Lagos, Algarve - November 2014 

Alleine in Südportugal unterwegs



 

Sonntag, 16. November

8 Uhr:

Taxi Papa holt mich ab und bringt mich netterweise zum Bahnhof.

 

8.30Uhr:

Die Bahn fährt, unfassbar aber wahr, pünktlich los! Auch das Umsteigen klappt einwandfrei, es bleibt sogar Zeit für ein kleines Frühstückchen am Bahnsteig, auf die S-Bahn zum Flughafen wartend.

 

9 Uhr:

Check in bei tuifly am Hannover Airport. Als Erste ergattere ich auch noch meinen Wunschplatz: Gang, möglichst weit vorne, wird erfüllt: 3D.

 

Nach viel Warterei und vor allem einer Stunde Warterei in der Maschine, die also erst kurz nach 14 statt kurz nach 13 Uhr startet... Geht es endlich los. Das herrliche: Die Reihe vor mir ist noch komplett frei und ich siedele um. Das ist dann Reihe 2, wobei Reihe 1 nicht existiert sondern aus Leerraum besteht. Ich habe von links nach rechts 3 Plätze und von vorne nach hinten quasi 2 Reihen für mich und kann mich super ausdehnen.

 

Trotz stark verspätetem Abflug landen wir pünktlich um 16 Uhr Ortszeit (Deutschland minus 1h) in Faro. Ich bin überglücklich. Wirklich.

 

Die Luft ist recht warm, die Sonne scheint, der Transferbus ist schnell gefunden. Der Weg zum Hotel allerdings dauert rund zweieinhalb Stunden und somit doch noch etwas länger als befürchtet. Ich sitze und sehe aber sehr gut auf einem der vorderen Plätze und kann somit verhindern, dass mir schlecht wird. Unterwegs sehe ich über´m Atlantik den vielleicht traumhaftesten Sonnenuntergang meines Lebens, unglaublich!

 

Das sechste Hotel ist dann endlich mein Tivoli Lagos. Der erste Eindruck ist gut, das Zimmer okay. Alt. Bad nicht sonderlich sauber. Nagut, ich sage mir, die Lage zählt. Und wo sind Hotelzimmer schon ernsthaft sauber? Also auch nach dem ersten und zweiten Blick...!?!

 

Nach einer erfrischenden Dusche habe ich das Buffetrestaurant und das portugiesische Restaurant des Hotels zur Auswahl. Raus möchte ich in der Dunkelheit alleine nicht. Haben mir Mama und Papa außerdem verboten!

 

Das Buffet soll 23 Euro kosten, so groß ist mein Hunger aber nicht. Ich entscheide mich für das portugiesische Restaurant und lande in einem ganz winzigen, romantischen und auch ein wenig steifen Restaurant, wo es angedacht ist ein Menü aus x Gängen zu bestellen. Unangenehm.

 

Ich entscheide mich für Brot/Butter/Oliven, danach Salat, danach Suppe. Das ist nur ein Bruchteil von dem was man bestellen soll und ich bin schon nach der Hälfte pappsatt... Obwohl ich mir wirklich Zeit lasse. Erst spät komme ich dadurch ins Bett.

 

Montag, 17. November

 

6 Uhr:

Jubelschreiauslösender Sonnenaufgang vom Balkon aus! Fantastisch. Ich bin bereit!

 

 

7.30 Uhr:

Ich bin fast die Erste beim Frühstück. Was ist los mit mir? Das Buffet erscheint halbwegs umfangreich, ich greife aber lediglich zu ein paar süßen Teilchen, lese ein bisschen und bin bald darauf startklar, Lagos nach 14 Jahren wieder zu sehen. Die Spannung steigt... Trommelwirbel...

 

Ich streife durch die größtenteils noch menschenleeren Gassen und kann es nicht fassen, wie dicht alles beieinander liegt. Ich bin wohl auch ein wenig größer geworden in der Zeit... Somit fällt meine Runde kürzer bzw. schneller aus, als gedacht.

 


 

Immerhin die Markthalle öffnet, als ich auf dem Rückweg bin. In der unteren Etage lasse ich die Fische links oder vielmehr rechts liegen und tobe mich oben bei Salz, Gewürzen und Obst aus. Ich habe diverse Einkaufsaufträge zu erfüllen. Zack erledigt!

 

Mir fällt ein, dass ich noch zum Busbahnhof wollte. Mal gucken was wann wohin fährt. Aha. In etwas über einer Stunde geht ein Bus zum Cabo Sao Vicente, dem südwestlichsten Punkt Europa´s. Auch hier bin ich damals gewesen und ich möchte es diese Woche unbedingt wieder sehen. Warum nicht gleich heute?

 

Ich erwarte stürmische Bedingungen und passe daher noch flux meine Kleidung an, wie praktisch, dass das Tivoli und der Busbahnhof so nah beieinander liegen.

 

10.30 Uhr:

Los gehts. Lagos-Cabo Sao Vicente in knapp einer Stunde Fahrzeit. Mit mir zusammen im Bus während der gesamten Strecke lediglich ein Pärchen, das auch in meinem Hotel wohnt. Wir kommen am Kap ins Gespräch. Sie sind aus England, eine Tochter von ihnen hat mal in Heidelberg gewohnt, die andere den Jakobsweg bewandert. Eine von beiden (welche weiß ich nicht) ist gerade in Indien, der zweiten Station ihrer Weltreise. Nach Thailand und Indien sollen Neuseeland und Australien folgen. Ob es das schon war oder noch weitere Stationen folgen, weiß ich nicht.

 

Am Kap ist es übrigens kein bisschen windig. Froh bin ich dennoch über Jacke, Schal und geschlossene Schuhe, aber es ist angenehm, nicht das Gefühl zu haben, weg zu fliegen.

 


 


 


 

Was mich wundert: Vor 15 Jahren war hier noch eine Bratwurstbude - Die letzte Bratwurst vor Amerika". Heute stehen hier nur die beiden Wollpulli-Verkäufer sowie ein Getränkestand. Vielleicht ist das mit der Bratwurst ja auch saisonbedingt!? Egal, ich will ja bekanntlich eh keine...

 

12 Uhr:

Es geht ein Bus zurück. Genau genommen der selbe, mit dem wir gekommen sind. Gott sei Dank. Denn der nächste fährt erst um 15 Uhr. Ich hatte mir zwar Buch und Laptop eingepackt aber meine Befürchtung, dass hier immer noch kein Café mit (windgeschützten) Sitzgelegenheiten steht, hat sich bestätigt.

