Meine erste Reise in meine Sehnsuchtsstadt
Hauptstadt? Größte Stadt von Portugal? Wunderhübsche Altstadt? Ja!
Aber. Viel mehr! Viel, viel mehr ist Lissabon!
Nur WAS? Ja das habe ich mein Umfeld auch gefragt und dabei heraus gekommen sind nicht nur die drei oben stehenden Vermutungen bzw. Tatsachen sondern auch noch ganz andere Aspekte.
Ich persönlich hatte immer eine wage Vorstellung was und wie Lissabon wohl sein würde...
Mama und Papa waren schon hundert Mal dort und schwärmten von der Stadt wie ich von New York City oder San Francisco, also musste Lissabon schon wirklich toll sein!
Ich kannte unzählige Fotos und habe mir immer wieder Wissen angelesen um mich damit auf den Tag vorzubereiten, der hoffentlich irgendwann kommen würde, der, an dem ich dann endlich selbst nach „LIS“ fliegen würde!
Für mich war Lissabon in meiner Vorstellung also hügelig und verwinkelt, historisch und modern, voller lieber Portugiesen, glänzend und strahlend genau so wie heruntergekommen und sanierungsbedürftig, vor allem eine bunte Mischung verschiedener Nationalitäten und Kulturen, Stichwort Angola, Kapverden, etc.!
Gespräche im Freundeskreis ergaben allerdings, dass wohl niemand sonst eine Vorstellung von dieser Stadt hat. Lissabon. Mmh. „Oh schön. Du fliegst nach Spanien.“ Ja... ähm... Fast!
Gut, dem richtigen Land kann die Stadt f-a-s-t jeder zuordnen aber sich darunter etwas vorstellen? Eher weniger. Wieso nur?
Woran denkt ihr, wenn ihr an Lissabon denkt? Was verbindet ihr mit der Stadt? - So oder ähnlich formulierte ich es und es hagelte erstaunliche Antworten (darunter übrigens nicht nur einmal Sätze wie „Ich habe absolut gar keine einzige Vorstellung!“).
Von Erdbeben (das verheerendste gab es 1755) über Expo (die dann 1998) bis Epidemien (oh zu dem Thema weiß Mr. Google so einiges zu berichten) war vieles dabei!
Erstaunlicherweise dachten manche auch an die Christusstatue, die viele ja nur mit Rio de Janeiro in Verbindung bringen..., den Tejo, den man schon viel früher auf dem Plan hätte haben sollen, denn das hätte wertvolle Punkte bei „Stadt, Land, FLUSS“ gebracht..., Benfica, den mit Abstand größten Fußballverein der Welt..., und die gelbe Tram, die den Cable Cars aus San Francisco ein wenig ähnelt.
A pro pos San Francisco. Auch die Ponte de 25 Abril, die der Golden Gate Bridge zum Verwechseln ähnlich sieht, war unter den genannten Begriffen beim „Brainstorming Lissabon“. Das finde ich wirklich schon beachtlich, da dies eine recht präzise Formulierung ist.
Nun, das waren so in etwa die Vorstellungen meiner Lieben um mich herum. Ich finde das total spannend und werde sie zukünftig häufiger mit Fragen dieser Art nerven.
Aber was ist mit meinen Vorstellungen? Wurden sie erfüllt?
Ja! Erfüllt und übertroffen!
Ich denke Lissabon ist sehr wohl all dies, was euch so in den Sinn kommt. Hauptstadt am Tejo mit gewissen Sehenswürdigkeiten bzw. Attraktionen die denen aus anderen Ländern und Städten ähneln.
Aber Lissabon ist wirklich weitaus mehr! An was denke ich jetzt nachdem ich die Stadt drei volle Tage ausgiebig erkundet habe?
Ich denke zunächst speziell an die TAP, die mich mit zwei Stunden Verspätung dorthin brachte und mit zwei Stunden Verspätung wieder nach Hause beförderte. Mein erster Flug mit TAP. Abgesehen von den Verschiebungen eine überdurchschnittlich gute Airline.
Dann kommt Lissabon herself. Irgendwie finde ich Lissabon weiblich. In der Landessprache Lisboa. Das klingt doch nicht männlich, oder?
Da wären zunächst die Einwohner, die Menschen. Die man wirklich nicht in Worte fassen kann. Ich versuche es trotzdem. Sie sind so unglaublich entspannt. Wirken sie jedenfalls auf mich. Und hilfsbereit. Das erinnert schon an us-amerikanische Verhältnisse, deren Hilfsbereitschaft mich immer wieder beeindruckt. Du stehst mit einem Stadtplan in der Gegend rum und wirst angesprochen und gefragt wo du hin möchtest. Auch wenn sich keine gemeinsame Sprache findet, gibt es eine Möglichkeit der Verständigung. Allerdings sprechen fast alle Portugiesen Englisch, selbst viele der wirklich alten Portugiesen. Das hat mich beeindruckt. Sie sind vorausschauend und freundlich.
Freundlich! Oh ja das liebe ich am Allermeisten am Ausland. Sobald du Deutschland verlässt, schlägt dir Offenheit und Freundlichkeit entgegen. Warum ist unser eigenes Land so kalt und verschlossen, geniert sich und blamiert sich? Und die allerschlimmste Frage: Bin ich genau so?
Das Essen wollen wir mal auch nicht vergessen! Auch wenn ich mit deftigen Fleisch- und natürlich in erster Linie Fischgerichten nichts anfangen kann, so ist Lisboa doch meine Top 1 City in Europa oder vielleicht weltweit – denn: hier gibt es Pasteis (siehe unten)!! SO schmeckt Lissabon!
Aber was noch? Was hat mich beeindruckt? Ja es war tatsächlich die Mischung aus verfallenen Gebäuden, alten Gebäuden, die gerade saniert werden und alten aber herausgeputzten Gebäuden, die so prächtig und mächtig wirken, dass sie gar nicht so uralt aussehen sondern einfach nur strahlen vor Schönheit! Im Idealfall mit der Sonne um die Wetter. Und natürlich mit mir!
Vor allem aber denke ich an die Aussichtspunkte, die Miradouros heißen und immer wieder einen anderen Blickwinkel auf die Stadt bieten. Jeder Miradouro eröffnet eine neue Aussicht, eine neue Perspektive und jeder für sich ist atemberaubend schön, ob im Nebel oder in der Sonne. Ich werde sie alle noch einmal besuchen und noch viele weitere, die ich noch nicht kenne!
Na klar, auch mit der Tram 28 bin ich gefahren und habe es geliebt. Sie steht in der Tat für Lissabon wie kaum etwas anderes. Aber abgesehen von einem ganz klein bisschen der Optik, hat sie wirklich absolut gar nichts gemeinsam mit den Cable Cars in San Francisco, wenn man diese schon live gesehen und erlebt hat.
Lissabon. Da denke ich nun außerdem an platte Füße! Ich wusste zwar vorher, dass die Stadt auf sieben Hügeln entstanden ist aber das hört sich immer harmloser an als es ist. Gefühlt sind es eher siebenhundert oder siebentausend Hügel! Und was für welche! Frag nicht nach Sonnenschein! Bequeme Schuhe, möglichst schon eingelaufen, ein ausreichender Wasservorrat und eine Sonnenbrille gehören unbedingt ins Gepäck! Letztere hatte ich natürlich zu Hause vergessen...
Ich denke ich habe ausreichend aufzeigen können wie vielfältig diese Stadt ist. Nicht umsonst ist sie auch Anlaufhafen großer Kreuzfahrtschiffe. Man kann einfach so viel erleben und entdecken, Kultur und Kaffee schnuppern und genießen. Die Atmosphäre ist mit der keiner anderen Stadt vergleichbar. Ich muss zurück!
Aber jetzt erstmal mein ausführlicher und bebilderter Bericht für euch!!:
Sonntag, 21.9.14
Endlich ist der Tag gekommen an dem ich ... 1. nach 14 Jahren endlich wieder Richtung Portugal aufbrechen und 2. eine meiner Top-Sehnsuchtsstädte erreichen darf.
Ich freue mich tierisch auf die kommenden Tage. Mit dabei wieder meine Reisebegleitung des Vertrauens in Form von meinem Papa. Alle guten Dinge sind 3 in 2014! Nach Dresden und Amsterdam nun also Lissabon mit ihm!
Pünktlich anderthalb Stunden vor Abflug, also so gegen 19 Uhr, checken wir in Hannover am Flughafen bei der TAP ein, lassen die Sicherheitskontrollen über uns ergehen und widmen uns unserem mitgebrachten Proviant.
Anschließend sind wir bereit für den Abflug, doch just in diesem Moment kommt eine Durchsage: „Ihr Flug TP523 nach Lissabon hat leider eine Verspätung von etwa 120 Minuten.“
Herzlichen Glückwunsch. Wieso sollten wir auch noch vor Mitternacht unser Ziel erreichen? Wäre ja viel zu einfach.
Was hilft es? Dann also Hoteltaxi per Email informieren, Buch auspacken & Mövenpick-Eis zum Trost.
Um 22 Uhr dürfen wir endlich boarden - volle zwei Stunden später als geplant heben wir ab. Bei nur drei Stunden Flugzeit nicht gerade unerheblich.
Ich lasse mich aber keineswegs davon beeindrucken, schließlich wartet LISSABON auf mich. Die portugiesische Hauptstadt, die ich schon ewig habe besuchen wollen und von der mir Mama und Papa immer vorschwärmen wie ich ihnen von Amerika.
Da kann mich die TAP mit ihren Mätzchen nicht abschrecken! Ich freue mich immer noch! Und bin selbst erstaunt über meine Gelassenheit.
Übrigens muss ich sagen, dass die Crew mit Service und Freundlichkeit sowie akzeptablem Essen die Verspätung fast wieder wettmacht! Dies ist mein erster TAP-Flug (übrigens mit dem Glück, XL Seats ergattert zu haben) und ich bin mehr als zufrieden. Wenn der Rückflug ebenso verläuft, könnten sie sich zu meiner No. 1 mausern.
01:15 Uhr Ortszeit (02:15Uhr in Deutschland): Wir sind daaaa!!! Und unsere Koffer aaaaauch!!! Jetzt wird alles gut!
Der Taxifahrer holt uns mit Namensschild meines Papis ab und bringt uns zum Praca dos Restauradores, bekannt für seinen Obelisken, der an die 60 jährige Fremdherrschaft durch Spanien erinnern soll.
Hier befindet sich übrigens auch das Hard Rock Café! Und gleich um die Ecke unser Hotel! Die Straße dort ist allerdings zu eng als, dass sie mit einem 17-Sitzer (mit dem wir zwei Personen abgeholt werden) befahrbar wäre.
Turim Suisso Atlantico. Unsere „Residenz“ für die kommenden vier Nächte. Das Haus ist mit Sicherheit in die Jahre gekommen, allerdings mit frisch renovierten Zimmern und eben unglaublich zentral gelegen! Wir sind sehr zufrieden.
Wir schmeißen die Koffer ins Zimmer und verlassen das Hotel sofort wieder. Es dürstet uns und wir möchten auch für die Nacht mit Wasserflaschen versorgt sein. Wie gut, dass Papa sich auskennt. Wir gehen also über den Restauradores und selbst in der Dunkelheit beeindruckt mich die Kulisse schon. Spärlich beleuchtet und wunderschön.
Als nächstes gelangen wir zum Rossio mit seinen zwei Pariser Brunnen. Dieser Platz stellt so ziemlich den Mittelpunkt der Stadt dar. Dass sich hier zahlreiche Cafés angesiedelt haben, dürfte selbstverständlich sein. Der offizielle Name lautet übrigens Praca Dom Pedro lV. Geöffnet ist jetzt des nachts natürlich nichts mehr.
Wir laufen weiter, kaufen unterwegs Wasserflaschen und landen schließlich am Tejo-Ufer auf dem Praca do Comercio, von den Einheimischen Terreiro do Paco genannt - so der frühere Name.
Dieser Platz befindet sich sozusagen unmittelbar am Tejo und ist von Arkaden mit Restaurants und Cafés gerahmt. Ich bin gespannt wie es hier tagsüber aussieht.
Auf dem Rückweg zum Hotel passieren wir noch den Elvador Santa Justa. Der 1901 eröffnete Fahrstuhl verbindet die Ober- mit der Unterstadt Lissabons. Ich werde mich in den kommenden Tagen überraschen lassen ob er in Betrieb ist, denn er ist eingehüllt und scheint restauriert zu werden. Somit sieht man leider gar nichts von ihm.
02.30Uhr Ortszeit (03.30Uhr deutscher Zeit): Jetzt ist es aber spät genug. Frisch geduscht falle ich ins Bett und schlafe eigentlich ganz gut.
Montag, 22.9.14
07.45Uhr: Wir sind ganz ohne Wecker schon so früh wach und fühlen uns ausgeschlafener als befürchtet.
9 Uhr: Nach dem wirklich nicht erwähnenswerten und wohl eher weniger sättigendem Hotel-Frühstück (…) machen wir uns auf den Weg. Wir wollen heute die nähere Umgebung zu Fuß und mit der historischen Tram Nr. 28 erkunden. Diese startet ihre Fahrt am Martim Moniz, wo sich auch das bekannte Hotel Mundial befindet.