 

So steigen wir 3 Tivoli´s wieder in den Bus, müssen aber dieses Mal in Sagres umsteigen. Die Wartezeit beträgt nur 10 Minuten aber dieser Bus hält dann an jeder Milchkanne... somit dauert der Rückweg wesentlich länger als der Hinweg. An sich ist das nicht schlimm, da die Strecke landschaftlich unglaublich schön weil grün und voller weißer/bunter Häuschen/Dörfchen ist, aber ich muss Pipi........

 

13.30 Uhr:

Alles wieder im Lot, ich drehe eine Runde durch´s Hotel weil ich gerne wissen möchte wo hier der Innenpool und der SPA- Bereich ist, aber ich finde leider nur den Pool. Schade, ich hätte sofort eine Massage gebucht für heute Nachmittag...

 

Aber ganz abgesehen davon, ist jetzt auch mal so langsam Lunch Time. Der Süßkram heute Morgen war zwar ausgesprochen lecker aber eben nicht sättigend. Ich gehe zielstrebig zu Fernanda. Soll damals unser Stammlokal gewesen sein. Ich kann mich nicht im Geringsten erinnern, aber es schmeckt. Allerdings bestelle ich auch nur etwas Brot, Butter, Käse und Salat, da es, wie so oft, keine vegetarischen Hauptgerichte gibt. Macht aber nichts. Es schmeckt ja.

 

Anschließend gibt es noch einen Galao. Einen leckeren, heißen portugiesischen Milchkaffee, für die Belohnung, dass ich draußen bei nicht besonders warmen Temperaturen gesessen und gegessen habe. Übrigens mit deutschen Tischnachbarn.

 

Es war amüsant ihre Gespräche mitzukriegen. Bernd und Frau. Geschätzt im Rentenalter. Leider sehr deutsch. Schneller muss es gehen, kälter muss das Bier sein, Suppen gibt es immer die gleichen, das Salz kommt zu schnell durch den Streuer. Und so weiter. Trotzdem sind die beiden mir nicht gänzlich unsympathisch und ich arrangiere mich mit ihnen.

 

Es folgt ein ausgiebiger Bummel durch die Altstadt. Drei Shops finde ich, die direkt nebeneinander liegen, sehr modern sind und Kleidung, insbesondere Unterwäsche anbieten. Ich finde hier einen Trainings-/Schlafanzug. Alle anderen Geschäfte sind eher Souvenirläden, aber darunter sind etliche ausgesprochen schöne und ich finde ganz tolle Sachen. Leider kann ich nicht viel kaufen, da mir insbesondere die Dinge gut gefallen, die am Meisten wiegen (Alkohol, Honig, Tassen, etc.). Das führt dann spätestens am Flughafen zu einem Problem...

 

Über die Promenade bummel ich zurück Richtung Hotel und kaufe mir im Supermarkt noch einen Snack für den Abend.

 


 


 


 

Im Hotel stoppe ich direkt an der Rezeption. Ich habe ein paar Fragen. Die wichtigste: Wo ist der SPA-Bereich?

 

Laut Beschreibung der Mitarbeiterin genau dort, wo ich ihn vermutet und auch schon gesucht hatte... Dennoch werde ich mich wieder auf die Suche begeben, denn ich buche kurzerhand eine einstündige Full Body Massage. In einer Stunde geht es los. Schnell noch duschen und ab dafür!

 

18.30 Uhr:

Was soll ich sagen? Die kommende Stunde, wobei die Massage nicht mal pünktlich angefangen hat... aber die kommende Stunde ist wirklich etwas seltsam. So ein typisches Wir bieten Massagen an, damit was von Wellness im Katalog steht....

 

Die Rückenmassage war definitiv zu sanft. Und ich bin eigentlich kein großer Fan von zu viel Druck aber das war wirklich mehr ein Streicheln oder Kitzeln... Als sie dann anfängt mit dem linken Fuß/Bein, sage ich Luisa, sie möge etwas fester massieren. Das tut sie dann auch. Es ist jetzt etwas besser. Das rechte Bein/Fuß massiert sie dann ganz anders und deutlich kürzer. Nagut. Was folgt? Ich muss mich umdrehen, auf den Rücken. Dann ist der linke Arm plus Hand dran. In Ordnung aber wirklich nur ganz, ganz kurz. Auf der anderen Seite noch kürzer. Sehnsüchtig denke ich an die Full Body Massage im SPA Moab irgendwo in der Wüste in den USA... Die weltbeste Massage meines Lebens, da konnte nicht mal Thailand mithalten!

 

Jetzt reißt sie mir ohne Vorwarnung das Handtuch vom Leib und schmiert Öl auf meinen Bauch. Ich hoffe ganz still und fest, dass sie nicht auch noch meine Brüste massieren möchte. Aber ich habe Glück. Und vor allem SIE!!... Zum Schluss streicht sie mir noch im Gesicht herum und schmiert gefühlte 10 Liter Öl in meine Haare, ich atme dabei übrigens die ganze Zeit ihrem Atem=Knoblauch und dann habe ich es überstanden.

 

Schade. Hätte ich das gewusst, hätte ich ohne zu zögern das Geld den armen Kindern in Afrika gespendet. Anstatt mich in eine zum Massageraum umfunktionierte Abstellkammer zu legen und unfachmännisch massieren zu lassen...

 

Immerhin ist damit meine Entscheidung gefallen, welche der anderen vielversprechend klingenden Behandlungen ich noch buchen möchte: Keine!

 

Den Abend verbringe ich ganz entspannt, aber eben nicht so entspannt wie nach einer (richtigen) Massage, auf dem Zimmer.

 

Dienstag, 18. November

 

7 Uhr:

30 Minuten nach meinem ersten Wecker, der aber leider nicht geklingelt hat und 15 Minuten vor meinem zweiten Wecker, der auch nicht geklingelt hätte, da ich das Handy falsch eingestellt hatte, wache ich auf. Für heute habe ich von zu Hause aus einen Ausritt gebucht.

 

8.20 Uhr:

Nach einem kleinen Frühstückchen mache ich mich auf dem Weg zur Busstation. Leider muss ich erfahren, dass der Bus doch nicht so ganz fährt, wie ich mir das vorgestellt und recherchiert hatte... Es bleibt mir also nur ein Taxi. Ich hoffe, dass die rund 8km nach Fronteira (Bensafrim) nicht die Welt kosten werden.

 

9 Uhr:

Ich steige zu Joao ins Taxi. Ohrenbetäubender Lärm in Form von Musik und Gerede aus dem Radio machen es schwer, miteinander zu kommunizieren aber Joao kommt auch nicht auf die Idee, das Radio aus oder leiser zu stellen. Da wir aber sowieso keine gemeinsame Sprache finden, macht das nichts. Ich habe Bensafrim, Fronteira, QPA auf einem Zettel stehen, das reicht ihm schon und die Fahrt geht los. QPA ist der Name der Reitanlage. Er versichert sich mit einer kurzen Andeutung von einer Reitbewegung mit schmeißenden Zügeln, dass ich dort auch wirklich hin möchte, ich lache und nicke und wir sind unterwegs. Anders kann das in exotischen Ländern in der Ferne auch nicht laufen...

 

Irgendwann stellt er das Radio dann aus und beschwert sich über die Kälte. Nunja. Ich trage auch eine Jacke aber der soll mal nach Deutschland kommen... Da scheint im Zweifel nicht einmal die Sonne.

 

Offenbar spricht Joao doch ein paar Brocken Englisch. Er handelt gleicht mit mir aus wann mein Ritt zu Ende ist, und, dass er mich dann wieder abholt. So macht man Geschäfte! Ich bin zwar skeptisch, zahle aber dennoch. Und zwar gleich den Hin- und Rückweg. Mit 21 Euro bin ich dabei. In Ordnung. Doch was ist, wenn Joao nicht wieder kommt? In letzter Sekunde frage ich ihn nach Namen und Telefonnummer und notiere mir beim Aussteigen, Fuchs, wie ich bin, noch sein Nummernschild

 

Ich bin ziemlich früh dran. Die Begrüßung fällt freundlich aus und mein Pferd wird auch gerade vom Paddock zum Anbinder geführt und mir als Ruby vorgestellt. Sie kommt mir sehr alt vor. Ich frage. She must be in her late twens. Ja das glaube ich allerdings auch. Aber so an sich macht sie ja einen guten Eindruck.

 


 

Ich frage ob es ok ist, wenn mein Taxi um 12.15 Uhr kommt. Auf später wollte Joao sich leider nicht einlassen weil es um 12.30 Uhr Mittag gibt... Ja das sei ok. Es käme auch noch eine andere Reiterin mit und sofern die früh genug da ist, könnten wir auch schon vor 10 Uhr starten.

 

Ich frage ob ich Ruby selbst putzen darf. Darf ich. So kann ich mich schon etwas mit ihr vertraut machen. Ich befürchte allerdings, dass sie Satteldruck hat. Am Rücken ist eine winzig kleine Stelle und sie hasst es, im Gurtbereich bzw. zwischen den Vorderbeinen geputzt zu werden. Na, super! Soll das hier genau so ein Reinfall werden wie am Bryce Canyon?...

 

Bald darauf lerne ich Kate kennen. Sie ist die andere Reiterin, die mit auf die Tour kommt und macht ein paar Tage Reiterferien in der Anlage. Sie kommt aus...England wie könnte es anders sein.

 

Satteln und Trensen übernimmt dann jemand anderes und ich bin auch froh darüber, denn Ruby knirscht mit den Zähnen, legt die Ohren an, droht permanent und beißt auch öfters in die Luft Richtung Sattel. Ich bin mittelschwer verzweifelt aber viel zu schüchtern um zu fragen ob sie nicht vielleicht Schmerzen hat. Die hat sie ganz offensichtlich. Aber das wird man sowieso abtun.

 

Ich ringe mit mir ob ich alles stehen und liegen lasse und einfach gehe. Ich überlege hin und her, beschließe aber, zu bleiben. Ansonsten ist Ruby sehr lieb, die Mädels hier alle nett, der Hof und die Pferde in einem passablen Zustand. Ich meine es gibt ja Pferde, die satteln und trensen schlichtweg hassen.

 

Ich bin gespannt auf´s Aufsteigen! Zu erst darf Kate auf Maggie aufsitzen, dann bin ich dran. Die Pferde werden dazu neben so eine Art Bank aus Stein geführt. Man kann ganz bequem aufsitzen und Ruby wehrt sich nicht oder macht sonst irgendwelche Anzeichen, dass ihr das jetzt unangenehm ist. Erst als meine Bügel eingestellt werden, schnappt sie wieder nach der Person, die mir dabei hilft.

 

Zu viert reiten wir überpünktlich los. Guide Robin auf ihrem Schimmel, dessen Name mir nicht bekannt ist. Kate mit Maggie. Und noch ein Mädchen, die offenbar auf dem Hof aushilft, auf Romeo. Und ich mit Ruby. Sie ist übrigens eine Fuchsstute Größe schwer zu schätzen aber größer als z.B. ein Araber und kleiner als ein richtiger Hannoveraner. Schöne Größe.

 

Der Ausritt dauert wirklich volle zwei Stunden, wobei wir in der Sonne starten, es unterwegs aber immer bewölkter wird. Das macht allerdings nichts, ich bin eh viel zu warm angezogen für sonniges Wetter. Und da es nicht regnet, ist es eigentlich perfekt. Ruby steht hervorragend an den Hilfen, aber was man merkt ist, dass offenbar immer die genau gleichen Strecken getrabt oder galoppiert werden. Eigentlich muss Robin gar nicht fragen ob wir wollen. Den Pferden merkt man es an, dass gleich ein, zwei Gänge zugelegt werden.

 

Die Wege sind unglaublich schlecht. Die, die ich zu Hause im Gelände als schlecht bezeichnen würde, sind hier noch die Besten. Und so wird im wahrsten Sinne über Stock und vor allem Stein galoppiert. Die Pferde sind unfassbar trittsicher, auch wenn es steil bergauf oder bergab geht. Kein Problem.

 


 

Die Landschaft ist unbeschreiblich abwechslungsreich. Ich hatte keine Ahnung, wie viele Grüntöne die Natur bereithält. Der Begriff eine Landschaft wie gemalt bekommt eine vollkommen neue Bedeutung!

 

Palmenartige Gewächse, Kakteenarten, Pinien, Wein, alles wächst und gedeiht, leider bin ich kein Botaniker um zu beschreiben WAS hier alles wächst aber es ist großartig! Ich kann mich vollkommen für meine Umgebung begeistern und wie gesagt, Grüntöne, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte zumal ohne Sonneneinfluss. Sie sind einfach da!