Wir fahren zunächst nur ein paar Stationen bis Graca. Bevor wir uns auf den Weg zu zwei der Miradouros, den unzähligen Aussichtsterrassen mit spektakulären bis romantischen Ausblicken über die portugiesische Hauptstadt, begeben, kehren wir in einem kleinen Supermarkt ein um uns mit einer Tagesration an Wasserflaschen zu versorgen.
Der erste Miradouro ist dann der Nossa Senhora da Monte mit einem wunderschönen Ausblick, wenn auch nebelverhangen. Man hat einen großartigen Ausblick über die gesamte Stadt.

Nicht weit entfernt besuchen wir den Miradoura da Graca, hinter der gleichnamigen Kirche, mit einem ähnlichen aber doch auch wieder etwas anderem Ausblick. Es lohnt sich, beide Punkte anzusteuern.


Wir steigen auch am Punkt Graca wieder in die 28 ein – und am Miradouro das Portas do Sol wieder aus. Ich bin hin und weg, der Blick über die Dächer und den Tejo mit zwei derzeit hier liegenden Kreuzfahrtschiffen ist grandios!

Wenige Schritte entfernt befindet sich der Miradouro de Santa Luzia. Dieser wird vermutlich zu Recht als schönster Aussichtsplatz über den Dächern der Alfama bezeichnet. Mit schattigen Hecken und Pergolas sowie Bänken, die mit Fliesen verziert sind, eignet er sich prima zum Verweilen - aber die Zeit nehmen wir uns nicht.

Zu Fuß besteigen wir stattdessen umgehend den Hügel zum Castelo Sao Jorge.

Mitten in der Alfama, umringt von verschachtelten alten Häusern und geheimnisvollen, charmanten Gassen thront diese Burg über der Stadt. Bis Ende des 15. Jahrhunderts Königssitz der Mauren. Bis ins 16. Jahrhundert Wohnsitz portugiesischer Könige. Heute bekannt für seinen atemberaubenden Ausblick über die Stadt. Dieser ist aber nur für diejenigen gedacht, die sich in eine elendig lange Schlange vor dem Ticketschalter einreihen...
Unser Weg setzt sich daher zu Fuß durch die Alfama fort. Es ist das älteste Stadtviertel Lissabons und das einzige, das weitestgehend verschont blieb bei dem verheerenden Erdbeben der Stärke 9 am Morgen des 1. Novembers 1755, das die Stadt fast vollständig in Schutt und Asche legte und zehntausende Opfer forderte.
Verwinkelte, enge Gassen und Treppen sind das typische Bild dieses Viertels, in dem schon die Mauren gelebt haben.
An dieser Stelle vielleicht mein Fazit des Tages vorab: Lissabon thront auf sieben Hügeln an der Mündung des Flusses Tejo mit Blick auf den Atlantik. Immerzu geht es bergauf und bergab durch die kleinen Gassen und Straßen zwischen denen sich immer wieder unglaubliche Aussichtspunkte verstecken. Hilfreich sind auf jeden Fall die zahlreichen Straßenbahnen und Aufzüge um die Höhenunterschiede zu überwinden.
Die Stadt ist unglaublich sehens- und erlebenswert. An jeder Ecke begegnet man Spuren der rund 2000 Jahre alten Stadtgeschichte und dem Flair vergangener Zeiten. Aber auch die beeindruckenden moderneren Bauten schmiegen sich recht harmonisch in das historische Stadtbild.
Ich jedenfalls bin begeistert und weiß schon jetzt, dass ich keinesfalls das letzte Mal hier gewesen sein werde. Naja und Papa ja sowieso schon gleich gar nicht!
Wir landen zufällig bei der Sé. Der Begrifft steht für „Kathedrale“ im Allgemeinen, aber auch speziell für eine bestimmte: Die Largao da Sé von 1147, seither wegen Erdbeben jedoch mehrfach eingestürzt und neu aufgebaut. Sie ist die wohl bekannteste Kirche der Stadt. Wir werfen einen Blick hinein, erstehen Postkarten und setzen unseren Weg durch das Gassengewirr fort.
Über den Comercio, den wir letzte Nacht ja schon im Dunkeln betrachtet haben, steuern wir den Cais do Sodre an, denn von hier legt die Fähre nach Almada ab.
Dieser Stadtteil befindet sich auf der südlichen Seite des Tejo, die Fahrt dauert nur wenige Minuten, man hat währenddessen einen tollen Blick auf die Ponte 25 de Abril, die rote 3222m lange, sechsspurige Brücke über den Tejo, die seit 1966 (damals noch vierspurig) dafür sorgt, dass Lissabon von Süden her auch per Auto erreichbar ist. Sie sieht der Golden Gate Bridge in San Francisco zum Verwechseln ähnlich. Ihr Name stammt übrigens von der Nelkenrevolution am 25.04.74 als die Diktatur im Land ohne Blutvergießen gestürzt werden konnte.
In Almada angekommen, befindet sich der Busbahnhof direkt gegenüber vom Fähranleger. Der Bus 101 bringt uns innerhalb weniger Minuten zum Cristo Rei.
Nach brasilianischem Vorbild wurde diese 82m hohe Christusstatue errichtet und 1958/59 eingeweiht, als Dank, dass Portugal nichts mit dem 2. Weltkrieg zu tun gehabt hatte.