 

Dass wir nicht in die Nähe eines Strandes kommen würden, wusste ich zuvor. Und dennoch ist das hier landschaftlich mindestens genauso schön. Ich bin mir sicher: Sogar schöner!

 

Nach einer Stunde ist Ruby als einziges der Pferde schon sehr am Schwitzen. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich hatte es mir ja schon gedacht, dass sie konditionell nicht mehr so gut aufgestellt sein kann. Dass sie dadurch aber faul oder unmotiviert wird, kann ich nicht behaupten. Sie geht fleißig und immer genau so wie ich es verlange.

 

12 Uhr:

Wir sind pünktlich zurück am Stall und auch Joao ist schon da. Scheint Hunger zu haben der Gute. Ich schäme mich ein bisschen vor mich hin, dass ich ihm so misstraut habe, dass er mich nur abzockt und dann nicht wieder kommt...

 

Beim Absatteln usw. ist Ruby wie ein Lamm. Nichts mehr mit unfreundlich und Zähne fletschen. Ich streichel sie ausgiebig, bezahle meine 50 Euro und steige ins Taxi.

 

Joao ist jetzt gesprächiger. Fisch wird es geben, gegrillten. Er wird mich direkt vorm Tivoli raus lassen. Von wo ich zurück nach Deutschland fliege. Ob ich ein Taxi zum Flughafen brauche. Haha.

 

A pro pos Deutschland. Ohne mit mir geredet zu haben hatte er erkannt, dass ich aus Deutschland komme. Seltsam aber nagut. Der Schock war nur kurz darauf, dass es bei Kate genau so war. Ich werte das jetzt einfach mal als negativ. Nagut, mit Kate hatte ich ein paar Sätze gewechselt aber trotzdem. Als Kompliment würde ich es jetzt nicht betrachten, dass man so einfach erkennt, welcher Nationalität ich angehöre.

 

Andererseits, in den Restaurants, wo es ja auch deutsche Karten gibt, präsentiert man mir immer die englische anstelle der deutschen. Aber vielleicht macht man das bei jedem Gast?....

 

Joao lässt mich vorm Tivoli raus. Ich habe auch leider kein Kleingeld mehr und lasse ihn ohne Trinkgeld ziehen. Dankbar bin ich ihm trotzdem für seine Zuverlässigkeit und dem 1 Euro Preisnachlass weil ich es nicht passender gehabt hatte.

 

13.30 Uhr:

Ich stehe im hoteleigenen Schwimmbad und möchte wenigstens eine halbe Stunde lang meine Bahnen ziehen. Daraus wird aber leider nichts. Ich ziehe zwar ein paar Bahnen aber die sind nicht besonders lang, somit beschließe ich abwechselnd links und rechts rum im Kreis zu schwimmen. Das macht aber auch nicht so viel Spaß. Insbesondere wenn man sich das Becken mit Ameisen, Fliegen und Würmchen teilt. Nach 10 Minuten sitze ich neben dem Pool auf einem Stuhl am Tisch und beginne einen neuen Roman. Dieser spielt auf einem Reiterhof in Irland. Das wär´s ja auch mal!...

 

Nach dem ersten Kapitel fröstelt es mich und ich habe Hunger. Nach einer heißen Dusche mache ich mich auf den Weg in die Altstadt.

 

14 Uhr:

Ich schlage im Piri Piri Restaurant auf. An dieses Restaurant kann ich mich sehr wohl erinnern! Hier haben wir früher definitiv gegessen. Oft und draußen. Das muss heute allerdings eher nicht sein. Das mit dem Draußen. Es ist merklich kühler geworden und ich habe gerade erst Haare geföhnt.

 

Drinnen ist es so gut wie leer aber ich mach das jetzt einfach! Nach Brot und Butter lasse ich mir einen gemischten Salat mit Obst und Käse schmecken. Wow! Er besteht quasi aus grünem Blattsalat, geraspelten Möhren und Kohl, Erbsen-Möhren-Gemüse, Avocado, einer Art Camembert o.ä., Erdbeeren, Orangenscheiben, Kiwi, Tomaten, Gurken und Melone. Grandios!

 


 

Theoretisch bin ich jetzt natürlich satt. Aber ich bin jetzt schon seit zwei Tagen hier und habe immer noch kein Pasteis de Nata gegessen. Um die Ecke hatte ich ein ansprechendes Café gesehen, das suche ich jetzt auf.

 

15 Uhr:

Ein Tischchen ist noch frei, schön in der Ecke, wo ich meine Ruhe habe und mich meinem Laptop widmen kann. Ich bestelle mir ein Pasteis de Nata, ein anderes Süßteil und einen Galao. Yammi!

 

15.30 Uhr:

Ich bin schon wieder im Shopping-Fieber. Es ist zwar deutlich grauer und windiger geworden, sodass es nur noch eine Frage der Zeit sein kann bis es das erste Mal regnen wird, aber davon lasse ich mich ja nicht abschrecken. Ich bummel durch die Altstadt, teils durch Gassen, die ich gestern bereits gesehen habe, teils durch andere Ecken. Dabei entdecke ich viele süße Läden und erstehe unter anderem eine tolle neue Handtasche.

 

Irgendwann beginnt es dann tatsächlich zu regnen und ich mache mich auf den Rückweg. In einer Pasteleria stoppe ich zwecks Abendbrotvorbereitungen. Ich möchte heute wieder auf dem Zimmer essen und eigentlich nicht wieder im Supermarkt kaufen. Und ich habe Glück. Es gibt in der Pasteleria zwar eigentlich auch nur Süßes (abgesehen von kleinen Teigtaschen, mit Chicken gefüllt) aber man bietet mir an, ein Croissant mit Käse zu belegen. Das ist doch in Ordnung. Bin gespannt wie es schmecken wird aber das Croissant sieht auch nicht aus wie unsere Croissants, es hat halt nur die Form aber ich glaube es ist ein ganz anderer Teig. Mal schauen. Und ein paar Meter weiter ist noch ein Café, wo ich mir den Nachtisch sichere. Der Süßkram in der Croissant-Pasteleria hat mich spontan nicht umgehauen. Deshalb greife ich hier zu einem Milk Cake. Mal gucken. Aussehen tut er super und ich hab die hier schon oft gesehen.