Zunächst erhaschen wir tolle Ausblicke auf die kleine Schwester der Golden Gate Bridge und fahren anschließend mit dem Fahrstuhl hoch auf die Aussichtsplattform des Cristo Rei. Von hier hat man einen traumhaften Blick auf die Tejo-Mündung und die Lissabonner „Skyline“.

Nachdem der Morgen sehr neblig und dann aber der Mittag sehr sonnig gewesen war, fängt es ausgerechnet dann an zu donnern, als wir oben auf der Aussichtsplattform stehen...
14 Uhr: Zeit für einen Snack. Wir gönnen uns eine Stunde Pause im Café beim Cristo Rei. Es blitzt und donnert, wir genießen Milchkaffee und kleine süße Gebäckstücke. Zeit, Postkarten zu schreiben und die weitere Tagesplanung in Angriff zu nehmen.
Mit dem Bus geht es zurück zur Fähre. Während der Fährüberfahrt beginnt es heftig zu regnen, allerdings ist dies zum Glück nicht von all zu langer Dauer und wir sind in der Zeit schön geschützt.
Wir nehmen die Metro bis Baixa-Chiado, kommen am Café A Brasileira vorbei und suchen uns unseren Weg zu Fuß zurück zum Restauradores. Leider immer wieder mit zeitweisem Regen.
Um noch kurz ein paar Worte zum A Brasileira zu verlieren, das einem nicht unbedingt ein Begriff ist: Es ist wohl Lissabon´s bekanntestes Café. 1905 brachte es den Stil und die Eleganz aus Paris und Wien an den Atlantik. Sein berühmtester Stammgast war der portugiesische Dichter und Schriftsteller Fernando Pessoa. Ihm wurde vor dem Café ein Denkmal gesetzt.
Es ist die Zeit für´s Hard Rock Café gekommen. Und mit uns auch noch die Happy Hour! Wenn das nicht nach Sagres Bieren, Cocktails und leckeren überbackenen Nachos schreit...

19 Uhr: Unser Hotel befindet sich gleich um die Ecke. Es wird Zeit für eine Verschnaufpause. Diese dauert allerdings nicht all zu lange, da ich gerne noch den Parque Eduardo Vll sehen möchte.
Der Park ist die grüne Lunge der Stadt. Er befindet sich am Marques de Pombal, an dem die Avenida da Liberdade beginnt. Er erhielt seinen Namen im Gedenken an den Besuch des englischen Königs Edwards im Jahre 1903, wurde aber erst in den 30ern angelegt. Vom oberen Ende soll der Blick auf die Avenida da Liberdade und bis hin zum Tejo überwältigend sein.
20 Uhr: Es ist dunkel in Lissabon. Wir können den nur spärlich beleuchteten Park nicht wirklich gut in Augenschein nehmen. Übersehen auch glatt, dass die Aussichtsplattform vom Regen überflutet ist und stehen plötzlich knöcheltief im Wasser.
Somit ist unser abendlicher Ausflug schnell abgekürzt. Wir treten den direkten Rückweg zum Hotel an. Allerdings lassen wir uns einigermaßen Zeit damit. Wir gehen zu Fuß über den Marques de Pombal. Der gleichnamige Diktator schuf nach dem Erdbeben von 1758 die von hier aus sichtbare Unterstadt neu.
Wir gehen die 1,5km lange Avenida da Liberdade entlang. Ich möchte behaupten, sie ist die Champs Élysées von Lissabon. Ein Prachtboulevard von rund 90 Metern Breite, gesäumt von Geschäften mit internationalen Modeketten und Designern. Darunter Rolex, Gucci, Prada und Co.
21 Uhr: Die Liberdade endet am Restauradores und wir somit wieder im Hotel.
22 Uhr: Das war ein traumhafter erster Tag trotz einigen Wassers, erst von oben, dann von unten...
Dienstag, 23.9.14
07.45 Uhr: Wir sind wieder ohne Wecker zur selben Uhrzeit wach aber ich fühle mich gar nicht ausgeschlafen.
Das Frühstück im Hotel ist heute auch nicht schön aber immerhin wurde die Auswahl so abgeändert, dass man zumindest satt werden kann wenn man sich Mühe gibt.
9 Uhr: Zeit aufzubrechen. Eigentlich wollen wir direkt zur Metro am Rossio gehen und bis zum Endbahnhof Santa Appolonia fahren aber wir legen spontan einen kleinen Umweg ein: Direkt vor unserem Hotel startet die Standseilbahn Elvador da Gloria, die bereits 1855 in Betrieb genommen wurde, die die Avenida da Liberdade mit der Rua Sao Pedro de Alcantara im Bairro Alto verbindet und mit der wir zum Miradouro Sao Pedro de Alcantara hinauf fahren. Dieser gefällt mir vielleicht am Besten – aber leider ist es auch heute Morgen ziemlich neblig.
Der Elvador da Gloria bildet eine absolute Rennstrecke und ist unverzichtbar für Einheimische und auch Touristen. Man sollte allerdings unbedingt wissen, dass man sich die 3.60 Euro One Way getrost sparen kann wenn man a) zwei gesunde Füße hat die einen auch 276 Meter steil bergauf tragen oder b) im Besitz eines 24h Tickets der öffentlichen Verkehrsmittel (6 Euro) ist. Letzteres trifft auf uns zu! ![]()

Wir gehen von hier aus zur Metro Baixa/Chiado und fahren zu unserem ursprünglichen Ziel. Hier angekommen sind wir der Rotterdam der Holland America Linie ganz nah. Gestern lag hier auch noch eines der Schiffe aus der MSC-Flotte – heute hat es den Hafen bereits verlassen.
Ich möchte gerne zum Trödelmarkt auf dem Platz Santa Clara. Wir passieren auf dem Weg dorthin die Igreja de Santa Engraca und kaufen uns spontan ein Ticket für die 360 Grad Panorama-Aussichtsterrasse dieser Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert. Unzählige schweißtreibende Stufen später sind wir oben und genießen einen tollen, mittlerweile sonnigen, Ausblick!

Der Trödelmarkt ist sehr groß aber wir schauen uns nur einen Bruchteil an und werden auch nicht fündig aber es ist interessant zu sehen was dort noch versucht wird an den Mann zu bringen.
Vom Bahnhof Santa Apollonia fahren wir nun per Bus bis zum Cais do Sodre. Nicht aber um etwa wieder eine Fähre zu besteigen – nein, heute wollen wir mit der Bahn nach Cascais fahren.
11.40 Uhr: Wir verlassen Lissabon Richtung Westen und kommen 35 Minuten später in Cascais an. Der Ort besteht aus einer stillen Ober- und einer lebhaften Unterstadt. Für Touristen sind das bunte Treiben in den viel besuchten Fußgängerzonen und die herrlichen kleinen Badestrände anziehend. Länger als eine Stunde halten wir uns jedoch nicht auf. Wir haben weder Badesachen dabei noch wollen wir Shoppen gehen.

Unser nächster Stopp (2 Stationen), den wir ebenfalls per Bahn erreichen und der sich wieder auf dem Weg Richtung Lissabon befindet, ist Estoril. Hier befinden sich noble alte Villen und Hotels, die die exklusive Vergangenheit widerspiegeln.
Sehenswürdigkeiten gibt es nicht wirklich – das touristische Leben spielt sich am Strand, im Stadtpark, im größten Casino Europas oder auf den umliegenden Golfplätzen ab. Der britische Touch inklusive 5 o´clock tea zieht vor allem Briten an.
Auch wir werfen lediglich einen Blick auf den Strand und kehren dann ganz entspannt zum Mittagessen ein.
14 Uhr: Wir lassen uns das Bier Super Bock und eine Pizza schmecken. Direkt hinter uns der große Stadtpark, der dem Casino vorgelagert ist und den wir anschließend noch durchstreifen.

Es zieht uns nach Belem! Auch dieser Lissabonner Stadtteil ist auf unserer Bahnlinie verzeichnet. Die Station wird jedoch leider ausgelassen, sodass wir uns zu Fuß und per Tram zurück kämpfen müssen. Die Tram hält dann aber glücklicherweise sehr nah an der Pastelleria de Belem, die wir aufzusuchen gedenken.
Hier werden seit 1837 die berühmten Pasteis de Belem immer noch per Hand hergestellt. Leckere Blätterteigtörtchen gefüllt mit Pudding, die ich mehr als alles andere mit Portugal verbinde. Wir trinken dazu Kaffee und rollen dann wieder hinaus aus diesem unglaublich riesigen aber heillos überfüllten Café. Die Warteschlange draußen ist rekordverdächtig!

Völlig spontan entscheiden wir uns für die Besichtigung des Jeronimos Klosters. Dieses gilt als besonders glanzvolles Zeugnis der Entdeckerzeit. Errichtet wurde es an dem Ort, an dem zuvor eine kleine Kapelle gestanden hatte, die auf eine Gründung Heinrich des Seefahrers zurückgeht. Das Kloster wurde dann ab 1502 im Auftrag von König Manuel l und bis zu seinem Tod 1520 erst teilweise fertig gestellt.
Eigentlich hatte ich noch vor Abflug nach Lissabon festgelegt, das Kloster nicht während dieser Reise zu besuchen, da ich glaubte, es würde zeitlich den Rahmen sprengen. Jetzt sind wir aber hier und es ist noch eine ganze Stunde Zeit bis die Tore geschlossen werden - das soll uns reichen.
Und was soll ich sagen? Das Bauwerk erscheint mir einmalig. Dieser prunkvolle Baustil der Manuelinik ist wirklich etwas ganz besonderes und die Sonne, die inzwischen schon recht tief steht, tut ihr Übriges. Spitze!