 

Durch den Regen, der aber nicht allzu heftig fällt, sodass ich ohne Regenschirm noch ganz gut zurecht komme, suche ich eine Fahrradvermietung. Man kann ja nicht wissen ob die Tage nicht doch noch einmal die Sonne scheinen wird. Schön wäre es, zumal ich gerne noch zu den Stränden Meia Praia sowie Praia da Batata möchte und eigentlich auch noch zur Ponta de Piedade, einem kleinen Kap bei Lagos mit Leuchtturm und faszinierenden Felsformationen. Aber all das macht eben nur Sinn bei schönem Wetter.

 

10 Euro pro Tag für ein Fahrrad erscheinen mir jedenfalls akzeptabel und ich nehme einen Flyer mit. 50 Euro Kaution allerdings finde ich heftig. Wer garantiert mir, dass ich die auch wieder bekomme? Ich bin und bleibe leider sehr skeptisch.

 

17 Uhr:

Ich liege auf meinem Bett und lese. Dabei stelle ich fest, dass ich das Buch mit dem Reiterhof in Irland schon mal gelesen habe. Das ist seltsam, denn das Buch sieht aus als wäre es noch nie berührt worden. Vielleicht hatte ich es mal mit einem anderen Cover, so etwas passiert ja. Aber meine liebe Freundin Rike hat mir ja zwei Tage vor Abflug nach Portugal weise einen Roman geschenkt, damit ich was zu Lesen habe. Sehr gut, das Buch werde ich dann bald beginnen.

 

Ich beschließe also, das bereits gelesene Buch ebenso hier zu lassen wie jenes, welches ich heute Morgen zu Ende gelesen habe. Unten im Hotel gibt es ein Spiel- und Lesezimmer wo auch ein großes Bücherregal steht, wie es häufig in Hotels der Fall ist. Hier kann man gelesene Bücher abstellen und abgestellte Bücher mitnehmen. Theoretisch wollte ich ja nur Bücher hier lassen und froh sein, dass ich Gewicht für´s Gepäck los geworden bin. Als ich mich aber zwei Stunden später in diesen Leseraum begebe, um keinen Koller auf dem Zimmer zu erleiden, finde ich doch partout mindestens drei Bücher, die ich lesen wollen würde...

 

Da ich aber insgesamt auch nur zwei Bücher dort hin stelle (das von heute Morgen wurde sogar schon wieder genommen), möchte ich auch nur zwei Bücher mitnehmen und entscheide mich.

 

Den Abend verbringe ich nun hier in diesem Gemeinschaftsraum voller Deutscher. Ein Grüppchen sitzt mit Kartenspiel und Bier für sich. Eine Dame liest exzessiv einen Algarve Reiseführer, später gesellt sich eine Dreierkonstellation mit Laptop und Zeitschriften dazu. Irgendwie ist jeder für sich aber doch sitzen wir alle zusammen. Das ist wirklich schön.

Das Croissant mit dem K
äse schmeckt eins A, der Rosé, den ich mir von der Hotel-Bar, auf den Schlag direkt nach Ende der Happy Hour (...), hole, auch. Und der Milk Cake erst!! Toll. Zu Hause esse ich ja überhaupt keinen Süßkram, der irgendwie was kuchenhaftes an sich hat. Außer vielleicht maaal einen Donut oder Muffin. Aber hier gibt es so viele tolle Sachen, die es zu Hause nicht gibt und schmecken tun die einfach toll! Ist ja außerdem Urlaub...

 

 

Als Laptop und Handy nichts mehr hergeben fange ich dann übrigens endlich das Buch an, was Rike mir vor ein paar Tagen geschenkt hat und es ist unglaublich witzig und liest sich herrlich leicht. Ich fange ganz bestimmt bald schon das erste Buch aus dem Regal an.

 

21 Uhr:

Jetzt habe ich es aber geschafft. Seit weit über einer Stunde bin ich unfassbar müde und will eigentlich ins Bett gehen, finde es aber zu früh dazu. Zumal es schön wäre, morgen auszuschlafen und nicht so sehr früh wach zu sein.

 

Die Wetterprognose für morgen ist immer noch durchweg regnerisch. Daher mache ich mir wirklich gar keine Hoffnungen, dass es doch anders sein könnte. Ich bin gespannt wie ich den Tag dann so verbringen werde ohne Massage und ohne Pool und ohne Regenschirm... Vielleicht leiht mir das Hotel einen. Einen Regenschirm? Ansonsten lese ich bestimmt das Buch komplett durch.

 

Mittwoch, 19. November

 

8 Uhr:

Feierabend jetzt hier, ich ertrage das nicht länger. Der Regen prasselt dermaßen bzw. fließt als Wasserfall von dem Balkon über mir auf den meinen und zwar in einer Lautstärke. Da kann ja kein Mensch schlafen, ich jedenfalls nicht. Also aufgestanden jetzt.

 

8.45 Uhr:

Es gießt wirklich. So richtig. Alles ist grau. Es ist sehr windig. Ich sitze beim Frühstück und widme mich in erster Linie meinem Buch. Bald anderthalb Stunden sitze ich hier, frühstücke zwischendurch immer ein bisschen weiter und lese so vor mich hin. Immer wenn ich aus dem Fenster sehe, von dem ich leider sehr weit entfernt sitze, muss ich nach einer Weile feststellen, dass es immer noch schüttet. Die Weile verstreicht jeweils weil ich offenbar mal wieder zum Optiker gehen und meine Sehstärke prüfen lassen sollte...

 

Nach dem ausgiebigen Frühstück strecke ich mich wieder auf meinem Bett aus um dort weiter zu lesen aber das Zimmermädchen verscheucht mich. Nagut, man ist ja flexibel. Hänge ich mich also in eines dieser unbequem aussehenden aber unglaublich originell und stilmäßig passenden Korbmöbel mit fetten weißen Kissen, die auf Etage Minus 1 stehen.

 

Habe ich das eigentlich schon erklärt hier? Nein. Das Hotel ist sehr interessant gebaut. Es gibt zig verschiedene Gebäudetrakte. Wenn man reinkommt, also in die Lobby, gibt es erstmal nur vier Etagen. Die mit der Lobby, zwei darunter (Konferenzräume und Garage, die Reihenfolge weiß ich mangels Interesse nicht) und darüber dann HA Verwirrung, Verwirrung, die Minus 1. Ja die Minus 1 ist ganz oben. Naja eigentlich ist es 1. Aber das Gebäude ist ab hier irgendwie ein anderes und von dem Gebäude ist diese Etage dann eben Minus 1. Minus 1 ist super, denn dort ist die Bar. Und der Leseraum. Und der Raum mit den Korbmöbeln.