Als wir das Kloster verlassen, steht eine Kutsche davor. Ich hatte bereits gelesen, dass Kutschfahrten für 8.50 Euro pro Person angeboten werden, jedoch ohne Angabe von Dauer oder Startzeit. Wenn das jetzt nicht ein toller Zufall ist?!
Rund 20 Minuten dauert die Rundtour vorbei am Kloster, dem Kulturellen Zentrum Belems, am Entdeckerdenkmal und am Präsidentenpalast. Wir sind die einzigen Fahrgäste und unser Pferd sieht toll gepflegt aus. Uneingeschränkt empfehlenswert!
Jetzt wollen wir aber noch zu Fuß zum Entdeckerdenkmal und zum Torre de Belem!
Das Entdeckerdenkmal ist vermutlich DAS Wahrzeichen der Stadt- es zeigt diverse Persönlichkeiten in Stein gehauen, mit Blick auf den Tejo, darunter Heinrich der Seefahrer und Vasco da Gama. Das Denkmal ist erst von 1960 und bietet eine Aussichtsterrasse sowie im Inneren ein Museum.
Als wir jedoch erfahren, dass der Aufzug zur Aussichtsterrasse zurzeit defekt ist, beschließen wir kurzerhand auf den Aufstieg zu verzichten, wir haben heute bereits wirklich genug zu-Fuß-Kilometer zu verzeichnen.

Der Torre de Belém ist von hier aus binnen weniger Gehminuten erreichbar. Zwischen 1515 und 1521 wurde er als Wachturm errichtet und später als Gefängnis genutzt. Heute stellt er eines der Wahrzeichen von Lissabon dar und zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Es gibt eine Aussichtsplattform auf der obersten Etage aber der Turm hat bereits geschlossen.

19 Uhr: Wir wollen heimwärts. Kurz die Füße hochlegen und verschnaufen. Wir haben einen unglaublich schönen aber auch unglaublich anstrengenden Tag hinter uns. Wir haben so viel gesehen, so viele Eindrücke gesammelt.
Mit der Tram fahren wir zum Praca Figueira und haben es nicht mehr all zu weit zu laufen zum Hotel.
21 Uhr: Die Gloria hat uns wieder hoch gefahren und so ist es nicht mehr zu weit zu laufen zur Cervejeria Trinidade, wo wir zu Abend essen.
Anschließend laufen wir noch ein bisschen durch das Bairro Alto, eines der ältesten Stadtviertel und definitiv das lebhafteste heutzutage.
Es handelt sich um ein im 17. Jahrhundert für Adelige und Reiche angelegtes Wohngebiet das sich später allerdings zu einem sehr unbeliebten Viertel entwickelte und heutzutage wiederum absolutes In-Viertel mit vielen jungen Leuten und Künstlern ist. Tagsüber wirkt es eher verschlafen, nachts tobt dafür das Leben. Es gibt nicht nur Fado-Lokale und Szene-Restaurants sondern vor allem Bars und Diskos. Hier spielt sich der größte Teil des Lissabonner Nachtlebens ab.
Fado-Lokale bieten Live-Musik in einer Musikrichtung, die von sozialen Missständen und unglücklicher Liebe singt.
23.30Uhr: Wir sind zurück im Hotel und fix und fertig. Ich muss an die lieben Wünsche meiner Freunde und Bekannten denken, die mir immer und immer wieder „Schönen Urlaub“ und „Gute Erholung“ wünschen. Von Erholung kann auf meinen Reisen bekanntermaßen aber eher keine Rede sein. Das merke ich heute wieder einmal. Aber ich suche mir das schließlich selbst so aus. Ich glaube erholen ist für mich nichts. Strand und Buch und so? Naja eher weniger... Ich erhole mich dann eher zu Hause auf dem Sofa oder auf dem Pferderücken. Sofern dazu Zeit bleibt.
00.30Uhr: Gute Nacht.
Mittwoch, 24.9.14
7.30Uhr: Der Wecker kennt keine Gnade. Denn wir haben heute viel vor. Bereits Wochen im Voraus habe ich recherchiert, dass in Queluz ein zauberhafter Palast steht und jeden Mittwoch um 11 Uhr Vorführungen der portugiesischen Kunstreitschule stattfinden.
9.15Uhr: Wir sind auf dem Weg. Mit der Bahn der Sintra-Linie fahren wir vom Rossio nach Queluz.
Auf halber Strecke zwischen Lissabon und Sintra liegt diese Kleinstadt. Eigentlich ein unscheinbares Industriestädtchen, allerdings mit einer Sehenswürdigkeit, die man hier nicht vermutet. Der Palacio Nacional de Queluz! Genannt „portugiesisches Versailles“.
Mitte des 18. Jahrhunderts als Sommerresidenz für König Pedro lll gebaut, dann vom Erdbeben zerstört und anschließend im Stil des Rokoko prächtig erneuert und erweitert, ist eine unglaubliche Ähnlichkeit zum französischen Versailles nicht von der Hand zu weisen.
Das Lustschloss verfügt über eine prächtige Gartenanlage und wird heutzutage in erster Linie für Staatsempfänge genutzt.
Vom Bahnhof sind es 15-20 Gehminuten bis zum Palast. Wir kaufen ein Ticket für die gesamte Anlage inklusive Gärten und Reitvorführung. Mit 12.50 Euro pro Person sind wir dabei. Man muss aber wissen, dass die Reitvorführungen auch ohne Extra-Ticket einsehbar sind – dann zahlt man nur die Hälfte. Der Blick vom oberen Garten kann nicht so viel schlechter sein als von der Tribüne.
11 Uhr: Wir sitzen in der 1. Reihe und die Lusitanos schweben ins Viereck. Etwas über eine halbe Stunde dauert das Spektakel der barocken Reitkunst. Von Piaffe über Traverse und Pirouette bis hin zu Einer-Galoppwechseln und Kapriolen wird uns alles und noch mehr geboten.

Im Anschluss ist es erstaunlicherweise möglich die edlen Tiere zu streicheln und sich mit den Reitern kurz zu unterhalten oder Fotos zu machen.
Wir machen uns auf den Weg durch einen Teil der unglaublich weitläufigen Gartenanlage und finden großes Gefallen an ihr. Natürlich steht und fällt hier alles mit dem Wetter. Sonnige 20-25 Grad kommen uns da sehr recht.
Man könnte gut und gerne einen halben bis ganzen Tag hier spazieren gehen, es gibt immer wieder Bänke in der Sonne oder im Schatten, eine Falknerei, eine Caféteria und sogar die Stallungen und das Training der Pferde kann angesehen werden. Auch hier ist es wieder möglich die Tiere anzufassen.

Wir besichtigen den Palast selbstverständlich auch noch von innen und ich frage mich warum es mir hier so gut gefällt. Ja er ist stilvoll aber eben nicht zu protzig. Nicht zu kitschig aber auch keineswegs schlicht. Ist das hier einfach so unglaublich toll? Oder werde ich jetzt alt?

13.30 Uhr: Unser weiteres Vorhaben für den heutigen Tag steht an. Kontrastprogramm. Wir wollen nach Benfica um das Estadio da Luz zu besichtigen. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof Queluz, organisieren wir uns spontan ein paar süße Gebäckteile aus einer Pastelaria und verputzen diese im Schatten der Palmen.
Als Papa einen Bus sieht, der offenbar direkt zum Stadion fährt, entscheiden wir uns um und gehen doch nicht mehr zum Bahnhof zurück. Wir hätten nämlich erst mit der Bahn fahren und dann später in die Metro umsteigen müssen. Der Bus hingegen fährt direkt.
Jedenfalls fast.
Die Endstation Colegio Militar befindet sich zwar direkt gegenüber vom Stadion – und wird schließlich auch immer als Orientierungspunkt für Besucher des Stadions genannt- allerdings ist der Fußweg ab hier umständlich und sehr weit.
Wir sind beinahe im Begriff eine vielspurige Hauptstraße zu überqueren, die dazu gar nicht gedacht ist, als der einzige Mensch weit und breit auf uns zukommt um uns davon abzuraten. Wenn wir zum Stadion wollen, sollen wir so und so gehen.
Ehrlich gesagt würde in Deutschland niemand zwei Touristen in der Pampa ansprechen, die sich über eine gefährliche Straße wagen wollen. Es würde auch niemand einen alternativen Weg vorschlagen. Und schon gar nicht auf drei verschiedenen Sprachen um sich verständlich zu machen.
An dieser Stelle passt es eigentlich sehr gut, die Gründe zu nennen, die dazu beitragen, dass ich von diesem Land und dieser Stadt so begeistert bin:
Als Erstes wären da definitiv die Menschen. Stehst du hilflos oder verwirrt herum, kommen sie zu dir und fragen dich nach deinem Problem und erklären dir wie du dieses lösen kannst. Notfalls mit Händen und Füßen. Man ist hier grundsätzlich freundlich und hilfsbereit – aber, dass mich das im Ausland immer wieder beeindruckt, ist ja nichts Neues.
Als Zweites wären da natürlich die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, wobei es wenig Sinn macht Kirche A, B, C, Platz X und Y oder Monument Sowieso aufzuzählen. Eher zählt das Gesamtbild. Es gibt immer wieder überall prächtige Gebäude und Ecken, dazwischen aber auch vieles was heruntergekommen ist und von dem krisengebeutelten Land einfach zurzeit nicht restauriert werden kann. Aber gerade das macht und machte schon immer den Charme dieser Stadt aus. Nicht jeder Winkel muss glänzen. Wo ist das schon so?
Drittens: Wo wir gerade bei glänzen sind. Ich finde es hier unglaublich sauber, es liegt kaum Müll herum und ebenso positiv ist, dass hier gefühlt fast niemand raucht. Paradiesische Zustände für mich!
Viertens: Die öffentlichen Verkehrsmittel, nicht unwichtig für eine Städtereise. Diese sind hier im Gegensatz zu Deutschland wirklich sauber, billig, schnell, vielfältig, pünktlich und leicht verständlich. Es gibt eigentlich kein Vertun wenn man das System einmal durchblickt hat – und das geht schnell.
Fünftens: Essen! Es ist ziemlich fleisch- und fischlastig aber wie in vermutlich jedem Land der Welt, habe auch ich als Vegetarier hier trotzdem alle Möglichkeiten. Man kann Dinge bei einem Gericht ab- oder umbestellen wenn es nicht sowieso schon eine vegetarische Auswahl gibt. Dazu gehört auf jeden Fall ein portugiesisches Bier. Die beiden großen und bekannten Sorten sind Sagres (mein Favourit) und Superbock! Außerdem ist es völlig normal, nur halbe Portionen zu bestellen, da diese hier in der Regel sehr groß sind, oder aber ein Gericht für zwei Personen zum Teilen, also mit 2 Tellern und 2x Besteck. Das ist eine super Sache und man wird trotzdem satt.
Sechstens: Das Wetter im September. Bis auf Schnee haben wir alles abbekommen. Am Besten gefallen mit natürlich die sonnigen und trockenen Abschnitte. Diese überwiegen auch. Heute war es einfach perfekt, das heißt auch nicht zu heiß! Der ideale Reisemonat für diese Stadt. Ich kenne natürlich keinen Vergleich aber werde diesen mit definitiver Sicherheit aufstellen indem ich das nächste Mal in einem der anderen elf Monate hier herkommen werde.
Siebtens: Der Tejo. Der Fluss ist hier in Lissabon so breit, dass man wirklich das Gefühl hat, am Meer zu sein. Na klar, der Fluss vermischt sich hier auch mit dem Atlantik. Es ist einfach herrlich, denn man erwischt von vielen Punkten aus immer wieder den Blick auf´s Blau und hat dann das Gefühl, es sei in greifbarer Nähe bzw. es ist auch tatsächlich nie allzu weit dorthin.
Das sind jetzt ein paar Dinge, die in zufälliger Reihenfolge einen kleinen Eindruck vermitteln sollen von dem was mir besonders positiv erscheint.
Aber wo waren wir stehen geblieben? Beim Stadion in Benfica!