 

Von Minus 1 aus geht man auch in das portugiesische Restaurant (siehe 1. Abend) oder aber nach draußen zum Poolbereich. Und am Poolbereich vorbei geht es zum Beispiel zum Health Club mit SPA (haha), Pool und Fitnessraum. Aber von der Poolebene aus muss man auch wieder Treppen runter gehen zum Health Club. Ja und eine andere Ecke habe ich auch noch dürftig erkundet, das ist ebenfalls eine Treppe, die von der Poolebene runter geht. Da gelangt man dann in einen kleinen Garten, durch den man aber auf Holzplanken geht, da dieser quasi halb Garten, halb Teich ist. Dort scheinen auch Zimmer zu sein aber diese sehen zurzeit nicht bewohnt aus. Im Sommer wird das anders sein. Ich bin dann jedenfalls nicht weit gekommen weil die drei Türen am Ende des Gartens mir nicht verrieten wohin sie mich führen würden also bin ich wieder umgedreht anstatt mich entscheiden zu müssen. Hat mich ein bisschen an Eins, zwei oder drei. Ob ihr wirklich richtig steht... Seht ihr wenn das Licht angeht... erinnert.

 

So aber wir waren auf Minus 1. Minus 1 ist sozusagen mein persönlicher Dreh- und Angelpunkt. Von hier aus geht auch eine Treppe hoch zum Frühstücksraum, allerdings ist dieser auch mit der Null-Taste im Fahrstuhl zu erreichen. Der Fahrstuhl in diesem Gebäude geht dann übrigens von Minus 1 bis 5, wobei für mich auf der 4 immer Schluss ist. Da ist mein Zimmer. Es liegt direkt gegenüber vom Fahrstuhl, was sich als ultra praktisch erwiesen hat. Ich habe immer, immer, immer die Leute bemitleidet, die direkt gegenüber vom Fahrstuhl wohnen weil ich mir das unfassbar laut vorgestellt habe aber ich muss sagen, das kann ich in diesem Hotel absolut nicht bestätigen.

 

Für meine Verhältnisse verbringe ich ja sehr viel Zeit auf dem Zimmer aber ich höre von dem Fahrstuhl quasi gar nichts. Und auch sonst ist es hier relativ ruhig wenn man das Hundegebell, das Möwengeschrei und den Wasserfall von Balkon zu Balkon mal außen vor lässt.

 

Wie es dann in den weiteren Gebäudetrakten aussieht und funktioniert habe ich nicht weiter erforscht. Ich gebe mich damit zufrieden, dass ich mich auf meiner Rennstrecke auskenne.

 

Aber zurück zu Minus 1 und den Korbmöbeln, wo ich mich platziere, als man mein Zimmer reinigen (oder wahrscheinlich einfach nur das Bett machen) will.

 

Es ist wie erwartet nicht sonderlich bequem hier aber zugegebenermaßen doch weniger schlimm als gedacht. Immerhin halte ich es hier volle zwei Stunden aus. In drei weiteren Korbmöbeln hängen schön verstreut, also weit auseinander und somit offenbar nicht zusammengehörend, drei ältere Männer. Alle mit dem Kopf im Nacken, Augen geschlossen, Mund leicht geöffnet. Vielleicht gehören sie ja doch irgendwie zusammen?

 

Als es mir dann etwas frisch wird und mein Rücken, der heute sowieso sehr schmerzt, protestiert, suche ich wieder mein Zimmer auf. Ob man es jetzt vielleicht doch mal wagt und raus geht? Nein. Es regnet immer noch junge Hunde.

 

Wie gut, dass ich mich darauf eingestellt hatte. Also Bett und Buch. Bis ich Sonnenstrahlen durch mein Fenster kriechen sehe. Juhu! Aufgesprungen und zum Fenster gehechtet. Verarscht! Es regnet trotzdem noch.

 

Es dauert aber nicht mehr allzu lange und es hört anscheinend wirklich auf zu regnen und ich packe die Gelegenheit beim Schopfe bevor ich hier drinnen dann doch noch zu viel kriege. Ich mummel mich warm ein und ziehe los.

 

13 Uhr:

Draußen stelle ich fest, dass es wirklich gar nicht kalt ist. Jedenfalls nicht so richtig. Nagut aber besser zu warm gekleidet als zu dünn. Mich zieht es mal nicht Richtung Innenstadt, ich möchte zu erst zur Lagos Marina, die es so in der Form meines Erachtens damals nicht gegeben hat! Den Yachthafen ja, das touristische Drumherum, nein. Aber ich kann mich natürlich irren.

 

Zunächst muss ich todesmutig die metallene Fußgängerbrücke über die Hafeneinfahrt erklimmen um auf die andere Seite des Wassers zu gelangen... Ich habe ein dermaßen mulmiges Gefühl, was durch den starken Wind und das absolut braun gefärbte Wasser noch verstärkt wird. Ich und meine Brückenphobie...

 


 

Das Angebot, das mich dann auf der anderen Seite erwartet ist auch nicht besonders groß. Pizza Hut hat geschlossen, diverse andere Restaurants sind geöffnet und extrem gut besucht. Ich finde einen kleinen Zeitungs- und Souvenirladen wo ich mich noch einmal mit Postkarten eindecke und dann drehe ich auch schon wieder um. Mache mich zurück auf den Weg zu der Brücke...

 

Der Regen setzt wieder ein und ich schlage mich entlang der Häuserwand unter Schirmen/Markisen und Balkonen bis zur Altstadt durch. Dort ist es dann wieder trockener und ich überlege ob und wann und wo ich zum Mittag einkehren soll aber laufe erst einmal immer weiter bis ich am Praia da Batata lande. Hier waren wir früher immer Baden. Der Strand ist bei diesem Wetter natürlich menschenleer. Aber es ist schön, sich den Wind um die Nase pfeifen zu lassen!

 


 


 


 

14.30 Uhr:

Ich kehre in dem kleinen Café ein, wo ich mir gestern den Milk Cake zum Mitnehmen gekauft hatte. Das Café hatte einen tollen Eindruck gemacht und ich bestelle hier heute einen vegetarischen Toast zum Lunch. Pilze, Paprika und Frühlingszwiebeln sind auf dem Riesentoast drauf und es schmeckt ausgezeichnet. Ich bleibe lange sitzen und lese mein Buch von Rike, das ich gestern Abend begonnen habe, zu Ende.