15.30Uhr: Die Führung beginnt. In einer Gruppe mit nur sechs Teilnehmern geht es los, sofort mit Blick auf´s Grün.
Es folgen die Gästekabine, der Presseraum sowie die Falken Vittoria und Gloria. Eine von beiden darf bei vollem Stadion vor jedem Spiel eine Runde durch´s Stadion drehen. Meistens Vittoria, da diese jünger ist und schneller begreift. Gloria muss noch etwas trainieren.

Leider dauert die Tour nur schmale 30 Minuten. Das war wirklich wenig! Ich hatte mit wenigstens einer Stunde gerechnet, bin aber vielleicht auch verwöhnt von St. Pauli, Eintracht Braunschweig und Ajax Amsterdam. Die Touren haben alle länger gedauert. Schlechter war die heutige dadurch aber nicht.
Mit der Metro fahren wir zurück in die Stadt. Nach einem kurzen Stopp im Hard Rock Café, gehen wir für ein kleines Päuschen zu unserem Hotel.
18.30Uhr: Der Hunger hat uns gepackt. Bereits am Montag hatten wir uns vorgenommen, einmal im Casa do Alentejo essen zu gehen. Ein Restaurant mit beeindruckender Lobby, die mich optisch sofort an die Alhambra in Granada erinnert hat. Der Bereich, in dem gegessen wird ist überall mit Fliesen dekoriert, die gesamten Wände erzählen mit ihren Fliesenbildern Geschichten.
Essen lässt es sich hier hervorragend. Ich habe einen tollen Salat mit unterschiedlichen Käsesorten und Papa Fleisch mit Reis und -Achtung- warmen Apfelmus! Lecker!! Und dazu gönnen wir uns eine Flasche Vino Verde.
Jetzt wird es dringend Zeit für Souvenirshopping! Und ein bisschen Bewegung nach dem Essen ist auch nicht verkehrt.
Wir kommen am Rossio vorbei, der aus allen Nähten platzt. Studenten aus Coimbra, alle in schwarz gekleidet, vorzugsweise sogar in Gewändern, scheinen hier irgendetwas zu feiern. Was zunächst aussieht wie eine Demo, könnte auch eine Abschlussfeier o.ä. sein. Vielleicht auch eine Mischung aus all dem. Die ganz harten stehen in Unterwäsche im Brunnen. Es fließt hier und da der Alkohol. Wir werden nicht schlau aus dieser lauten Veranstaltung.
Ich will noch unbedingt zum Hotel Mundial in die Roof Top Bar. Viel davon gelesen und vorgestern noch extra als persönlichen Tipp bekommen.
Was soll ich sagen? Es lohnt sich! Die Bar ist über den 8. Stock des Hauses erreichbar und bietet in luftiger Höhe open Air einen gigantischen Ausblick auf die Stadt. Es scheint mir, hier einen derartigen Rundumblick zu haben wie bisher noch nicht! Und das sogar bei Nacht.
Das Castelo de Sao Jorge scheint zum Greifen nah, wir erkennen den Tejo, sogar den Cristo Rei, Rossio, Restauradores, den Elvador Santa Justa und noch vieles mehr.
A pro pos Santa Justa. Dieser ist unser nächstes aber leider auch allerletztes Ziel! Eine Fahrt mit diesem Fahrstuhl ist das Muss schlechthin! Jedenfalls für mich und schon seit ich wusste, dass ich eines Tages hier her kommen würde.
5€ soll eine Fahrt pro Person kosten, aber wir haben ja unser Metroticket, das hier auch gültig ist. Genau wie bei der Gloria-Bahn haben wir somit ordentlich was gespart.
Angekommen in der Oberstadt, laufen wir wieder zurück nach unten und zum Hotel. Es ist leider Zeit zu schlafen, da wir morgen früh los müssen...
Donnerstag, 25.9.14
6 Uhr: Ich packe meinen Koffer und nehme mit... Meine Sachen, etwas Sonne, unzählige Eindrücke, beeindruckende Momente und eine neue Sehnsucht...
Es gibt da also auch noch eine dritte Heimat in mir...
7 Uhr: Unser Transferbus bringt uns in knapp 30 Minuten zum Flughafen.
Dort wird zunächst gefrühstückt, dann eingecheckt, anschließend draußen in der Sonne gewartet, gewartet, gewartet und zu guter letzt ausgiebig dutyfreegeshoppt.
Unsere Maschine hat fast anderthalb Stunden Verspätung. Mich würde interessieren ob das an Hannover oder an Lissabon oder schlicht an der TAP liegt. Oder an etwas anderem. Verspätungen kosten die Airline schließlich viel Geld. Warum passiert uns das dann so gravierend sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückflug?
Muss ich an dieser Stelle eigentlich allen Ernstes noch ein Fazit schreiben? Ich glaube ich würde mich sowieso nur wiederholen. Oder? Ich hoffe es ist im Verlauf dieses Textes bereits deutlich geworden was ich von Lissabon halte. Und, dass es so sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass ich noch viele Male wiederkommen werde! Das muss ich nicht extra noch mal betonen, oder? ![]()
"Wer Lissabon nicht gesehen hat, der hat nie etwas Schönes gesehen" (portugiesisches Sprichwort)
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