 

16 Uhr:

Ich möchte im Supermarkt noch meinen Wasservorrat auffrischen und muss miterleben wie ein älterer Mann, tendenziell ein Obdachloser bzw. eben sehr armer Mann, festgehalten wird von zwei Supermarktangestellten. Sie versperren die Tür, sodass er nicht raus und ich nicht rein kann. Sie streiten laut, ich nehme an, dass er etwas geklaut hat oder zumindest verdächtigt wird. Die Kassiererin gibt mir ein Zeichen, kurz zu warten. Unangenehm ist die Situation schon für mich aber ich schätze für die anderen Beteiligten weitaus mehr.

 

Kurz darauf darf ich rein aber ich muss mich durch die leicht geöffnete Tür quetschen weil sie den Mann immer noch im Schwitzkasten haben. Auch nachdem ich bezahlt und den Laden wieder verlassen habe, sind sie immer noch mit ihm am Diskutieren, mittlerweile aber in deutlich gehobener Lautstärke und spürbar aggressiver. Weg hier.

 

Ich hole mir zum Abendessen, wie gestern wieder so ein Croissant mit Käse, zum Mitnehmen bei dem alten Mann in der Pasteleria. Es schmeckt wirklich gut. Aber eben nicht wie Croissant. Mit dem hat es nur die Form gemeinsam.

 

Zurück im Hotel steige ich voll motiviert in meine Sportklamotten und freue mich tatsächlich fast, mich ein bisschen auf dem Laufband zu betätigen, da ich das Gefühl habe, dass mir schon nach drei Tagen meine Sachen nicht mehr passen obwohl ich kulinarisch betrachtet ja für Urlaub halbwegs sparsam lebe. (Blenden wir das Süßzeug aus...)

 

Die Freude bzw. Vorfreude währt nicht besonders lange. Als ich meine Laufschuhe anziehen will, muss ich feststellen, dass diese vom Reiten dermaßen verdreckt sind, dass ich mit diesem Dreck gefühlt (Nagut, nicht nur gefühlt...) den halben Boden des Balkons bedecken kann, die Schuhe davon aber nicht besser aussehen.

 

Ich breche jetzt nicht in Tränen aus aber auch nicht in Jubelschreie. Irgendwie hatte ich mich auf ein bisschen Sport und das schöne Gefühl nach der körperlichen Betätigung plus erholsamer Dusche schon wirklich gefreut, damit ich heute Abend guten Gewissens wieder ein Gläschen Wein trinken kann. Nun muss ich das wohl doch wieder mit schlechtem Gewissen tun. Verdammt!

 

Aber was mache ich dann jetzt? Ich hatte gehofft, auf dem Laufband wenigstens so ein Stündchen ins Land gehen zu lassen und dann wäre es ja schon bald wieder Abend... Wie sieht mein Notfallplan aus?

 

Lesezimmer. Ich finde noch ein Buch. Schreibe meine heute erworbenen Postkarten. Und ziehe wieder von dannen. Auf dem Zimmer finde ich den Laptop und mache mich daran, meine Fotos von heute zu sortieren.

 

18.30 Uhr:

Ja naja, was soll ich sagen? Wieder einmal Ortswechsel: Überraschung: Lesezimmer. Ich finde sogar einen Platz, der nicht nur halbwegs gut ausgeleuchtet ist, sondern von dem aus ich sogar gleich zwei Steckdosen nutzen kann. Für´s Netbook und für´s Handy. Auf dem Zimmer kann ich ja nur laden wenn ich da bin, da Strom nur fließt, wenn die Zimmerkarte neben der Tür in dieser Halterung steckt und das geht schlecht, wenn ich nicht da bin...

 

Der Abend wird recht kurzweilig. Ich chatte mit Svenja über Facebook, kümmere mich um meine Emails, esse mein Käsecroissant und Pasteis de Nata, trinke Vino Verde und bin recht zufrieden.

 

22 Uhr:

Schlafenszeit.

 

Donnerstag, 20. November

 

9 Uhr:

Frühstück. Mit Buch. Und das Fazit, dass ich das Frühstück wirklich nicht so umfangreich finde, wie ich gehofft und gedacht hatte. Ich erinnere mich an elterliche Schwärmereien für dieses Frühstücksbuffet, kann die Begeisterung aber nicht teilen. Ich weiß allerdings, dass das mit großer Sicherheit daran liegt, dass ich da etwas dolle verwöhnt bin von anderen Hotels. Vielleicht aber, hat sich das Buffet über die Jahre aber auch verändert.

  

Allzu lange hält es mich nach dem Frühstück dann nicht auf dem Zimmer. Denn es hat endlich aufgehört zu regnen.

 

11.30 Uhr:

An der Rezeption informiere ich mich nach Busfahrmöglichkeiten zur Ponta de Piedade, wo es traumhafte Felsformationen zu sehen gibt, wie ich bereits erwähnte, und da möchte ich gerne hin, wenn ich aufgrund des Wetters schon nicht zum Meia Praia Strand komme.

 

In einer Stunde soll der Bus abfahren, so bleibt mir genug Zeit, noch durch die ruhigeren Ecken und Gassen der Stadt zu streifen, die ich in den letzten Tagen noch nicht gesehen habe.

 

Überpünktlich sitze ich dann an der Wartestelle und... lasse den Bus dennoch an mir vorbei fahren, da man ihn hätte heran winken müssen. Wie ich im Nachhinein begriffen habe, halten die großen Busse von alleine, die kleinen nur auf Handzeichen, wenn niemand aus- sondern eben nur einsteigen will. Hm.

 

Aber wer weiß wozu es gut ist. Der Bus fährt nämlich nur bis zum Dona Ana Strand und von da sollen es noch 15-20 Minuten zu Fuß sein und ich schätze, der Weg ist nicht überdacht, haha, und wenn es wieder zu gießen beginnt, habe ich da sicherlich nicht so viel Spaß. Der nächste Bus fährt auch erst in 100 Jahren, also bleibe ich einfach in Lagos, was mich nicht wirklich stört.

 

Die nächsten Stunden laufe und laufe und laufe ich einfach wieder kreuz und quer, schaue in unzählige Geschäfte rein, kaufe noch ein paar Kleinigkeiten und kenne jetzt so ziemlich jeden Winkel der Altstadt...

 


 


 


 


 


 

14.30 Uhr:

In Oceano Restaurant gönne ich mir einen leckeren Salat mit Rucola, Ziegenkäse, Walnüssen, Honig, Äpfeln, Oliven und Tomaten. Klingt verrückt?? Einfach mal nachbasteln! Ich hab so was ähnliches zu Hause auch schon mal gemacht. Ist ein TRAUM!!!

 

Als ich das Restaurant verlasse, sehe ich einen Bettler direkt davor. Ich muss an den Mann im Supermarkt gestern denken und tadaaa, es dauert nur wenige Meter, da sitzt genau DIESER auch dort und hat seine Pappe vor sich ausgebreitet. Ich bilde mir ein, dass auch er mich wiedererkennt,...

 

15.00 Uhr:

Ein drittes Mal gehe ich zu der kleinen Pasteleria mit dem Käsecroissant. Heute aber ohne ein solches zu kaufen. Ich möchte nämlich einen Galao trinken. Den hätte ich im Oceano zwar auch bekommen aber weil der kleine alte Portugiese hier so lieb ist, möchte ich mein Geld lieber bei ihm lassen. Der Galao ist ausgezeichnet und dazu esse ich noch so eine spezielle Süßigkeit, deren Namen ich nicht kenne aber ich weiß, dass ich sie damals gefühlt jeden Tag gegessen habe als ich mit meinen Eltern hier war. Mmmmh ist das schön!

 

Anschließend möchte ich noch ein letztes Mal in das Café gehen, wo ich neulich den Milk Cake gekauft und gestern den Toast gegessen habe. Hier möchte ich so ein Mandeltörtchen haben, mit dem Papa mich in Lissabon bekannt gemacht hat. Ich lasse es mir einpacken für heute Abend.

 

Aber da mein Abendbrot ja nicht aus einem Mandeltörtchen bestehen kann, gehe ich auch noch in den Supermarkt und kaufe 1 Brötchen und etwas Käse von der Käsetheke. So, das hört sich doch gut an!

 

Als ich den Supermarkt verlasse, regnet es unfassbar doll und ein bisschen Donner und ein paar helle Blitze sind auch dabei! Es bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten, was vorstellbar nervig ist, wenn man dringend mal Pipi muss und eigentlich auch ganz gerne mal eine Kopfschmerztablette nehmen würde.

 

16 Uhr:

Ich mache mich lang und kuschel mich in mein Bettchen, versuche die Kopfschmerztablette wirken zu lassen und den prasselnden Regen auf meinem Balkon zu ignorieren und mich zu entspannen...

 

Aber es dauert nicht lange. Keine halbe Stunde später klopft es an die Tür und man möchte mein Zimmer sauber machen. Oder wie ich es wieder nennen würde: Das Bett gerade streichen und wenn ich Glück habe das Handtuch wechseln. Ich schwanke zwischen Ja in zehn Minuten und Nein, danke, heute brauch ich keinen Room Service. Hm, naja ich nehme dann doch die erste Variante, ziehe mich an und gehe mit dem Netbook auf´s Sofa in Minus 1.

 

18.00 Uhr:

Zeit zum Koffer packen. Ich finde Simon & Garfunkel angemessen. Das ist dramatisch genug. Ich bin relativ schnell fertig, so nach ca. 45 Minuten, und kann mich wieder meinem Buch widmen. Wenn das doch VOR dem Urlaub bloß genau so schnell ginge... Aber nein, auf dem Hinweg muss man ja leider noch mit System packen und überlegen, WAS man einpackt. Zurück ist packen immer einfach. ALLES muss mit. Egal WIE.

 

20.00 Uhr:

Netbook. Buch. Postkarten. Kugelschreiber. Wasser. Kamera. Kabel für Kamera/Netbook. Brot. Käse. Mandeltörtchen. Und schon bin ich ausgestattet. Lesezimmer, ich komme. Und: Bar, ich komme! An meinem letzten Abend darf und muss es unbedingt noch ein Vino Verde sein. Für ein, in meinen Augen, Sommergetränk, schmeckt er mir hier abends und drinnen ausgezeichnet!

 

Freitag, 21. November

 

7.30Uhr:
Meine innere Uhr sagt mir, es ist Zeit aufzustehen bzw. wach zu werden. Aufstehen muss man ja nicht gleich. Man kann ja auch lesen und Emails schreiben, ohne sich zu erheben.

 

Irgendwann schaffe ich es dann doch duschen und frühstücken zu gehen.

 

10.30Uhr:

Die letzten Sachen sind im Koffer verstaut. Es sieht fast nicht nach Regen aus. Ich gehe los, will noch Wasser kaufen für die Fahrt zum Flughafen und mir ein bisschen die Beine vertreten vor der langatmigen Heimreise. Ich gehe noch einmal ein Stückchen durch die Stadt und lege mich dann auf ein, zwei, drei Kapitel noch einmal auf´s Bett und checke in letzter Minute aus der Transfer kommt überpünktlich, schon kurz vor zwölf.

 

14 Uhr:

Kurz vor Öffnung des Check in Schalters erreichen wir den Flughafen Faro. Was folgt ist nicht weiter erwähnenswert... Check in. Sicherheitskontrollen. Duty Free Shopping. Lunch bei Subway.

 

16 Uhr:

Zweistündiger Flug mit Air Berlin von Faro nach Palma de Mallorca.

 

19.30Uhr:

Zweieinhalbstündiger Flug mit Air Berlin von Palma de Mallorca nach Hannover und Heimreise mit der Bahn.

 

Ein langer Tag aber auch eine unglaublich entspannte Zeit an der Algarve liegt hinter mir. Meine erste Alleine-Reise war ein voller Erfolg, zu dem das gewählte Ziel sicher ungeheuer beigetragen hat. Wäre ich irgendwo vollkommen fremd gewesen, hätte die Lage sicherlich noch etwas anders ausgesehen. Für´s erste Mal war ein bekanntes Ziel goldwert. Das wird nicht die letzte Reise ohne Begleitung gewesen sein, wobei ich definitiv bei beiden Varianten die Vor- und Nachteile sehe und jederzeit immer eine Begleitung mitnehmen würde! Sollte aber keine greifbar sein und ich unbedingt buchen wollen, würde ich es wieder alleine machen, sofern das bezahlbar ist.

 

Fakt ist: Ich bin nicht gänzlich erholt. ABER: So erholt wie schon lange nicht mehr. Vier Tage nichts tun bzw. nur schöne Dinge tun und zwar ich will - UND ohne Rücksicht nehmen zu müssen, das ist schon ein gewisser Luxus!

 

Naja und, dass ich immer wieder nach Lagos bzw. Portugal kommen werde, ist wohl auch klar!




Und HIER findet ihr alle weiteren Fotos des Urlaubs!